Full text: Arbeit & Wirtschaft - 1967 Heft 06 (06)

SS
Alfred Magaziner
Dos Problem der
Dienstleistungsgewerbe
In einigen Artikeln in „Arbeit und
Wirtschaft" wurde, vom Standpunkt
des gewerkschaftlichen Vertrauensman¬
nes aus gesehen, eine Frage zur Dis¬
kussion gestellt, die gegenwärtig eines
der zentralen Probleme der Arbeiter¬
bewegung ist, nämlich die Einbeziehung
der Beschäftigten in den immer mehr
anschwellenden Dienstleistungsbetrie¬
ben. Als Außenstehender kann ich
natürlich nicht beurteilen, ob man
mit dieser Aufgabe leichter durch
die Zusammenfassung in großen ge¬
werkschaftlichen Organisationen oder
mit Hilfe kleinerer Organisations¬
körper fertig werden kann. Aber auch'
der Außenstehende kann feststellen,
daß es zum Beispiel im Hotel- und
Gastgewerbe bis jetzt nicht gelungen
Ist, zu einer zufriedenstellenden Organi¬
sationsdichte zu kommen. Diese Be¬
hauptung läßt sich beweisen, wenn man
die Beschäftigtenzahlen in diesem Ge¬
werbe in verschiedenen Jahren mit den
korrespondierenden Zahlen der ge¬
werkschaftlich Organisierten vergleicht.
So hat es im August des Jahres 1952
rund 44.000 Beschäftigte in diesem Ge¬
werbe gegeben, von denen rund 11.000
gewerkschaftlich organisiert waren. In¬
zwischen ist die Zahl der Beschäftigten
sprunghaft gestiegen, die Zahl der ge¬
werkschaftlich Organisierten ist aber
fast stationär geblieben. Im Jahre 1959
waren bereits rund 69.000 Personen in
diesem Gewerbe beschäftigt, aber erst
11.600 gewerkschaftlich organisiert.
1960 standen 70.000 Beschäftigten rund
12.000 gewerkschaftlich Organisierte ge¬
genüber. Im Jahre 1961 hat sich die
Zahl der Beschäftigten zwar um 2000
erhöht, die Zahl der gewerkschaftlich
Organisierten ist aber in diesem Jahr
sogar zurückgegangen. Im Jahre 1962
gab es bei 74.000 Beschäftigten immer
erst rund 12.000 gewerkschaftlich Orga¬
nisierte, und erst 1963, als die Zahl der
Beschäftigten 78.000 betrug, konnte die
12.000er Grenze überschritten werden.
Für das Jahr 1966 sind die entsprechen¬
den Zahlen 84.000 gegen rund 13.000.
Das heißt also: der Abstand zwischen
der Zahl der Beschäftigten und der ge¬
werkschaftlich Organisierten wird
immer größer, und das in einem Ge¬
werbe, das ständig expandiert und über
dessen volkswirtschaftliche Bedeutung
sicher nicht gestritten werden muß. Es
liegt also hier fraglos ein außerordent¬
lich ernstes Problem vor, dessen Lösung
im Rahmen der Einzelgewerkschaft bis¬
her nicht gelungen ist.
Es erscheint mir daher an der Zeit,
daß sich die Leitungskörperschaften
des ÖGB mit dem Problem befassen,
das bestimmt keine Detailfrage ist, die
nur einen beschränkten Kreis von Ver¬
trauensleuten interessiert. In Wahrheit
handelt es sich um eine der Kern¬
fragen der Arbeiterbewegung in der
gegenwärtigen Situation. Vielleicht
wäre es notwendig, mit Hilfe von
wissenschaftlichen Untersuchungen dem
Phänomen auf die Spur zu kommen.
Die Hoffnung, das sich jenes Solidari¬
tätsgefühl, das zum Eintritt in die
Gewerkschaft führt, bei den neuen
Arbeitern und Angestellten in der
Dienstleistungswirtschaft sozusagen
automatisch entwickeln wird, ist schon
deshalb eine fragwürdige Angelegen¬
heit, weil man bereits bei oberfläch¬
licher Beobachtung konstatieren muß,
daß diese Menschen ein anderes Be¬
wußtsein entwickeln als etwa der Arbei¬
ter, der in eine Fabrik kommt. Während
der letztere sehr früh die Gewißheit
empfängt, sein ganzes Leben Arbeiter
bleiben zu müssen, ist das sicherlich bei
einem Teil der Menschen in der Dienst¬
leistungswirtschaft anders. Wenn zum
Beispiel eine Serviererin oder ein Stu¬
benmädchen in einem Fremdenver¬
kehrsort die Hoffnung hat, durch großen
Fleiß und ebenso große Sparsamkeit an
ihr Einfamilienhaus einige Zimmer an¬
bauen zu können und so zur „Unterneh¬
merin" zu werden, so wird sie wahr¬
scheinlich über lange Arbeitszeiten, die
höhere Verdienstmöglichkeiten ergeben,
0 du mein
Österreich!
Die an erster Stelle abgedruckte Ein¬
sendung wird mit 100 Schilling, jeder
weitere Abdruck mit 50 Schilling prä¬
miiert.
Bitte, Zeitungsabschnitte auf Post¬
karten kleben und an die Redaktion von
„Arbeit und Wirtschaft", Hohenstaufen¬
gasse 10, 1011 Wien, senden.
Der Chef der Terroristen, Dr. Burger,
ist im Gasthaus „Zum wilden Mann" in
Linz abgestiegen.
„Tagblatt" (Einsender: H. Schanovsky)
Die Frage, ob man den Rechnungshof
anlügen darf oder nicht, ist nirgends
anders urteilen als der Arbeiter, der nie
die Hoffnung hat, Fabrikant oder selbst
nur bescheidener Werkstättenbesitzer
zu werden. Das soll nur eine Andeu¬
tung sein. Die notwendige Unter¬
suchung dieses Problems wird sich nicht
nur mit dem Bewußtsein dieser Arbei¬
terschichte beschäftigen müssen, son¬
dern auch mit einer Reihe anderer
Probleme. Eine wissenschaftlich fun¬
dierte Antwort auf das aufgerollte Pro¬
blem möchte — was die Kollegen in
der betreffenden Branche hoffentlich
mit Genugtuung zur Kenntnis nehmen
werden — jeder haben, der an der
Entwicklung der Arbeiterbewegung in
ihrer Gesamtheit interessiert ist.
Kurt Weihs
Zur Steuer-Gretchenfroge
Fritz Klenner spricht sich in einem in
„Arbeit und Wirtschaft" kürzlich er¬
schienenen Artikel für eine „bewußter"
gehandhabte Verlagerung von der
direkten zur indirekten Besteuerung
aus, wie sie tendenziell ohnedies seit
Jahren vor sich geht und an Hand von
Zahlenbeispielen von ihm selbst nach¬
gewiesen wird. Bessere staatliche Be¬
friedigung wachsender Bedürfnisse wie
auch vermehrte Bereitstellung staat¬
licher wachstumsfördernder Mittel er¬
fordere höhere Staatseinnahmen. Bei
Aufbringung dieser vermehrten Steuern
wird der Unmut der Bevölkerung viel
eher durch eine stärker fühlbare direkte
Besteuerung, etwa durch die stark pro¬
eindeutig geregelt" (Präsident Dr. Jörg
Kandutsch während einer Sitzung des
parlamentarischen Rechnungshofaus¬
schusses, in der über den Autobahnbau
diskutiert wurde).
„Wochenpresse" (Einsender: H. Schute)
Wir vom Theo suchen 20 Friseurlehr¬
linge. Für jeden eingestellten Lehrling
zahlen wir 500 Schilling bar aus. Den
Kunden, Bekannten, Verwandten oder
Eltern. Der Betrag ist fällig nach Ab¬
schluß des 1. Lehrjahres.
„Kurier" (Einsender: H. Schmoll)
Der ohne Urlaubsschein gebliebene
Funker weiß noch zu berichten, daß
ihm der Oberleutnant erklärt hatte,
daß das Ausfüllen mit rotem Kugel¬
schreiber der Grund für die Ablehnung
gewesen sei.
„Kurier" (Einsender: H. Oberndorfer)
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