Full text: Arbeit & Wirtschaft - 1969 Heft 01 (01)

Sozialpolitische Betrachtungen
zur Vierzigstundenwoche
GERHARD WEISSENBERG
Die Verkürzung der Arbeitszeit gehört zu den ältesten
Zielen und Errungenschaften der Sozialpolitik. Der
Achtstundentag wurde bereits im Jahre 1817 von
Robert Owen gefordert. Der internationale Sozialisten¬
kongreß in Paris beschloß 1889, in allen Ländern am
1. Mai Massendemonstrationen der Arbeiterschaft für
den Achtstundentag durchzuführen. In Österreich
kam es 1884 zum Zehnstundentag im Bergbau, 1885
zum Elfstundentag in den fabriksmäßigen Gewerben,
1901 zum Neunstundentag im Kohlenbergbau und 1918
zum allgemeinen Achtstundentag in einer 48-Stunden-
Woche. Für Frauen und Jugendliche wurde 1919 die
44-Stunden-Woche festgesetzt. Allerdings kam diese
durch zahlreiche Ausnahmevorschriften kaum zur An¬
wendung. Das Achtstundentagsgesetz von 1919 wurde
1939 durch die Einführung des deutschen Reichsrechtes
verdrängt. Die deutsche Arbeitszeitordnung sieht eine
maximale Arbeitszeit von acht Stunden täglich vor. Es
kam jedoch bereits in den ersten Kriegstagen zu Ab¬
änderungen, die schließlich zum zehnstündigen Arbeits¬
tag in einer 60-Stunden-Woche führten. Auf Grund des
Rechtsüberleitungsgesetzes ist das deutsche Reichsrecht
österreichisches Recht geworden. Die von den Höchst¬
gerichten unterschiedliche Beurteilung des Rechtsüber¬
leitungsgesetzes führte zu der bei den Gerichten herr¬
schenden Auffassung, daß die kriegswirtschaftlichen
Verordnungen über den Zehnstundentag in der
60-Stunden-Woche noch heute geltendes Recht wären
— und das 23 Jahre nach Kriegsende beziehungsweise
50 Jahre nach Erkämpfung des gesetzlichen Achtstun¬
dentages.
Schon 1948 Entwurf für neues Arbeitszeit¬
gesetz
Schon 1948 wurde erstmalig im Parlament eine
Regierungsvorlage über ein neues österreichisches
Arbeitszeitgesetz eingebracht, die jedoch am Wider¬
stand der ÖVP scheiterte. Ähnliche Versuche in späte¬
ren Jahren erlitten dasselbe Schicksal.
Durch Erklärungen des ÖGB-Präsidenten Benya in
jüngster Zeit trat die Forderung nach einem modernen
Arbeitszeitgesetz, verbunden mit einer Arbeitszeitver¬
kürzung bis zur Vierzigstundenwoche, in ein neues Sta¬
dium.
Die Vierzigstundenwoche bedeutet die Aktualisierung
einer schon vom 3. Bundeskongreß des ÖGB (1955) er¬
hobenen Forderung. In dem damals beschlossenen
Aktionsprogramm heißt es unter dem Titel „Arbeits¬
zeitverkürzung:
Während die fortschreitende Technisierung die Last der
manuellen Arbeit erleichtert, beanspruchen die modernen
Arbeitsmethoden den Menschen psychisch immer mehr.
Die Gesundheit ist nicht nur das höchste Gut des einzelnen,
sondern des ganzen Volkes, und die menschliche Arbeits¬
kraft die größte Aktivpost der Volkswirtschaft. Um
dauernde körperliche und seelische Schäden bei der
arbeitenden Bevölkerung zu vermeiden, tritt der Gewerk¬
schaftsbund im Rahmen der wirtschaftlichen Möglich¬
keiten zur Erreichung der 40stündigen Arbeitswoche für
eine schrittweise Verkürzung der Arbeitszeit bei vollem
Lohnausgleich ein. Dabei ist auf die Abhängigkeit Öster¬
reichs vom Auslandsmarkt Rücksicht zu nehmen.
Zum Ausgleich der Mehrbelastung ist ein ausreichender
Urlaub für Arbeiter, Angestellte und öffentlich Bedienstete
in Verbindung mit einem entsprechenden finanziellen
Urlaubszuschuß von besonderer Bedeutung.
Das Überstundenunwesen ist wegen der Gefahr gesund¬
heitlicher Schädigung und unsozialer volkswirtschaftlicher
Auswirkungen schärfstens abzulehnen."
Der damalige Sozialminister Proksch ergriff bald
nach dem ÖGB-Kongreß neuerlich durch die Vorlage
eines Arbeitszeitgesetzentwurfes, in dem auch ein kon¬
kreter Arbeitszeitverkürzungsplan enthalten war, die
Initiative, scheiterte aber, wie bei früheren Versuchen,
an demVeto einiger seiner Ministerkollegen aus der an¬
deren Regierungspartei. Der von diesem Gesetzentwurf
Als die Arbeiter den 1. Mai zu ihrem Feiertag machten, demon¬
strierten sie damit auch für den Achtstundentag.
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