Full text: Arbeit & Wirtschaft - 1969 Heft 01 (01)

Die soziale Krankenversicherung
Die soziale Krankenversicherung kennt nicht die
Wahlmöglichkeit zwischen verschiedenen Ver¬
sicherungsgesellschaften, sondern der Versicherte muß
bei jenem Krankenversicherungsträger versichert
sein, der nach der Art der Beschäftigung (zum Beispiel
Gebietskrankenkasse oder Landwirtschaftskranken¬
kasse) und nach seinem Beschäftigungs- oder Wohnort
zuständig ist.
In der sozialen Krankenversicherung ist man ver¬
sicherungspflichtig ab dem Beginn einer Beschäfti¬
gung.10 Die Versicherungspflicht endet erst wieder mit
der Aufgabe der Beschäftigung. In der privaten Kran¬
kenversicherung kann der Versicherte nach freiem
Entschluß seine Versicherung abschließen oder kün¬
digen.
In der sozialen Krankenversicherung kann der Ver¬
sicherte Art und Umfang der Leistung und die Höhe
der Beitragsleistung (Prämien) nicht selbst bestim¬
men. Die Beiträge und Leistungen werden durch Gesetz
und Satzung vorgeschrieben.
In der privaten Krankenversicherung hingegen kann
der Versicherte Art und Umfang der Leistung selbst
bestimmen. Es besteht die Wahl zwischen verschie¬
denen Tarifen. Die Leistungshöhe wird durch die Höhe
der Prämie bestimmt.
In der sozialen Krankenversicherung wird die Höhe
des Beitrages vom Arbeitsverdienst (Beitragsgrund¬
lage) des Versicherten errechnet. Der Beitrag ist also
bei höheren Arbeitsverdiensten höher als bei geringe¬
ren Arbeitsverdiensten.11 Geschlecht, Alter und Fami¬
lienstand haben auf die Beitragshöhe keinen Einfluß.
Die private Krankenversicherung stuft die Prämien
nach Geschlecht, Alter und Familienstand ab, wobei
die Prämien mit zunehmendem Alter steigen.
Die soziale Krankenversicherung schließt Familien¬
angehörige ohne gesonderte Beitragszahlung in den
Versicherungsschutz ein. Die private Krankenversiche¬
rung bezieht hingegen Familienmitglieder in die Ver¬
sicherung nur gegen gesonderte beziehungsweise
höhere Prämienzahlung ein.
In der sozialen Krankenversicherung steht es den
Versicherten genauso wie in der privaten Krankenver¬
sicherung frei, ob sie einen Vertragsarzt der Kasse
oder einen Wahlarzt in Anspruch nehmen wollen. Die
ärztliche Hilfe ist bei einem Vertragsarzt der Kasse
kostenlos; bei einem Wahlarzt wird nur tarifmäßiger
Kostenersatz geleistet. Die Kostenersätze liegen etwas
ungünstiger als in der privaten Krankenversicherung.
In der sozialen Krankenversicherung erhalten die
Versicherten die Anstaltspflege in der allgemeinen
Gebührenklasse einer öffentlichen Krankenanstalt und
anderen Anstalten, die mit der Kasse einen Vertrag
abgeschlossen haben, kostenlos.
Bei den Angehörigen sind kleine Zuzahlungen (10
" Von der Versicherungspflicht ist man nur dann ausgenom¬
men, wenn die Beschäftigung als geringfügig gilt, das heißt, wenn
der monatliche Arbeitsverdienst nicht mehr als 650 S beträgt.
" Die Mindestbeitragsgrundlage beträgt monatlich 650 S und
die Höchstbeitragsgrundlage derzeit 4050 S. Der Beitragssatz
ist bei den Angestellten 2,4 Prozent und bei den Arbeitern
3,65 Prozent.
Prozent der tarifmäßigen Spitalskosten) für die ersten
vier Wochen des Spitalaufenthaltes zu leisten.
Bei den notwendigen Heilmitteln ist die Kosten¬
beteiligung der Versicherten (4 S Rezeptgebühr je
Packung) in der sozialen Krankenversicherung auch
wesentlich geringer als in der privaten Krankenver¬
sicherung.
In den angeführten Tarifen der privaten Kranken¬
versicherung sind auch die Leistungen für Zahn¬
behandlung und Zahnersatz nicht vorgesehen. Diese
Leistungen werden nur auf Grund von zusätzlichen
Prämienzahlungen gewährt.
Der Privatversicherte muß in allen Fällen den Lei¬
stungserbringer (zum Beispiel Arzt und Spital) selbst
bezahlen und bekommt von der Privatversicherung
nach Vorlage der Rechnung nur den tarifmäßigen Teil
ersetzt.
Schlußfolgerungen
Die Vergleiche zeigen sehr deutlich die Unterschiede
der Sozialversicherung zur Privatversicherung auf. Das
Solidaritätsprinzip in der Sozialversicherung steht
dem Äquivalenzprinzip in der Privatversicherung
gegenüber, die soziale Beitragsleistung der mathemati¬
schen. Die Sozialversicherung hebt von den einzelnen
Versicherten nur Beiträge in jener Höhe ein, in der
er sie zahlen kann. Was der zahlungsschwächere Ver¬
sicherte zu leisten nicht imstande ist, das hebt man
von zahlungskräftigeren Versicherten ein.
Die Sozialversicherung kennt keine zwingende Rela¬
tion zwischen dem Beitrag des Versicherten und der
Größe des Risikos und zwischen Umfang der Leistung
und Höhe der Beiträge, während die Privatversiche¬
rung die finanzielle Beteiligung des Versicherten im
genauen Verhältnis zu ihrem Risiko errechnet.
Die Sozialversicherung verwaltet billiger und da¬
durch fließen die Beitragseinnahmen fast zur Gänze
als Leistungen an die Versicherten zurück.
Bei der Pflichtpensionsversicherung ergibt sich ein
wesentlicher Vorteil gegenüber der Privatpensions-
versicherung dadurch, daß sie einen lebenslangen un¬
verlierbaren Anspruch auf eine dynamische Pension
und das Ansteigen des Pensionsanspruches auch ohne
Beitragszahlung durch die allgemeinen Pensions¬
erhöhungen auf Grund des Pensionsanpassungsgesetzes
(PAG) bietet.
Weitere Vorteile der PflichtpensionsVersicherung:
• die beitragsfreie Anrechnung von Zeiten des Prä¬
senzdienstes beim Bundesheer, Zeiten des Besuches
einer Berufs-(Fach-)schule, Mittel- und Hochschule
und Zeiten des Wochengeldbezuges als pensions-
erhöhende Faktoren;
• daß sie keine Risikozuschläge für alte Leiden und
Vorerkrankungen einhebt;
• daß sie ohne zusätzliche Beitragszahlung Kinder¬
zuschüsse und Hilflosenzuschüsse zu den Alters- und
Invaliditätspensionen gewährt;
• daß die Pensionen 14mal im Jahr ausbezahlt werden;
• daß sie Witwenpensionen auch unter gewissen Vor¬
aussetzungen an Frauen, deren Ehe mit dem Versicher¬
ten geschieden worden ist, gewährt;
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