Full text: Arbeit & Wirtschaft - 1969 Heft 01 (01)

Weges weiten Kreisen bequemer, weil es immer noch
genügt, die „unersetzliche Arbeitskraft der Frauen" zu
loben und im allgemeinen niedrig zu entlohnen.
Unverständlich ist, weshalb unter den gegebenen
Verhältnissen immer wieder die Frauenarbeit unter
Hinweis auf zwei Argumente, die besonders schwach
sind, propagiert wird.
Erstens: Die Frauen würden durch die Berufstätig¬
keit ihren Horizont erweitern. Das trifft wohl auf
einige Berufe zu. Wer aber auch nur einmal gesehen
hat, wie Frauen durch die Fließbandarbeit oder durch
andere Tätigkeiten, die ebenfalls oft nur auf wenige,
gleichbleibende Handgriffe beschränkt sind, am Abend
physisch und psychisch ausgebrannt den Arbeitsplatz
verlassen, wird dieses Argument künftig viel vorsich¬
tiger gebrauchen.
Zweitens: Den Frauen stünde das gleiche Recht auf
Arbeit wie den Männern zu. (Es scheint jedoch, daß es
sehr oft nicht um die Ausübung eines Rechtes geht, son¬
dern um die Notwendigkeit, zusätzlich etwas verdie¬
nen zu müssen!)
Berufstätige Mütter
Hat man sich auch überlegt, welch schwerwiegende
Probleme und Belastungen dieses „Recht" zum Bei¬
spiel berufstätigen Müttern bringt?1 Einen zumindest
14-Stunden-Arbeitstag mit allen seinen unausbleib¬
lichen Folgen. Und die Zahl der berufstätigen Mütter
ist sehr groß. Daten des österreichischen Statistischen
Zentralamtes weisen nach, daß 53 Prozent aller im
Jahre 1967 in Österreich geborenen Kinder berufstätige
Mütter haben! In ihrer ganzen Schwere erhebt sich
3 ®
...W&
die Frage: Erkennt
man noch immer
nicht den hohen Preis,
den der bisher be¬
schritten „billige"
Weg fordert? Ein
Neuüberdenken des
Komplexes Frauen¬
arbeit ist unerläßlich!
Freie Entscheidungsmöglichkeit
Einigen sicherlich bedeutsamen Schritten der Bun¬
desministerien für Finanzen und für soziale Verwal¬
tung kann und soll die Anerkennung nicht versagt
werden. Das Ziel aber muß sein: Ob ein Arbeitsver¬
hältnis von einer verheirateten Frau — und vor allem
Mutter — eingegangen wird oder nicht, hat völlig in
ihrem freien Ermessen zu liegen (das heißt, eine Ent¬
scheidung frei von drückenden finanziellen Sorgen!).
Nicht minder selbstverständlich muß es sein, daß ihr
auch die Möglichkeit zur Aufnahme einer Teilzeit¬
beschäftigung gegeben wird, wenn sie, aus welchen
Gründen immer, nicht glaubt, eine Ganztagsarbeit aus¬
üben zu können. Sind diese Voraussetzungen gegeben,
wird sich sicherlich manche heute berufstätige Mut¬
ter zumindest vorübergehend auf ihren Pflichtenkreis
in der Familie beschränken. Viele werden die Chance,
einen Beruf ausüben zu können, ergreifen, alle aber
ein menschenwürdiges Leben führen und das Optimale
leisten können, weil der Zwang weggefallen ist.
1 Prim. Dr. Ludwig Popper: „Frauenarbeit, Krankenstand and
Kinderzahl" in „Arbeit und Wirtschaft". Heft 5/1964, Seite 2.
Osterreich!
0 du mein
Die an erster Stelle abgedruckte Ein¬
sendung wird mit 100 Schilling, er
weitere Abdruck mit 50 Schilling prämi¬
iert. — Bitte, Zeitungsausschnitte auf Post¬
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„Arbeit und Wirtschaft", Hohenstaufen¬
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Rubrik kann keine Korrespondenz geführt
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werden nicht zurückgeschickt. Kommen¬
tare der Redaktion sowie Hervorhebungen
sind in Kursivschrift gesetzt. — Bei glei¬
chen Einsendungen entscheidet das Datum
des Poststempels.
Führer befiehl...
^ Der neue Rektor, Professor Rudolf
W u r z e r, durchleuchtete mit philo¬
sophischer Schärfe die Problematik
unserer Industriegesellschaft und
hatte auch zur studentischen Rebel¬
lion einige kräftige Worte zu sagen.
Demokratie in Ehren, meinte der
Rektor, doch es gehe nicht an, alles
Autoritäre in fanatischer Blindheit
auszurotten. Österreich brauche auf
allen Gebieten Führerpersönlich¬
keiten, wenn es seine Zukunft mei¬
stern wolle.
(„Kurier", Einsender
Slezak, Wien.)
Friedrich
In keiner oberösterreichischen
Garnison, mit Ausnahme von Frei¬
stadt, ist am 12. November 1968 des
50. Geburtstages der Republik Öster¬
reich gedacht worden. Die Tages¬
befehle des Bundespräsidenten und
des Bundesministers für Landesver¬
teidigung aus Anlaß des 12. Novem¬
ber gingen mit Datum 7. November
(Zahl 363.656-Zentr./68) hinaus, tra¬
fen jedoch beim Militärkommando in
Hörsching erst am 12. November ein.
Laut Begleitschreiben sollte die Ver¬
lautbarung der Tagesbefehle an die
Soldaten und Bediensteten der Hee¬
resverwaltung durch die Komman¬
danten (Dienststellenleiter) in würdi¬
ger Form erfolgen. Die Verlaut¬
barung erfolgte jedoch überhaupt
nicht, denn die Tagesbefehle kamen
erst am 14. November in den Kaser¬
nen beziehungsweise Dienststellen an.
(„Linzer Tagblatt", Einsender Er¬
hard Meier, Bad Aussee.)
Praktisch alle Elektrogeräte wie
Kühlschränke, Waschmaschinen, Kü¬
chenmaschinen, Radioapparate, Fern¬
sehempfänger, Plattenspieler, Ton¬
bandgeräte, Nähmaschinen, Do-it-
yourself-Werkzeuge, Filme und
Photomaterial sind in der Schweiz
erheblich billiger. Die häufigsten
Preisdifferenzen betragen 20 bis
100 Prozent des österreichischen
Preises.
Daher in der Schweiz gratis!
(„Nachrichten der Kammer für
Arbeiter und Angestellte", Ein¬
sender Oskar Pleuser, Wien 2.)
Gestern erlebte im Volkstheater
ein Stück seine deutschsprachige
Erstaufführung, das wohl einen Tief¬
punkt dieses Hauses und auch einen
Tiefpunkt des Theaters überhaupt
markiert. James Baldwins „Blues für
Mister Charlie" ist der faschistische
Aufschrei eines Negers, der die
Weißen nicht kennt und die Schwar¬
zen in verschiedenster Weise glorifi¬
ziert.
(„Kronen-Zeitung", Einsender Gu¬
stav Radi, Wien.)
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