Full text: Arbeit & Wirtschaft - 1971 Heft 02 (02)

Untersuchungen über das „Pendlerwesen" sind eine wichtige Aufgabe der Arbeitsmarktforschung
allem mit dem Begriff des Arbeitsplatzes auseinan¬
der:
„Die Arbeitsplatzbesetzung ist in der modernen
Wirtschafts- und Sozialpolitik zu einem Schlüssel¬
begriff geworden. Ob es sich um Vollbeschäftigung,
Wirtschaftswachstum, Strukturänderung oder soziale
Sicherheit handelt, überall spielt sie eine entschei¬
dende Rolle. Daß die Rechtsordnung solchen Phäno¬
menen von umfassender gesellschaftlicher Bedeutung
gegenüber kaum eine eindeutige und prägnant zu um¬
schreibende Stellung einnimmt, ist klar. Ihre Aufgabe
ist die Regelung des Zusammenlebens der Menschen
in seiner Gesamtheit unter Berücksichtigung der man¬
nigfaltigsten individuellen und kollektiven Gesichts¬
punkte, also die Lösung von Interessenkonflikten und
nicht die Verfolgung gesellschaftspolitischer Ziele."
Als thematische Fortsetzung beschäftigt sich an¬
schließend Dr. Paul Jirak mit „Arbeitsmarkt und
Arbeitsplatzbesetzung, Tendenzen und Probleme".
Hier wird bereits auf die konkreten Formen der
Arbeitsplatzbesetzung Rücksicht genommen. Neben
der innerbetrieblichen Arbeitsplatzbesetzung werden
Formen und Methoden der einzelnen Arten unter¬
sucht: Solche Besetzungen, die auf Grund persönlicher
Empfehlungen, Zeitungsanzeigen, durch Bildungs¬
institutionen und nicht zuletzt auf dem Wege der
Vermittlung der Arbeitsämter erfolgen.
Mit „Untersuchungen über Fragen betrieblicher
Arbeifsmarkt- und Beschäftigungspolitik" setzt sich
der dritte Beitrag dieses Heftes auseinander, dessen
Autor Professor Dr. Josef Kolbinger ist. Dabei wird
auch der historische Hintergrund durchleuchtet:
„Schon das erste Auftreten der ,sozialen Frage'
kann man als Anpassungsproblem betrachten. Tech¬
nische Entwicklung und menschliche Arbeitsleistung
konnten zu Beginn der industriellen Revolution in
keine optimale und humane Entsprechung gebracht
werden.
An der Verelendung breitester Bevölkerungsschich¬
ten wirkten neben der Technik nicht zuletzt religiöse
und weltanschauliche Überzeugungen mit und verwei¬
sen auf die Verpflichtung der Gesellschaft, Technik
und Sozialordnung immer wieder sinnvoll aufeinander
abzustimmen und nicht einfach einem Rationalismus
nach Art von Naturgesetzen das Wort zu reden. Aus
diesem bedingungslosen Glauben an einen natur¬
gesetzlichen, zum Teil religiös überbauten Fort¬
schrittsrationalismus entstammte das Laissez-faire-
Prinzip insbesondere des 19. Jahrhunderts, das es je¬
dem überließ, die Erkenntnisse von Naturwissenschaft
und Technik ohne Rücksicht auf humane und soziale
Erwägungen wirtschaftlich auszubeuten. Die un¬
menschlichen Arbeitsbedingungen in den Fabriken
weckten schließlich das soziale Gewissen. Das ,Kapi¬
tal' von Marx behandelt zu einem erheblichen Teil
die dem Arbeiter auf Grund des sozial nicht gemei¬
sterten technischen Fortschritts aufgebührdete An¬
passungslast."
Mobilität
Mit den entscheidendsten Fragen der Mobilität be¬
schäftigen sich die beiden Aufsätze des zweiten Hef¬
tes des Linzer Instituts:
Der Agrarsoziologe Professor Dr. Hans Bach unter¬
sucht zwar in seiner Arbeit („Exkurs über die Wande¬
rungsbewegung der land- und forstwirtschaftlichen
Arbeitskräfte in Oberösterreich") nur die Gescheh¬
nisse eines abgeschlossenen Raumes, trotzdem können
die hier aufgeworfenen theoretischen Grundsätze auch
gesamtösterreichisch betrachtet werden.
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