Full text: Arbeit & Wirtschaft - 1973 Heft 11 (11)

komitee übernimmt vor allem
die Interessenvertretung der
Konsumenten, beschäftigt sich
mit Fragen der Konsumenten¬
erziehung und veranstaltet Kon¬
sumententagungen.
Persönliche Beratung
Durch Publikationen kann
man zwar viele, aber nicht alle
Fragen der Konsumenten be¬
antworten und vor allem kön¬
nen nicht alle Zweifel restlos
beseitigt werden. Bis vor etwa
zwei Jahren litt die für öster¬
reichische Verhältnisse riesen¬
hafte britische Verbraucheror¬
ganisation unter dem Fehlen
einer mündlichen Beratung. Seit
Die Konsumentenschützer in
aller Welt blicken neidvoll ins
Verbraucherparadies Schwe¬
den, wo eine Fülle von Ein¬
richtungen geschaffen wurde,
die alle dem Schutz und der
Information der Verbraucher
dienen.
Da jedoch auch im Lande
Schweden nicht nur reine Engel
leben, bestehen neben diesen
Informations- und Schlichtungs¬
stellen auch harte Vorschriften
gegen unlauteren Wettbewerb,
gegen Preisdiktate, gegen An¬
gebotskartelle und gegen Lie¬
ferverweigerungen. (Auch in
Schweden leben nämlich Her¬
steller, die nicht ungern gegen
Händler mit Liefersperren vor¬
gehen, sobald diese Händler
durch geschickte Kalkulation
und rationelle Geschäftsprak¬
tiken den »unverbindlich« emp¬
fohlenen Endverbraucherpreis
unterbieten.)
Wenn es Schwierigkeiten mit
einzelnen Firmen gibt, dann
hilft ein Gesetz über Auskunfts¬
pflicht weiter, wonach einzelne
Behörden ziemlich weitgehende
Möglichkeiten erhalten, von
den verschiedenen Firmen Aus¬
künfte einzuholen.
Ein nicht allzu weit zurücklie¬
gendes Beispiel zeigt, daß auch
ein jahrelang »schlummerndes«
Preisregelungsgesetz recht gut
verwendet werden kann, wenn
sich der Staat nur genügend
Möglichkeiten sichert, notfalls
gegen Wucherpreise zuschla¬
gen zu können. Ende August
1970 war für die schwedische
Regierung solch ein Zeitpunkt
gekommen: Gegen überhöhte
Lebensmittelpreise mußte et¬
was geschehen. Der Einzelhan¬
del hatte sich nämlich unter
dem Vorwand, daß es bei eini¬
gen landwirtschaftlichen Pro¬
zwei Jahren kann — so wie
beim österreichischen Verein
für Konsumenteninformation —
nun auch der britische Ver¬
braucher im individuellen Ge¬
spräch mit Fachleuten seine
Verbraucherprobleme darlegen.
Damit — so berichten britische
Verbrauchervertreter immer
wieder voller Stolz — ist eine
echte Lücke geschlossen: Denn
auch jene Konsumenten, die
gegen Listen und Zahlenmate¬
rial eine gewisse Abneigung
empfinden, sollten wegen die¬
ser Antipathie für etwas schwie¬
rigere Informationen beim Ein¬
kauf nicht benachteiligt sein.
Rudolf Doubek
dukten Preiserhöhungen gab,
erhebliche Steigerungen der
eigenen Gewinnspannen er¬
laubt. Anschließend verhängte
die Regierung einen befristeten
Preisstopp, der natürlich auch
alle Anträge auf Lohnerhöhun¬
gen blockierte, weil ja das Ar¬
gument, die gestiegenen Preise
müßten abgegolten werden, für
einige Zeit wegfiel.
Schon die kleinsten Schwe¬
denmädel und Schwedenbuben
lernen in der Schule das kluge
»Konsumieren« und wissen
sehr wohl, welche der vielen
Informationsstellen ihnen im
einen oder anderen Fall helfen
kann. Wer sich für preisbewu߬
tes Einkaufen interessiert, greift
gerne nach der Zeitschrift
»Preisaktuelles« und nützt alle
publizistischen Aktivitäten des
staatlichen Preis- und Kartell¬
amtes, dem sowohl die Preis¬
überwachung als auch die Auf¬
klärung der Verbraucher über
Fragen der Preisbildung ob¬
liegt.
VOR21
??
11
JAHREN|
In »Arbeit und Wirtschaft« vom
1. November 1953 lesen wir un¬
ter dem Titel »Konzessionierte
Pfuscher« folgende Glosse:
Ein Hotelangestellter, der
während der Saison in Kärnten
beschäftigt war, erzählt in der
Zeitschrift seiner Gewerkschaft
(28. September 1953) eine er¬
götzliche Geschichte, wie dort
Inhaber von konzessionierten
Der von unseriösen Wirt¬
schaftstreibenden am meisten
gefürchtete Mann ist seit Juli
1970 der Konsumentenombuds-
man, Sven Heurgren, der dar¬
auf achtet, daß alle Werbema߬
nahmen und alle Verträge so
korrekt als möglich formuliert
sind. Der Ombudsman ist sozu¬
sagen Klagemauer für alle leid¬
geprüften Konsumenten.
Im staatlichen Institut für Ver¬
braucherfragen wird die prakti¬
sche Arbeit für eine echte Ver¬
braucherinformation geleistet.
Hier werden Waren getestet,
und auch die Zeitschrift »Räd
och Ron« (»Rat und Erfahrung«)
wird von diesem Institut her¬
ausgegeben. Dem schwedi¬
schen Institut für Verbraucher¬
fragen stehen jährlich rund 23
Millionen Schilling zur Verfü¬
gung.
Der staatliche Verbraucherrat
(Jahresbudget 20 Millionen
Schilling) hat die Aufgabe, alle
Arbeiten im Interesse der Ver¬
braucher zu koordinieren, ge¬
setzliche Maßnahmen anzure¬
gen und zu begutachten, aber
auch die Rechtsstellung des
Konsumenten zu untersuchen
und zu verbessern. Dem Ver¬
braucherrat obliegt es ferner,
auf eine Rationalisierung der
Hausarbeit und der Haushalts¬
geräte (etwa eine Typenbereini¬
gung bei Messern) hinzuarbei¬
ten.
Nimmt man alles zusammen,
dann wendet der schwedische
Staat etwa 200 Millionen Schil¬
ling jährlich für die Aufklärung
und den Schutz der Verbrau¬
cher auf: Das ist etwa zwanzig¬
mal soviel wie das Jahresbud¬
get des österreichischen Ver¬
eins für Konsumenteninforma¬
tion. Dazu kommt allerdings,
daß das Geld für den Verbrau¬
cherschutz in Österreich über¬
wiegend von den vier Mitglieds¬
organisationen des Vereins für
Gaststätten, die selbst keine
oder nur wenige Fremdenzim¬
mer haben, den Hotelbetrieben
ins Gewerbe pfuschen. Sie ha¬
ben sich die Privatzimmer der
Umgebung gesichert, zahlen
dafür einen bestimmten Betrag
an den Eigentümer, locken so¬
dann durch Zeitungsinserate
hunderte Pensionsgäste an, die
sie verpflichten, bei ihnen zu
essen. Natürlich können sie
viel billiger sein, denn sie
haben keine Spesen und kein
Risiko, vor allem auch kein
Personal. Auch bei der Steuer
kommen sie gut weg, denn sie
gelten als Kleinbetriebe, ob-
tAufgaben
für den Unterricht
an Volksschulen IIII*
Ein Arbeiter wohnt
mit seiner fünfköpfigen Familie
in einer Wohnung
und zahlt für die Miete
ein Viertel seines Lohns.
Sein Chef kaufte
für seine fünfköpfige Familie
von einem Viertel seines
Vermögens
ein Doppelhaus am Stadtwald.
Warum kauft der Arbeiter
nicht wenigstens ein Einfamilien¬
haus am Stadtwald?
Hundert Arbeiter wohnen
in einem Mietshaus in der Stadt
Hundert Reiche wohnen
in den Villen an den Seen des
Landes.
Wie viele Seen gibt es in dem
Land
und wie viele Arbeiter wohnen
dort?
Der Akkordarbeiter KarI schläft
abends oft beim Fernsehen ein.
Der Juniorchef August geht
abends oft in die Oper.
Warum geht Karl nicht in die Oper
und warum schläft August abends
nicht ein?
Klaus Konjetzky
Konsumenteninformation sowie
durch Werkaufträge und spär¬
liche, unsichere Subventions¬
mittel einzelner Ministerien
oder anderer öffentlicher Stel¬
len aufgebracht wird. Wie lan¬
ge wird das noch so weiterge¬
hen? R. D.
wohl sie vom Mai bis Sep¬
tember oft mehr als hundert
ständige Gäste haben. Im Ho¬
tel mit seinem Personal wird
die Kapazität, mit Ausnahme
von vier Wochen, von Mitte
Juli bis Mitte August, nicht
ausgenützt, während die Pri¬
vatzimmervermieter zu Heim¬
arbeitern der Gastwirte wer¬
den.
Und was sagen dazu die
Pfuscherbekämpfer der Han¬
dels* und Gewerbekammern,
die jeden Arbeitslosen, der
sich ein paar Schillinge dazu¬
verdient, in einem Löffel Was¬
ser ertränken möchten?
Grenzen der Freiheit
11/73 arbeit wir!sdwill 7
        

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