Full text: Arbeit & Wirtschaft - 1984 Heft 03 (03)

gültigen Stimmen von allen Bundes¬
ländern. Was hat die Arbeiterkammer
unternommen, um die Arbeiter und
Angestellten mehr für ihre Interes¬
senvertretung zu interessieren?
Herbert Suko: Wir haben einige
Schwerpunkte gesetzt. Von der Ar¬
beiterkammer aus haben wir alle
Maßnahmen unterstützt, die zur Si¬
cherung der Beschäftigung führen.
Da haben wir nach den betrieblichen
und wirtschaftlichen Möglichkeiten
gewissenhaft mitgeredet, wir haben
uns auch sehr der Jugend und der
Jugendpolitik und der Lehrlingspro¬
bleme angenommen. Wir haben in
Salzburg die allgemeine Arbeitneh¬
merinformation gewaltig ausgebaut,
unsere Referate Sozialpolitik und
Wirtschaftspolitik leisten positive Ar¬
beit, wir haben dem Betriebssport
große Beachtung geschenkt, und wir
haben die Zinsenstützungsaktion der
Arbeiterkammer Salzburg eingeführt.
»Arbeit & Wirtschaft«: Für Wohn¬
baudarlehen?
Herbert Suko: Ja, für die Wohnbau¬
förderung.
Erfolge und Probleme
»Arbeit & Wirtschaft«: Was be¬
trachtet der Salzburger Arbeiter¬
kammerpräsident als großen Erfolg
der jetzt zu Ende gehenden Funk¬
tionsperiode?
Herbert Suko: Im Vordergrund ste¬
hen der Ausbau der Konsumentenbe¬
ratung, der Betriebssport, das neue
Mädchenwohnheim und das zukünf¬
tige Jugendcenter. Unter der Leitung
von Arbeiterkammer und Gewerk¬
schaften soll hier der Jugend die
Möglichkeit geboten werden, Kurse
zu machen und auch sich zu unter¬
halten. Übersehen darf man natürlich
nicht unser hervorragendes Berufs¬
förderungsinstitut.
»Arbeit & Wirtschaft«: Wird das
von der Arbeiterkammer allein ge¬
stützt?
Herbert Suko: Zum Großteil von
der Arbeiterkammer, das Land gibt
Förderungsbeiträge.
»Arbeit & Wirtschaft«: Ist das BFI
gegenüber dem Land mit dem Wirt-
schaftsförderungsinstitut der Han¬
delskammer gleichberechtigt, oder
wird dieses bevorzugt?
Herbert Suko: Nein, da gibt es kei¬
nerlei Schwierigkeiten. Die Gelder,
die hier zugeschossen werden, hän¬
gen allerdings auch von der Größe
des Institutes ab. Unsere Kurse wer¬
den aber immer mehr, wir machen
auch etwas für Jugendliche wie für
Arbeitslose. Die BFI-Kurse, Fortbil-
dungs- und Umschulungskurse ha¬
ben sich sehr gut bewährt.
»Arbeit & Wirtschaft«: Ist die Ju¬
gendarbeitslosigkeit ein großes Pro¬
blem in Salzburg?
Herbert Suko: Im Bundesland
Salzburg nicht so groß wie in anderen
Bundesländern. Aber trotzdem muß
man diese Dinge ganz genau beob¬
achten, damit keine größeren
Schwierigkeiten entstehen. Wir be¬
mühen uns auch sehr darum, daß alle
Jugendlichen, die einen Lehrplatz
anstreben, untergebracht werden.
»Arbeit & Wirtschaft«: Dem AK-Be¬
richt für 1982 ist zu entnehmen, daß in
Salzburg die Zahl der unselbständig
Beschäftigten von 1981 auf 1982 na¬
hezu gleichgeblieben, aber die Zahl
der Arbeitslosen dennoch stärker ge¬
stiegen ist.
Herbert Suko: Das hängt mit Ra¬
tionalisierungen in den verschieden¬
sten Betrieben zusammen. Die Be¬
triebsräte stehen gerade in einem so
sensiblen Bundesland wie Salzburg
oft vor ganz schwierigen Entschei¬
dungen. Die Unternehmer sagen, sie
wollen etwas Neues machen; der Be¬
triebsrat könnte mit seiner Stärke
verschiedene Dinge verhindern,
wenn er es aber länger tut, hat er ei¬
nes Tages einen alten Betrieb, der ab¬
stirbt. Daher muß auch die Arbeiter¬
kammer die Betriebsräte auffordern,
mit dem nötigen Augenmaß genau zu
beobachten, was hier geschieht, und
im Endeffekt bei verschiedenen not¬
wendigen Rationalisierungsma߬
nahmen mitzuziehen.
»Arbeit & Wirtschaft«: Aber wenn
die Zahl der Beschäftigten annähernd
gleichgeblieben ist und die Zahl der
Arbeitslosen steigt, heißt das doch,
daß mehr Leute auf den Arbeitsmarkt
geströmt sind?
Herbert Suko: Salzburg ist ein
Bundesland, wo etwa von Oberöster¬
reich immer Leute hereinströmen
werden.
»Arbeit & Wirtschaft«: Was sind so
aus der Sicht der Salzburger Arbei¬
terkammer wirtschaftliche Schwie¬
rigkeiten im Land?
HerbertSuko: Schwierigkeiten gibt
es vor allem in der Bau- und Holzin¬
dustrie. Wir haben auch das große
Problem der Halleiner Papier AG.
Die Bevölkerung ruft nach mehr
Umweltschutz. Arbeiterkammer und
Gewerkschaften müssen natürlich
sagen, Umweltschutz ja, aber dosiert.
Daß etwas gemacht werden muß, das
weiß schließlich jeder, und das Pro¬
blem wird ja auch immer behandelt.
Wir haben auch einige Schwierigkei¬
ten in Metallbetrieben, wie etwa im
Eisenwerk Sulzau-Werfen in Ten¬
neck.
»Arbeit & Wirtschaft«: Was die
Bauwirtschaft betrifft, so ist dem
AK-Bericht zu entnehmen, daß die
Arbeiterkammer einen Terminplan für
öffentliche Bauvorhaben fordert. Wie
steht's damit?
Herbert Suko: Mein Vorgänger, Jo¬
sef Brunauer, hat alles unternommen,
daß hier bessere Koordinationsmög¬
lichkeiten geschaffen werden. Die
Zusage des Landeshauptmanns liegt
vor, es gibt auch bereits einen Koor¬
dinationsausschuß. Der gehört aus¬
gebaut, wobei man auch dort der Ar¬
beiterkammer mehr Rechte einräu¬
men soll.
»Arbeit & Wirtschaft«: Also mehr
Mitbestimmung im Verhältnis zu den
anderen Institutionen, mehr hin auf
Sozialpartnerschaft und nicht nach¬
hinkend.
Herbert Suko: Genau.
Konsumentenpolitik
»Arbeit & Wirtschaft«: Wenn es
vorhin geheißen hat, daß die Konsu¬
mentenberatung stark ausgebaut
worden ist, gibt es da Beispiele dafür,
etwa bei der Marktbeobachtung, der
Preisbeobachtung? Die Arbeiter¬
kammer weist doch immer wieder auf
überhöhte Fleischpreise hin.
Herbert Suko: Zum Beispiel haben
die ständigen AK-Untersuchungen
der Fleisch- und Wurstprodukte im
Bundesland Salzburg dazu geführt,
daß die Fleischhauer von sich aus
eine eigene Untersuchungsstelle in¬
stalliert haben, wo sie ihre Produkte
jetzt selber untersuchen und kontrol¬
lieren, um nicht immer wieder mit der
Arbeiterkammer in Schwierigkeiten
zu kommen. Wir sind aber auf den
verschiedensten Gebieten tätig ge¬
worden, haben uns bemüht, bei den
Textilien etwas zu machen, haben
Kosmetikpackungen überprüft und
selbst in der Möbelbranche einige
Untersuchungen angestellt.
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