Full text: Arbeit & Wirtschaft - 1985 Heft 01 (01)

Arbeiterkammer-Vollversamm-
lungen berieten viele Probleme
Ende Oktober und bis zur Novembermitte fanden
in allen Bundesländern die Herbst-Vollversamm¬
lungen der Arbeiterkammern statt. Bei diesen
Vollversammlungen standen neben allgemeinen
aktuellen Fragen vor allem regionale Probleme
im Vordergrund.
AK Wien:
Facharbeitermangel
droht
»Eine Wirtschaft, die die
Nachwuchsausbildung ver¬
nachlässigt, sägt am Ast, auf
dem sie sitzt. Es bereitet mir
große Sorge, daß sich in Wien
ein immer stärkerer Fach¬
arbeitermangel abzeichnet,
ohne daß die verantwortliche
Wirtschaft entsprechend dar¬
auf reagiert!« erklärte Präsi¬
dent Adolf Czettel vor der
Vollversammlung der Wiener
Arbeiterkammer:
»Wir können uns auf dem
Weltmarkt nur mit Produkten
von hervorragender Qualität
behaupten, die wir nur herstel¬
len können, wenn wir über ge¬
nügend Fachkräfte verfügen,
die aufgrund ihrer Ausbildung
auch die rasche technologi¬
sche Entwicklung bewältigen
können. Jener Nachwuchs,
den wir in den in Wien sicher
guten berufsbildenden Schu¬
len ausbilden, wird dafür nicht
ausreichen. Wir brauchen
auch eine verstärkte Lehr¬
lingsausbildung, die die Wie¬
ner industriellen und gewerb¬
lichen Unternehmen im eige¬
nen Interesse durchführen
sollten. Jammern um Subven¬
tionen und Förderungen für
jeden einzelnen Lehrplatz stel¬
len sicher keine Lösung dar!«
Die Vollversammlung be¬
schloß eine umfangreiche Re¬
solution, in der zu Problemen
der Wirtschafts-, Sozial- und
Bildungspolitik Stellung be¬
zogen wurde. Bei der Investi¬
tionspolitik der Stadt Wien
müßten Maßnahmen für Be¬
triebsgründungen und -erwei-
terungen, Ausbau der Ver¬
kehrsinfrastruktur und die
Stadterneuerung im Vorder¬
grund stehen. Auf sozialem
Sektor sollte die vorbeugende
Gesundheits- und Arbeits¬
schutzpolitik Vorrang haben.
Kammeramtsdirektor Dr.
Otto Scheer legte den Voran¬
schlag für 1985 vor, der ange¬
nommen wurde. Der Schwer¬
punkt liegt auf Bildungsaus¬
gaben, für die 138 Millionen
Schilling vorgesehen sind.
AK Nö urgiert
Bau von Hainburg
Unter Vorsitz von Präsident
Josef Hesoun beschäftigte
sich die Vollversammlung der
Arbeiterkammer Niederöster¬
reich mit aktuellen Wirt-
schafts- und Sozialfragen und
beschloß unter anderem zwei
Resolutionen zu Problemen
des Umweltschutzes. In die¬
sen Resolutionen wird festge¬
halten, daß der Wald durch
den sauren Regen schwer ge¬
fährdet ist. Dieser saure Regen
entsteht durch Emissionen ka¬
lorischer Kraftwerke, die oft
überaltert sind. Die AK Nieder¬
österreich fordert daher aus
Umweltschutzgründen den
forcierten Ausbau der um¬
weltfreundlichen Wasser¬
kraft. Konkret verlangt die Ar¬
beiterkammer in ihren Resolu¬
tionen den raschen Bau des
Donaukraftwerks Hainburg.
In einer Resolution zur
Wirtschaftspolitik stellt die
Vollversammlung fest, daß
die niederösterreichische
Wirtschaftsentwicklung hin¬
ter der gesamtösterreichi¬
schen zurückbleibt.
In den Grenzregionen konn¬
ten keine wesentlichen neuen
Impulse zur Entwicklung ge¬
setzt werden, zudem leiden die
traditionellen Industriegebiete
an den Folgen ihrer oft veralte¬
ten Strukturen. Die AK Nö
weist in der Resolution darauf
hin, daß sie seit vielen Jahren
Vorschläge für wirkungsvolle
wirtschaftspolitische Ma߬
nahmen macht, daß aber das
Land Niederösterreich zuwe¬
nig für die Förderung von In¬
dustrie und Gewerbe tut. Das
Land müßte die Förderungs¬
mittel aufstocken und die
Förderungsaktionen besser
koordinieren.
Der von Kammeramtsdirek¬
tor Dr. Hans Litschauer vorge¬
legte Budgetvoranschlag für
1985 in der Höhe von 227 Mil¬
lionen Schilling wurde von der
Vollversammlung angenom¬
men.
AK Oö: Die Ent-
industrialisierung
stoppen
»Es muß eine unserer Auf¬
gaben sein, die Entindustriali-
sierung in Oberösterreich zu
stoppen. Dazu ist eine Dop¬
pelstrategie notwendig: die
traditionellen Industrien müs¬
sen saniert und ihr Struktur¬
wandel gefördert werden,
neue Industrien vor allem im
Bereich der Hochtechnolo¬
gien sowie im Umweltschutz¬
bereich sind aufzubauen!«
Dies erklärte Präsident Fritz
Freyschlag bei der Vollver¬
sammlung der Arbeiterkam¬
mer Oberösterreich. Er for¬
derte in diesen Zusammen¬
hang die Fortsetzung der Mo¬
dernisierung der direkt und
indirekt verstaatlichten Un¬
ternehmen. Von ihnen seien-
gerade in Oberösterreich -
eine Vielzahl von kleineren
und mittleren Privatbetrieben
mit vielen Tausenden Arbeits¬
plätzen abhängig.
Freyschlag verlangte eine
Änderung der Wirtschaftspoli¬
tik des Landes Oberösterreich,
denn derzeit gehen 67% der
Wi rtschaftsfö rderungsmittel
des Landes an die Landwirt¬
schaft, aber nur 20% an Ge¬
werbe, Handel und Industrie.
Diese Bereiche müßten aber
weit stärker gefördert werden,
um Oberösterreichs Wirt¬
schaft in einem gesunden
Gleichgewicht zu halten und
die Arbeitsplätze zu sichern.
In Resolutionen der Vollver¬
sammlung wurde unter ande¬
rem verlangt, den Umwelt¬
schutzfonds des Bundes Jahr
für Jahr finanziell aufzustok-
ken, auch das Land Ober¬
österreich solle einen Umwelt¬
schutzfonds gründen.
Auf den Bau neuer Kraft¬
werke könne nicht verzichtet
werden, doch sollen die Be¬
lange des Umweltschutzes
verstärkt berücksichtigt wer¬
den.
Das von Kammeramtsdirek¬
tor Dr. Franz Lettner vorge¬
legte Budget 1985 in der Höhe
von 260 Millionen Schilling
wurde einstimmig angenom¬
men.
AK Salzburg mehr¬
heitlich gegen Ver¬
kauf am 8. Dezember
In einer außerordentlich
langen und zeitweise sehr hit¬
zigen Vollversammlung der
Arbeiterkammer Salzburg
ging es am 31. Oktober vor¬
wiegend um die von Landes¬
hauptmann Haslauer ange¬
kündigte Öffnung der Ge¬
schäfte am 8. Dezember, ei¬
nem gesetzlichen Feiertag.
Präsident Herbert Suko erläu¬
terte nochmals die Argumen¬
te, die gegen ein Offenhalten
an diesem Tag sprechen.
Schließlich lehnten die Frak¬
tion sozialistischer Gewerk¬
schafter und die freiheitlichen
Kammerräte die Haslauer-
Pläne ab. Die ÖAAB-Kammer-
räte verließen zwar nicht den
Saal, beteiligten sich aber
nicht an der Abstimmung.
Präsident Suko verlangte in
seinem Bericht an die Voll¬
versammlung einen höheren
Anteil der Arbeitnehmer am
Volkseinkommen. Laut volks¬
wirtschaftlicher Gesamt¬
rechnung seien zwischen
1981 und 1983 die Löhne und
Gehälter um 9,3% gestiegen,
die Einkünfte aus Besitz und
Unternehmung aber um mehr
als 30%.
Diese starken Steigerungen
stammten laut Suko zu einem
beträchtlichen Teil aus Finanz¬
anlagen. Man könne davon
ausgehen, daß Einkommens¬
steigerungen im Finanzanla¬
genbereich in nur sehr gerin¬
gem Ausmaß dem durch¬
schnittlichen Arbeitnehmer zu¬
gute kommen, sondern vor¬
wiegend Unternehmern, Frei¬
beruflern und Spitzenmana¬
gern. Daher sei es unerläßlich,
auch einen gerechten Anteil
für Arbeiter und Angestellte
zu sichern.
32 Anträge wurden behan¬
delt und überwiegend dem
Kammervorstand oder den zu¬
ständigen Ausschüssen zu¬
gewiesen. Ein Antrag des
ÖAAB auf Änderung der Wirt¬
schaftspolitik der Bundesre¬
gierung wurde mehrheitlich
abgelehnt, weil dafür keine
sachliche Notwendigkeit be¬
stehe.
Kammeramtsdirektor Dr.
Viktor Czepl legte den Voran¬
schlag für 1985 in der Höhe
von 112 Millionen Schilling
vor, der angenommen wurde.
16 arbeit Wirtschaft 1/85
        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.