Full text: Arbeit & Wirtschaft - 1985 Heft 01 (01)

Erhöhung der Mehrwertsteuer
als Beitrag zur Budgetsanie¬
rung akzeptiert und verlangen
jetzt die Beibehaltung und den
Ausbau der Zinsertragsteuer
als sozial gerechte Maßnah¬
me, heißt es weiter in der Re¬
solution. Auch jene Kreise, die
über hohe Geldvermögen ver¬
fügen, sollen ihren Beitrag zur
Budgetsanierung durch die
ZEST leisten. Daher sollte es
auch keine Ausnahmerege¬
lungen geben.
Die rasche Beschlußfas¬
sung des Gesetzes über die
Sozialgerichtsbarkeit wurde
energisch urgiert. Dabei sei
das kollektive Klagerecht ein
besonderes Anliegen der Tex¬
tilarbeiter, das gerade den
wirtschaftlich und sozial
Schwächeren die Durchset¬
zung berechtigter Ansprüche
erleichtern soll.
Abschließend verlangte die
Resolution neue internatio¬
nale Initiativen, die zum Abbau
des Wettrüstens und zur Ver¬
ringerung der Spannungen
führen.
Harald Ettl neuer
TBL-Vorsitzender
Mit den Neuwahlen wurde
der Gewerkschaftstag abge¬
schlossen. Der bisherige
Vorsitzende Stefan Steinle
und seine Steilvertreter kan¬
didierten aus Altersgründen
nicht mehr und legten ihre
Funktionen zurück. Zum
neuen TBL-Vorsitzenden
wurde der bisherige Zentral¬
sekretär, Ing. Harald Ettl, ge¬
wählt. Seine Stellvertreter
sind Karl Hans, Christa
Litschauer und Erwin Po-
korny. Zum neuen Zentral¬
sekretär wurde Heinz Laske
gewählt.
ÖGB-Präsident Benya über¬
reichte an Stefan Steinle
und den ebenfalls scheiden¬
den Vorsitzenden-Stellvertre¬
ter Johann Bayer die Johann-
Böhm-Plakette, die höchste
Auszeichnung des ÖGB.
Der Vorsitzende-Stellvertreter
Georg Löffler und der bur-
genländische Landessekretär
Herwald Bauer erhielten die
Verdienstmedaille des ÖGB in
Gold.
-AWa
Arbeiterkammertag:
Arbeitsplatzsicherung hat
weiter Vorrang
»Die österreichische Wirtschaftspolitik, die ma߬
geblich von den Arbeitnehmervertretungen mitbe¬
stimmt wird, ist wegen ihrer nachweisbaren
Erfolge international anerkannt, und viele Länder
versuchen, dieses Modell zu kopieren. Durch
überlegte Wirtschaftsförderung und vernünftige
Einkommenspolitik ist es uns gelungen, die
Konjunktur zu stützen und den Aufschwung
selbsttragend zu machen.
Das erklärte Arbeiterkam-
mertagspräsident Adolf Czet-
tel am 20. November bei der
Hauptversammlung des
Österreichischen Arbeiter¬
kammertags (ÖAKT) in Inns¬
bruck. Czettl weiter:
»Bedingt durch die kritische
internationale Entwicklung
der letzten Jahre muß unser
Hauptaugenmerk aber weiter¬
hin auf die Sicherung der Ar¬
beitsplätze gerichtet sein! Es
muß unser erklärtes Ziel sein,
allen arbeitswilligen und ar¬
beitsfähigen Menschen einen
entsprechenden Arbeitsplatz
zu sichern. Dieses Ziel muß bei
allen in der Wirtschaftspolitik
gesetzten Maßnahmen Vor¬
rang haben.
Eng mit der wirtschaftlichen
Entwicklung sind auch die
Möglichkeiten der Sozialpoli¬
tik verbunden«, sagte Czettel
weiter. »Trotz der schwierigen
Situation der letzten Jahre ist
es uns gelungen, einen Still¬
stand zu verhindern und eine
Weiterentwicklung mit kleinen
Schritten fortzusetzen. Es
muß uns auch weitergelingen,
Fortschritte zu erzielen und
vor allem die erreichte Sub¬
stanz zu erhalten.«
Czettel unterstrich, daß die
Arbeiterkammern bei den Ge¬
sprächen über die Novellie-
Kur;/berichtet...
Für die 270.000 Handels¬
angestellten Österreichs trat
mit 1. Jänner 1985 ein neuer
Kollektivvertrag in Kraft, der
eine Erhöhung der Kollektiv¬
vertragsgehälter um 5,2%,
mindestens aber um 465 S
monatlich brachte. Die Rei¬
seaufwandsentschädigungen
wurden ebenfalls um 5,2%
angehoben, die Lehrlings¬
entschädigungen um 6,6%.
Bestehende Überzahlungen
blieben aufrecht.

Alfred Teschl, Vorsitzen¬
der der Gewerkschaft der
Chemiearbeiter, feierte vor
wenigen Tagen seinen 60.
Geburtstag. In Judendorf bei
Graz geboren, arbeitete er
nach Kriegsdienst und Ge¬
fangenschaft ab 1948 in der
Papierfabrik Leykam in Grat¬
korn, wo er auch Betriebsrat
wurde. 1954 trat er als Sekre¬
tär in die Gewerkschaft der
Chemiearbeiter ein. Von
1962 bis 1973 war Teschl
Zentralsekretär der Chemie¬
arbeiter-Gewerkschaft, seit¬
her ist er deren Vorsitzender.
Teschl hat auch einige an¬
dere wichtige Funktionen,
unter anderem ist er Vorsit¬
zender der ÖGB-Steuer¬
kommission. Seit 1970 ist
Teschl SPÖ-Abgeordneter
zum Nationalrat.

Otto Skritek, der »Vater
des Ladenschlußgesetzes«,
feierte am 16. Dezember sei¬
nen 75. Geburtstag. Skritek
trat 1923 der Gewerkschaft
bei, 1931 wurde er Jugend¬
sekretär der kaufmänni¬
schen Angestellten. Nach
mehreren Verhaftungen in
der austrofaschistischen Ära
verbrachte er fünf Jahre in
Nazi-KZs. 1945 wurde Skri¬
tek Sekretär der Gewerk¬
schaft der Privatangestellten
(GPA), von 1954 bis 1974 war
er leitender Sekretär der
GPA-Sektion Handel. In die¬
ser Zeit erkämpfte er nicht
nur das Ladenschlußgesetz,
sondern auch viele andere
wichtige Fortschritte für die
Handelsangestellten. Skritek
war auch zehn Jahre Vize¬
präsident der Wiener Arbei¬
terkammer und des österrei¬
chischen Arbeiterkammer¬
tags. Von 1950 bis 1975 war
erfürdieSPÖ Bundesrat und
Abgeordneter zum National¬
rat. *
Die Gewerkschaft Me¬
tall-Bergbau-Energie hat
für die rund 90.000 Arbeiter
des eisen- und metallverar¬
beitenden Gewerbes einen
neuen Kollektivvertrag ab¬
geschlossen, der am 1. Jän¬
ner 1985 in Kraft trat. Die Ist-
Löhne wurden um 4,8%, die
Mindestlöhne und Zulagen
um durchschnittlich 6% er¬
höht. Verhandlungen um
eine Verkürzung der Arbeits¬
zeit werden weitergeführt.
*
Hans Pawlik, gelernter
Schriftsetzer, von 1948 bis
1975 Landessekretär des
ÖGB Kärnten und Landes¬
obmann der Gewerkschaft
Druck und Papier, feierte
Mitte Dezember seinen 70.
Geburtstag. Fast zur glei¬
chen Zeit wurde ein weiterer
ehemaliger Landessekretär
70 Jahre: der Tiroler Ing. Jo¬
sef Kunst. Er war von 1952
bis 1980 Tiroler ÖGB-Lan-
dessekretär und von 1959 bis
1974 Vizepräsident der Tiro¬
ler Arbeiterkammer.

Die Gewerkschaft öffent¬
licher Dienst (GÖD) Kärn¬
tens verwahrte sich scharf
gegen das Verlangen der
FPÖ, in den zweisprachigen
Gebieten Kärntens einen
ethnischen Proporz im öf¬
fentlichen Dienst einzufüh¬
ren, was den slowenisch
sprechenden Bevölkerungs¬
teil benachteiligen würde.
Alle Bereiche des öffentli¬
chen Dienstes haben im
zweisprachigen Gebiet Kärn¬
tens bisher hervorragend
gearbeitet, so daß die GÖD
Kärnten keinerlei Grund
sehe, einen ethnischen Pro¬
porz einzuführen, der nur
Unruhe und Belastungen
schaffen würde.

Der frühere Zentralsekre¬
tär der Gewerkschaft der Le¬
bens* und Genußmittelarbei¬
ter (LUGA), Kurt Blümel (62),
erhielt kürzlich die Johann-
Böhm-Plakette, die höchste
Auszeichnung des ÖGB.
Blümel war seit 1952 Sekre¬
tär der LUGA und von 1957
bis Ende 1983 deren Zentral¬
sekretär.
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