Full text: Arbeit & Wirtschaft - 1986 Heft 05 (05)

Wenn ich jetzt mehr als drei Jahr¬
zehnte zurückblicke, so hatten wir im
Jänner/Feber 1954 an die 300.000
und mehr Arbeitslose, im Jahres¬
schnitt über 8% Arbeitslosigkeit! Das
war für die Generation, die damals
mitten im Leben gestanden ist, ein
Signal, eine der großen Aufgaben,
alles zu tun, daß sich die Massen¬
arbeitslosigkeit der Zwischenkriegs¬
zeit nicht mehr wiederholt. Und so
sehende Einbruch schafft natürlich
eine gewisse Unruhe.
Erfahrungen
und Befürchtungen
»Arbeit & Wirtschaft«: Aber gerade
ÖGB-Präsident Benya hat in den Jah¬
ren der Hochkonjunktur immer wie¬
der gesagt, wir müssen Wert legen
auf möglichst hohe Beschäftigung,
torisierung. Das Tempo, in dem all
das vor sich ging, kann nicht auf
Dauer eingehalten werden.
Die Haushalte haben sich nach
Möglichkeit eingerichtet, also wird
man nicht alle paar Jahre die Möbel
wechseln. Natürlich gibt es auch an¬
dere Bedürfnisse, Urlaubspläne, Rei¬
sepläne, Sehnsucht nach der weiten
Welt. Das belebt aber nicht den hei¬
mischen Markt.
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Arbeitslose im Triestingtal, Niederösterreich März 1954.
wurden auch entsprechende Pro¬
gramme erstellt.
Wenn die Gewerkschaften aber vor
etwa fünf Jahren den damals Vierzig¬
jährigen gesagt haben, wir müssen
eine Politik machen, die den wirt¬
schaftlichen Möglichkeiten angepaßt
ist, gab es viele, die da meinten: »Ar¬
beitslosigkeit ist doch gar keine
Frage mehr. Ich bekomme, wenn ich
da weggehe, zwei, drei Arbeitsplätze
angeboten. Das sagt man ja nur, um
uns zurückzubremsen.« Denn dieser
heute 45jährige ist 1955/56 ins Er¬
werbsleben eingetreten, als es auf¬
wärts ging, wenn auch mit einer Ein¬
buchtung in den Jahren 1967/68.
Aber ab 1970 ist es ja noch einmal ra¬
sant aufwärtsgegangen, daher hat er
das nicht empfinden können, womit
er jetzt in der Familie konfrontiert
wird, wenn plötzlich der eine oder
andere arbeitslos wird, weil der Be¬
trieb den Belegschaftsstand redu¬
ziert, weil die Rationalisierung, die
Technisierung fortschreitet, weil es
weniger Aufträge gibt. Nun ist das
Familieneinkommen verkleinert. Die¬
ser für viele verhältnismäßig überra-
denn es wird nicht immer so sein. Ge¬
rade Benya war einer der wenigen,
die klar gesagt haben, es werden
noch harte Zeiten kommen. Das kann
man auch in »Arbeit & Wirtschaft«
nachlesen.
Anton Benya: Das sagte ich aus
leidvoller Erfahrung und aus einer
Befürchtung heraus. Ich habe ja diese
Zwischenkriegszeit bewußt erlebt, als
es in Österreich etwa 1,7 Millionen
unselbständig Beschäftigte gegeben
hat, aber bis zu 600.000 Menschen
arbeitslos waren, von denen nur etwa
300.000 noch eine Unterstützung be¬
kamen. Und nun dieser Aufschwung,
aber als Gewerkschafter muß man
realistisch denken.
Wenn in der Welt die Produktion
überall steigt, wenn mehr Waren auf
den Markt kommen, wird die Konkur¬
renz größer, da heißt die Frage, wo
sind die Absatzmärkte? Denn im ei¬
genen Land wird vieles nicht mehr in
dem Ausmaß gebraucht wie in den
Nachkriegsjahren, ob Bekleidung, ob
Schuhe, da gibt es eine gewisse Sät¬
tigung. Dann kam die Elektrifizierung
in den Haushalten, dann kam die Mo-
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