Full text: Arbeit & Wirtschaft - 1986 Heft 05 (05)

viele Jahre bei 3% gelegen ist und die
Kapitalzinsen bei 8, 9, 10% waren,
haben wir verlangt, daß der Eckzins
erhöht wird. Dieser wurde auch auf
bis zu 5% erhöht. Die Kapitalmarkt¬
zinsen waren dann bei 11 bis 14%. Da
konnten aber viele Betriebe nicht
mehr mitkommen. Wenn aber Be¬
triebe deswegen in Konkurs gehen,
sind auch die Arbeitnehmer davon
betroffen. So mußte wieder eine rück¬
läufige Bewegung einsetzen, was mit
einer Senkung der Kapitalmarktzin¬
sen auch ein Absinken des Eckzins¬
fußes mit sich brachte. Zum Beispiel
arlberg des ÖGB fordert nun seit
einiger Zeit, daß jeder Ganztags¬
beschäftigte zumindest 10.000 S
brutto im Monat verdienen sollte.
Könnte es sein, daß der 11. Kon¬
greß des Gewerkschaftsbundes sich
auch mit der Frage Mindestlohn be¬
schäftigt?
Anton Benya: Die Lohnpolitik hat,
und das ist nicht nur meine Auffas¬
sung, Sache der einzelnen Gewerk¬
schaften in den einzelnen Branchen
zu sein. Eine Lohnleitlinie, ganz
gleich wer sie vorschlagen möchte,
V
ß
Arbeit bei General Motors Österreich.
ist ein möglichst niedriger Kapital¬
marktzins auch für den Wohnbau äu¬
ßerst wichtig. Da aber der Kapital¬
markt doch nicht so ausgestattet ist,
wie er sein sollte, mußte der Zinssatz
wieder etwas gesteigert werden. Da
ist nach Verhandlungen eben dieses
viertel Prozent herausgekommen.
Zugegeben, man könnte bei jeder
Schwankung auch nach Änderung
des Eckzinsfußes fragen, aber es gibt
letztlich eine Reihe von günstigen
Sparmöglichkeiten. Das ist auch eine
Frage der Information.
Mindestlohn
»Arbeit & Wirtschaft«: Eine andere,
aber sicher noch wichtigere Einzel¬
frage als der Eckzins. Ein Landtags¬
abgeordneter aus der Steiermark hat
in einem Beitrag für die »Furche« un¬
ter anderem festgestellt, Aufgabe der
Gewerkschaften könnte es sein, lei¬
denschaftlich für einen Mindestlohn,
einen Mindestlohn durch Arbeit ein¬
zutreten. Die Landesexekutive Vor-
sollten wir nicht ziehen. Die Betriebe
und die Branchen entwickeln sich
verschieden, daher muß je nach der
Entwicklung auch eine gewisse Be¬
weglichkeitvorhanden sein. Ich kann
daher nicht in Vorarlberg sagen,
Bruttomindestlohn 10.000 S, wenn es
schwache Branchen gibt, die das
derzeit noch nicht leisten können,
weil ihr Produkt mit dem anderer
Länder in Konkurrenz steht. Wenn
Produkte aus den sogenannten Nied¬
riglohnländern in die Welt geliefert
werden, dann kann Österreich nicht
einfach sagen, es muß der und der
Betrag gezahlt werden, denn dann
wird mancher Betrieb nicht mehr
mitkommen.
Auf dem Kongreß kann natürlich
über diese Dinge diskutiert werden,
es wird vielleicht auch einmal über
die Frage diskutiert werden, über¬
haupt jedem Menschen Geld zu ge¬
ben, auch wenn er keine Arbeit leisten
kann, weil für ihn kein Arbeitsplatz
vorhanden ist.
Wir werden vor dem Kongreß si¬
cherlich, so wie wir das immer ge¬
macht haben, Arbeitskreise für ver¬
schiedene Bereiche haben. Das
ist verständlicherweise Beschäfti¬
gungspolitik, Lohnpolitik, Sozialpoli¬
tik, Kulturpolitik. Die Arbeitskreise
werden ausführlich diskutieren und
dann dem Kongreß Vorschläge er¬
statten, die die Grundlage des Pro¬
gramms für die nächsten vier Jahre
sein werden.
Diskutiert wird sicher auch über
den Mindestlohn, aber grundsätzlich
soll die Lohnpolitik bei der zuständi¬
gen Gewerkschaft bleiben. Man
kann sie nicht über einen Leisten
schlagen.
Das Bild des ÖGB
»Arbeit & Wirtschaft«: Wenn wir
Schlagzeilen gesehen haben wie
»Deutliche Kratzer am Bild des Ge¬
werkschaftsbundes«, so hat das viel¬
leicht vor acht Jahren mit der Volks¬
abstimmung über Zwentendorf be¬
gonnen. Eine Angelegenheit, die
sich, so wie Hainburg, anders entwik-
kelt hat, als es wiederholte Willens¬
kundgebungen der gewerkschaftli¬
chen Gremien ausdrückten. Da kann
sich natürlich auch bei eingefleisch¬
ten Gewerkschaftern eine gewisse
Resignation einstellen, denn man
kann ja die Menschen nicht zu ihrem
Glück zwingen.
Anton Benya: Als Gewerkschafter
sind wir seit eh und je für umwelt¬
freundliche und billige Energie ein¬
getreten. Wir haben daher den Be¬
schluß der Bundesregierung, und es
war eine ÖVP-Alleinregierung, auch
in Österreich die Kernenergie für die
Stromerzeugung heranzuziehen,
durchaus begrüßt, denn es war eine
internationale Entwicklung. Wir ha¬
ben auch, als dann unter der SPÖ-
Alleinregierung der Bau begonnen
wurde, die Sache unterstützt. Es wa¬
ren ja auch beide große Parteien ein¬
hellig dafür. Lange Zeit war das über¬
haupt keine Frage. Erst als es dann
von Deutschland herüber eine Ge¬
genbewegung gegeben hat, entstand
auch in Österreich eine Anti-Kern-
kraft-Bewegung. So kam es schlie߬
lich zur Volksabstimmung von 1978.
Was den Gewerkschaftsbund be¬
trifft, ist es nach wie vor schade, daß
ein Kraftwerk, das etwa zehn Milliar¬
den und, wenn wir die Folgekosten
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