Full text: Arbeit & Wirtschaft - 1986 Heft 05 (05)

vergangenen Monaten. Eine weitere
Folge der Entwicklung war ein ver¬
stärktes Ausweichen in den illegalen
Direktverkauf ab Hof, der in den letz¬
ten Jahren von jährlich 60.000 auf
200.000 Tonnen anstieg. Für diese
Menge fehlen aber die Abgaben der
Erzeuger für die Exportstützung und
für den Preisausgleich. Diese beiden
Problembereiche waren Kernfragen
bei den Verhandlungen über die
Milchmarktordnung in den letzten
Monaten. Es konnten Lösungen ge¬
funden werden, die zu einer Ent¬
spannung der Situation führen sol¬
len.
Die Problematik zunehmender
Subventionserfordernisse bleibt
aber bestehen.
Während im Jahr 1982 noch mit
kenen Weltmarktpreisen und der
produktionsstimulierenden Wirkung
von Preiserhöhungen kein Spielraum
mehr vorhanden. Dazu kommt, daß
bei Milchprodukten die Verbraucher¬
preise in Österreich bereits erheblich
höher sind als in der BRD.
Da der Export von Agrarprodukten
immer schwieriger wird und ständig
höhere Subventionen erfordert, wird
es notwendig sein, die Produktion
stärker dem Inlandsbedarf anzupas¬
sen. Dies gilt insbesondere für den
Getreidesektor. Da hier eine Begren¬
zung der Produktion durch Zuteilung
von Kontingenten, wie bei der Milch,
aus organisatorischen Gründen nicht
zielführend ist, werden andere Mög¬
lichkeiten zur Verringerung der Ge¬
treideanbauflächen geprüft werden
müssen. Dazu zählen der Anbau von
gente von anderen Betrieben kaufen
können. Dies kann allmählich zu ei¬
ner Verbesserung der Betriebsstruk¬
tur und der Kostensituation führen.
Für den Milchmarkt sollten der Um¬
fang und das Ausmaß der bestehen¬
den Regulierungsmaßnahmen über¬
dacht werden. Kritiker meinen, daß
der Milchbereich heute stärker be¬
wirtschaftet ist als in der Nachkriegs¬
zeit.
Das schränkt die Dispositionsmög¬
lichkeit der Betriebe ein, anderseits
wird ihnen das Marktrisiko weit¬
gehend abgenommen.
Eine Verstärkung des Wettbewerbs
in diesem Bereich könnte nicht nur zu
einer Kostensenkung beitragen, son¬
dern wäre auch Anreiz zur Erweite¬
rung und Verbesserung der Produkt-
XI s --
Ar *2«
I *
v.-JW'
t/S
__
Milch und Butter erzeugen wir mehr als genug, Öl aus Ölfrüchten zu wenig.
insgesamt 2,7 Milliarden Schilling für
die Überschußfinanzierung das Aus¬
langen gefunden wurde, werden
heuer mehr als 7 Milliarden Schilling
erforderlich sein, wovon der Bundes¬
haushalt 4,5 Milliarden Schilling zu
tragen hat.
Welche Maßnahmen sind denk¬
bar, um zu verhindern, daß der
Agrarbereich ein Faß ohne Boden
wird?
Die Diskussion in der EG zeigt, daß
eine Politik, die über den Weg starker
Preissenkungen mit entsprechend
sinkenden Agrareinkommen zur Ein¬
schränkung der Produktion und da¬
mit Verringerung der Überschüsse
führen würde, auf großen politischen
Widerstand stößt.
Dennoch wird der Preispolitik eine
Schlüsselstellung zukommen müs¬
sen. Für Preiserhöhungen ist wegen
des hohen Abstandes zu den gesun-
Alternativprodukten, wie Eiweißfut¬
termittel und Ölfrüchte, die Erzeu¬
gung schnellwüchsiger Hölzer auf
Ackerflächen, die Aufforstung von
Grenzertragsböden, aber auch die
zeitweise Stillegung von Anbauflä¬
chen.
Zur Deckung des erhöhten Sub¬
ventionsbedarfs für die Überschußfi¬
nanzierung von Getreide wurde eine
Abgabe auf Düngemittel eingeführt.
Eine solche Abgabe ist auch aus öko¬
logischen Gründen sinnvoll, da zum
sparsameren Düngemitteleinsatz an¬
geregt wird.
Im Bereich der Milchwirtschaft ist
vor allem eine Verbesserung der Pro¬
duktionsstruktur anzustreben. Bei
den jüngsten Verhandlungen erfolgte
eine Weichenstellung in diese Rich¬
tung.
Künftig wird es möglich sein,
daß Milchproduzenten unter be¬
stimmten Voraussetzungen Kontin¬
palette und könnte zur Erhöhung des
Inlandsabsatzes führen.
Die Grundkonzeption unserer
landwirtschaftlichen Marktordnung
stammt noch aus der Zeit der Unter¬
versorgung mit Nahrungsmitteln
und enthält daher viele Elemente,
die produktionssteigernd wirken.
Eine Anpassung an die geänderten
Verhältnisse erweist sich daher im¬
mer mehr als notwendig.
Wenn auch die Erfahrungen der
Vergangenheit zeigen, daß sich Ver¬
handlungen zur Änderung der
Agrarmarktordnung sehr schwierig
gestalten, zwingt die Entwicklung der
letzten Zeit zu Veränderungen und
neuen Weichenstellungen, um zu
verhindern, daß das System der
Agrarmarktordnung für die Konsu¬
menten zu teuer, für den öffentlichen
Haushalt unfinanzierbar und vom
gesamtwirtschaftlichen Standpunkt
ineffizient wird.
30 arbrit wirtsrittifl 5/86
        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.