Full text: Arbeit & Wirtschaft - 1986 Heft 05 (05)

Schon vor vier Jahren habe
ich, als das beste und gerech¬
teste Mittel zu diesem Zweck,
die logarithmische Indexpro¬
gression vorgestellt. Es gibt
keinen anderen Weg, die allzu
groß gewordenen Einkom¬
mensunterschiede nach und
nach zu mildern, ohne irgend
jemandem wirklich weh zu tun!
Denn eine logarithmische
Lohnkorrektur zum Zweck der
Teuerungsabgeltung bedarf
zu ihrer Erfüllung eines we¬
sentlich geringeren Geldauf¬
wandes als die prozentuelle
(Ersparnis annähernd 50%!).
Der Preisauftrieb wird ver¬
langsamt, die Bezieher großer
Einkommen dürften durchaus
imstande sein, ihren bisheri¬
gen Standard ohne große Op¬
fer zu halten.
Auch der Forderung Fritz
Edlingers (JG), die Einkom¬
mensunterschiede mit höch¬
stens 1:7 zu begrenzen (der¬
zeit 1:24 und mehr), kann man
ebenfalls nur durch die loga¬
rithmische Indexprogression
näherkommen!
Emmerich Ledwina,
Wien 2
Zusatzversicherung
~AW-
Eigenvorsorge
Kollege Ernst Millonig aus
Klagenfurt hat (im Feberheft)
anhand eines Beispiels zu zei¬
gen versucht, um wieviel gün¬
stiger die private Lebensversi¬
cherung ist als die staatliche
Pensionsversicherung. Das
Beispiel sei zur Veranschauli¬
chung noch einmal wiederge¬
geben:
Durchschnittseinkommen
10.000 S brutto monatlich, 45
Sozialversicherungsjahre -
ASVG-Pension. Summe der
monatlichen Einzahlungen an
die staatliche Zwangspen¬
sionsversicherung: 2753 S. So
hoch ist später die monatliche
ASVG-Pension: 8412 S brutto,
7240 S netto.
Um eine private Pension in
gleicher Höhe zu erhalten,
also 7240 S netto, muß man
monatlich nur folgenden Bei¬
trag leisten: 355,30 S.
Der fatale »Irrtum«, der die¬
sem Beispiel zugrunde liegt,
ist nicht nur ein Irrtum des Kol¬
legen Millonig, sondern einer,
der praktisch in allen Schu¬
lungsunterlagen der privaten
Lebensversicherungen so vor¬
getragen wird: Es wird die jet¬
zige Höhe des staatlichen
Pensionsbeitrags genannt
(2753 S) und der Eindruck er¬
weckt, diesen Beitrag habe der
staatlich Versicherte 45 Jahre
lang eingezahlt. Das wäre aber
gar nicht möglich gewesen,
weil die Höchstbeitragsgrund-
lage vor 45 Jahren nur 300 S
ausgemacht hat.
Aus dem gleichen Grund
war aber auch eine 45 Jahre
dauernde Einzahlung von
355,30 S monatlich in die
private Lebensversicherung
nicht möglich. Rechnet man in
die Zukunft, dann kann man
mit einer Einzahlung von
355,30 S monatlich eine Pri¬
vatpension von 7240 S errei¬
chen, wenn diese Einzahlung
45 Jahre lang erfolgt.
Welche Kaufkraft diese
7240 S im Jahr 2031 haben
werden, steht in den Sternen.
Der staatlich Versicherte wird
dagegen jedenfalls 79,5%
seines Durchschnittsein¬
kommens der letzten 10
Jahre erhalten - seine Kauf¬
kraft bleibt im Umlagesystem
voll erhalten.
Vergleiche zwischen staatli¬
cher Pensionsversicherung
und privater Lebensversiche¬
rung sind zulässig, wenn sie
richtig sind. Richtig wäre der
von Kollegen Millonig zitierte
Vergleich nur dann, wenn die
genauen tatsächlichen Ein¬
zahlungen in die staatliche
Pensionsversicherung der
letzten 45 Jahre mit den in die
Lebensversicherung einge¬
zahlten Beträgen verglichen
würden.
Nur den letzten Arbeitsmo¬
nat herzunehmen und zu sa¬
gen, der staatliche Pensions¬
beitrag mache 2753 S aus
und die Lebensversiche¬
rungsprämie nur 355,30 S,
geht leider nicht. So günstig
ist die Lebensversicherung
nur in ihren Werbeunterla¬
gen. Die Wirklichkeit schaut
anders aus. Sie berechtigt zu
der Feststellung, daß eine
allgemeine Altersvorsorge
durch Privatversicherung ab¬
zulehnen ist.
Dr. Günter Kubka*
' Leiter der Abteilung Sozialversiche¬
rung in der oberösterreichischen Arbei¬
tekammer.
Zum Leserbrief von Ernst
Millonig in der heurigen Fe-
bernummer von A&W erlaube
ich mir, folgendes zu bemer¬
ken: Es kann einem Versiche¬
rungs-Angestellten nicht ver¬
wehrt werden, für seine Ge¬
sellschaft oder seine Branche
im allgemeinen Werbung zu
betreiben.
Auch ein bißchen Schönfär¬
berei kann durchaus noch to¬
leriert werden. Aber nach¬
rechnen wird man die von
E. M. angeführten Beispiele
doch dürfen - oder nicht?
So betragen die automa¬
tisch abgezogenen Beiträge
eines Angestellten für Sozial¬
versicherung und diverse Um¬
lagen 16,95%, bei brutto
10.000 S also 1695 S. Auch
wenn man die Pensionsversi-
cherungs-Beiträge von Ar¬
beitgeber und Arbeitnehmer
addiert, sind das erst 2270 S.
Da hat M. ganz schön über¬
zogen. (Er kam auf 2753 S.
Anm. d. Red.)
Wenn dieser Angestellte
sich eine Zusatzversicherung
leisten will (eine Monatsrate
kostet immerhin 917 S, minus
der Steuerersparnis von 174 S
noch 743 S, also weitere
7,43% seines Bruttoeinkom¬
mens), wird ein Versiche¬
rungs-Angestellter sicherlich
alles daransetzen müssen, ihn
von der Erschwinglichkeit des
Betrags zu überzeugen.
Der Mann zahlt also brav 20
Jahre lang, das ist 240mal,
seine monatliche Sparrate von
743 S.
Am Ende dieser 20 Jahre
(man schreibt inzwischen Fe-
ber 2006) und nicht einen Tag
früher winken dann stolze
412.400 S. Das ist aber nicht
eine Rendite von 12,51%,
sondern lediglich von 7,47%!
Auch das wäre noch eine ganz
schöne Verzinsung. Aber der
Zahn der Zeit nagt auch am
Wert des Schillings.
Sollte die durchschnittliche
jährliche Inflationsrate 20
Jahre lang nicht 3,5% über¬
schreiten, was immerhin frag¬
lich ist, dann sind 412.400 S im
Jahr 2006 gerade soviel wert
wie heute 207.258 S. Und das
wäre dann eine Rendite von
1,46%.
Im Gegensatz dazu erhält
die Versicherungsgesellschaft
Monat für Monat ihre 917 S,
die sie sofort zum vollen Wert
wieder veranlagen kann.
Sollte der Zinsfuß hierfür tat¬
sächlich nur 12,51% betragen
(er ist ganz sicher höher),
würde dies einen Endwert von
982.091 S bedeuten, der durch
die Inflation nur wenig beein¬
trächtigt wird, weil, wie schon
gesagt, jede Monatsrate sofort
weiter veranlagt werden kann.
Im Endeffekt wären das immer
noch 783.390 S, Wert 1986!
Natürlich bleibt es jeder¬
mann unbenommen, eine
derartige Versicherung abzu¬
schließen.
Aber man muß dabei auch
die Realität im Auge behalten!
Emmerich Ledwina, Wien 2
'AW'
»Sperrecht« des Betriebsrates
Zum Leserbrief des Herrn
Manfred Kuzel in A&W 1/86
möchte ich, wegen der Bri¬
sanz des Themas, Stellung
nehmen.
Ganz dürfte die Diskussion
um das »Sperrecht« des Be¬
triebsrats noch nicht zu Ende
sein. Zwar hat der Verfas¬
sungsgerichtshof die diesbe¬
züglichen Bestimmungen des
Arbeitsverfassungsgesetzes
als verfassungskonform er¬
kannt, die Frage, ob die Euro¬
päische Menschenrechts¬
kommission in Straßburg
diese Sicht teilt, ist aber noch
offen.
Gerade die Ausführungen
des Betriebsratsobmanns
Manfred Kuzel zeigen deut¬
lich, daß sehr wohl auch Mit¬
glieder der Belegschaftsver¬
tretung die Gefahr erkennen,
die vom unüberprüfbaren Zu¬
stimmungsrecht - und nur
darauf kommt es an, nicht auf
die Zustimmungsbefugnis an
sich - des Betriebsrats aus¬
geht. Um so mehr sind jene
Schranken, die sich Betriebs¬
räte durch eine »strengere Ge¬
schäftsordnung« selbst aufer¬
legen, zu begrüßen. Hier muß
Mißverständnissen vorge¬
beugt werden: Es geht nicht
um die Beschränkung des Be¬
triebsrats hinsichtlich seiner
Befugnisse gegenüber dem
Betriebsinhaber, es geht aus¬
schließlich um die Minderung
der Gefahr von Fehlentschei-
4 arbeit wirtsdiafl 5/86
        

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