Full text: Arbeit & Wirtschaft - 1986 Heft 05 (05)

Ausflröe/terfammer/!undßeu/er/tsc/iaften
Arbeiterkammer forciert
ausgewogene Verkehrspolitik
»Die Rolle des Verkehrs wird für die gesamte
Wirtschaft - von der Industrie bis zum Fremden¬
verkehr- immer bedeutungsvoller. Nicht zuletzt
ist die Lösung verschiedener Verkehrsprobleme
für Millionen Österreicher eine Frage der Verbes¬
serung der Lebensqualität!« erklärte Dkfm. Her¬
mann Blaha, Kammeramtsdirektor-Stellvertreter
der Wiener Arbeiterkammer, kürzlich bei einer
Pressekonferenz des österreichischen Arbeiter¬
kammertags in Wien.
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Kundenservice der ÖBB: Wertkartentelefon im Zug.
»Für uns heißt das, daß
der Österreichische Arbeiter¬
kammertag in Anbetracht der
Wichtigkeit und der ständigen
Zunahme des Verkehrs for¬
ciert für eine ausgewoge¬
ne Verkehrspolitik eintreten
wird!«
Blaha nannte einige Zahlen,
um die volkswirtschaftliche
Lage des Verkehrs darzustel¬
len. Der Verkehrssektor erar¬
beitet 5,6% des gesamten
Bruttoinlandsprodukts - mehr
als die Landwirtschaft. Ohne
die Post sind im Verkehrsbe¬
reich 154.000 Beschäftigte
tätig. Ein durchschnittlicher
Wiener Arbeitnehmerhaushalt
wendet 13% seines Budgets
für Verkehrsausgaben auf -
mehr als für Wohnzwecke.
»Wenn wir dazu noch die
Auswirkungen des Verkehrs
auf Energiebilanz und Umwelt
betrachten, so wird deutlich,
daß rasch vernünftige Lösun¬
gen gefunden werden müs¬
sen«, sagte Blaha. »Der Arbei¬
terkammertag sieht diese Lö¬
sungen vor allem in einer
Ausweitung des öffentlichen
Verkehrs als energiesparend-
ster und umweltfreundlichster
Faktor!«
Zuwächse
überwiegend auf die
Schiene lenken
Hans Schmölz, Vizepräsi¬
dent der Wiener Arbeiter¬
kammer und Zentralsekretär
der Gewerkschaft der Eisen¬
bahner, wies darauf hin, daß
das Verkehrsaufkommen in
den letzten Jahrzehnten gi¬
gantisch gewachsen sei: von
1960 bis 1985 hat sich der Gü¬
tertransport auf der Schiene
verdoppelt, auf der Straße ist
er aber auf das 37fache ge¬
stiegen.
»Wir wollen keine beste¬
henden Strukturen vernich¬
ten, die ÖBB wollen keiner an¬
deren Branche das Geschäft
wegnehmen und damit Ar¬
beitsplätze gefährden!« be¬
tonte Schmölz. »Aber dieser
Zuwachs des Verkehrsauf¬
kommens wird weiter anhal¬
ten, und wir glauben, daß es
von allen Gesichtspunkten aus
am vernünftigsten ist, den
größten Teil dieses Zuwachses
von vornherein auf die
Schiene zu lenken.«
Der Schienenverkehr sei
sehr energiesparend, was die
Handelsbilanz entlaste. Damit
werden auch Umweltschä¬
den weitgehend vermieden.
Schließlich dürfe man nicht
übersehen, daß der Güter-
schwerverkehr auf der Straße
- vor allem der überwu¬
chernde Transitverkehr - im¬
mer stärker die Lebensqualität
der Österreicher bedrohe, was
sich immer weniger Menschen
gefallen lassen, sagte
Schmölz. Der Ausbau derÖBB
zu einer modernen Serviceor¬
ganisation müsse Hand in
Hand mit der Förderung des
öffentlichen Verkehrs in städ¬
tischen Bereichen und Bal¬
lungsräumen gehen.
Mehr Sicherheit
im Verkehr
Dr. Gerhard Fuhrmann, der
Leiter der Abteilung Verkehrs¬
politik in der Wiener Arbeiter¬
kammer, stellte die Hebung
der Verkehrssicherheit in den
Vordergrund. Dazu gehören
auch Maßnahmen, die mehr
auf die Bedürfnisse von Kin¬
dern, Fußgängern und Rad¬
fahrern Rücksicht nehmen.
Große Bedeutung komme
der Verbesserung der Ver¬
kehrssicherheit im Berufsver¬
kehr zu, unterstrich Fuhr¬
mann. Um die Berufskraftfah¬
rer mit dem nötigen Wissen
auszustatten, sei eine Berufs¬
ausbildung für Berufskraftfah¬
rer notwendig. Im Güterfern¬
verkehr und im Autobusge¬
werbe komme es immer wie¬
der vor, daß Lenkzeiten extrem
überschritten werden; über¬
müdete Lenker bedeuten aber
ein großes Gefahrenpotential.
Die Exekutive sollte das Recht
bekommen, bei starker Über¬
schreitung der erlaubten
Lenkzeiten das betreffende
Fahrzeug behördlich abzu¬
stellen.
Fuhrmann erklärte, die Ar¬
beiterkammer sei grundsätz¬
lich für das vieldiskutierte
Nachtfahrverbot für den
Schwertransport, vor allem im
Transitverkehr. Ein Nachtfahr¬
verbot würde nicht nur der
Wohnbevölkerung die Nacht¬
ruhe gewähren, sondern auch
den Fahrern eine längere
nächtliche Ruhepause si¬
chern. Allerdings müsse man
vorerst klären und fixieren,
welche Fahrten in der Nacht
unbedingt notwendig sind
(etwa zur Nahversorgung),
und dann müsse man das Ver¬
bot rigoros gesetzlich festle¬
gen. Das Beispiel der Schweiz
zeige, daß dies durchaus
durchführbar ist, betonte
Fuhrmann.
Redaktionsschluß
für das Juli/Augustheft
ist der 26. Mai 1986,
für das Septemberheft
der 22. Juli 1986.
6 ariitit wirtsdiaA 5/86
        

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