Full text: Arbeit & Wirtschaft - 1986 Heft 05 (05)

AK Steiermark:
Alle Industriestandorte
erhalten!
Bei der Vollversammlung
der Arbeiterkammer Steier¬
mark, die in der zweiten März¬
hälfte stattfand, stellte Präsi¬
dent Franz lleschitz Maßnah¬
men für die Betriebe der ver¬
staatlichten Industrie in der
Steiermark in den Mittelpunkt
seines Referats, lleschitz for¬
derte, daß alle Standorte erhal¬
ten werden müssen. Schwere
Managementfehler dürften
nicht als Rechtfertigung dafür
dienen, sich der regional-
und beschäftigungspolitischen
Verpflichtungen zu entledi¬
gen. Wo es wegen des Struk¬
turwandels zu Personalein¬
schränkungen kommen sollte,
müsse zeitgerecht für Ersatz¬
arbeitsplätze gesorgt werden.
lleschitz verlangte in seinem
Bericht an die Vollversamm¬
lung nachdrücklich wirksame
Maßnahmen gegen die Ar¬
beitslosigkeit. Bei der Ju¬
gendbeschäftigung könnte
eine überbetriebliche Ausbil¬
dungsstätte sehr nützlich sein.
Weiters unterstrich Präsident
lleschitz, daß eine Lohnsteu¬
ersenkung spätestens ab 1.
Jänner 1987 unbedingt not¬
wendig sei, wobei besonders
die Bezieher kleiner und mitt¬
lerer Einkommen sowie allein¬
verdienende Familienerhalter
berücksichtigt werden mü߬
ten.
Weitere Forderungen von
lleschitz waren: Einrichtung
eines schnellbahnähnlichen
Nahverkehrs in der Steier¬
mark, baldige Fertigstellung
der Pyhrnautobahn und Be¬
kämpfung des »modernen
Sklavenhandels« mit Leihar¬
beitern.
Finanzminister Dr. Franz
Vranitzky, der bei der Vollver¬
sammlung referierte, erklärte,
er verstehe das Verlangen
der Gewerkschaften und Ar¬
beiterkammer nach einer
Lohnsteuersenkung, als Fi¬
nanzminister müsse er aber
auch die Sanierung des Bun¬
desbudgets im Auge behalten.
Vor Jahresmitte könne er sich
zu einer Lohnsteuersenkung
nicht näher äußern.
Vranitzky lehnte eine Pri¬
vatisierung oder Zerschla¬
gung der verstaatlichten Indu¬
strie ab, betonte aber, die
verstaatlichten Unternehmen
müßten in nächster Zeit auf ei¬
nen Gewinnkurs gebracht
werden. In den nächsten ein
bis zwei Jahren werden sie mit
Mitteln ausgestattet, um bilan¬
zieren und neue Wege gehen
zu können. Nach dieser Frist
seien aber Dauerverluste auch
volkswirtschaftlich nicht trag¬
bar.
Auch für den Jahrgang
1985 wurde wieder ein aus¬
führliches
Personen-
und Sachregister
angelegt. Es kann kosten¬
los (auch frühere Jahr¬
gänge bis 1962 zurück) bei
der Redaktion von »Arbeit
& Wirtschaft« angefordert
werden.
Muri berichtet...
»Der ÖGB räumt dem Kampf
gegen die Arbeitslosigkeit wei¬
terhin absolute Priorität ein!« er¬
klärte Präsident Anton Benya bei
einer ÖGB-Pressekonferenz am 9.
April in Wien. Der ÖGB werde alle
Maßnahmen der Regierung und
der Wirtschaft unterstützen, die
geeignet sind, Arbeitsplätze zu si¬
chern oder zu schaffen. Eine der
Maßnahmen dazu sei eine Verkür¬
zung der Arbeitszeit. Gemäß dem
Beschluß des ÖGB-Bundeskon-
gresses 1983 haben bereits einige
Arbeitnehmergruppen auf Kollek-
tiwertragsebene den Einstieg in
die 35-Stunden-Woche geschafft.
Zur Lohnsteuersenkung sagte
Benya, für den ÖGB sei der 1. Jän¬
ner 1987 der letzte Termin für eine
Lohnsteuerreform. Benya berich¬
tete auch über die Mitgliederbe¬
wegung des ÖGB im Jahre 1985
(ein minimaler Rückgang von rund
1400 Mitgliedern oder0,1 % war zu
verzeichnen) sowie über den
Stand der ÖGB-Aktion »Forde¬
rungen an die Zukunft«. ÖGB-
Vizepräsidentin Hilde Seiler for¬
derte mehr und bessere Berufs¬
chancen für Frauen. Dr. Robert
Lichal, ÖGB-Präsidiumsmitglied,
erklärte, es müsse so rasch wie
möglich eine Lohnsteuersenkung
mit besonderer Entlastung der
Familien geben.
*
Roman Rautner (60) legte mit
31. März seine Funktion als Ge¬
schäftsführer der Gewerkschaft
der Bau- und Holzarbeiter zurück.
Mit der Geschäftsführung wurde
Josef Hesoun (54) betraut. Raut¬
ner ist seit 1976 Vorsitzender der
Gewerkschaft, seit 1979 ÖGB-
Vizepräsident und seit einigen
Jahren Wiener Bautenstadtrat.
Hesoun war seit 1973 niederöster¬
reichischer Landessekretär der
Bau- und Holzarbeiter, wurde 1978
Landesobmann sowie stellvertre¬
tender Gewerkschaftsvorsitzender
und ist auch Präsident der Arbei¬
terkammer Niederösterreich.
*
Franziska Fast, eine der drei
Volksanwälte, erhielt die Johann-
Böhm-Plakette, die höchste Aus¬
zeichnung des ÖGB. Fast war
seinerzeit Frauensekretärin der
Gewerkschaft Metall - Bergbau -
Energie, von 1979 bis 1983 Staats¬
sekretärin und ist seit 1983 in der
Volksanwaltschaft.
*
Nach äußerst schwierigen Ver¬
handlungen konnte die Gewerk¬
schaft Textil, Bekleidung, Leder
anfangs April einen neuen Kollek¬
tivvertrag für die rund 27.000
Arbeiter der Textilindustrie
abschließen. Rückwirkend mit
1. April wurden die kollektivvertrag¬
lichen Mindestlöhne um 4,8 und
die Ist-Löhne um 4,2 Prozent
erhöht. Der Vertrag hat eine Lauf¬
zeit von zwölf Monaten.
*
Erwin Frühbauer, Vorsitzender
der ÖGB-Landesexekutive Kärn¬
ten, feierte am 11. April seinen
60. Geburtstag. Frühbauer, der
den Berufeines Maschinenschlos¬
sers erlernte, war seit seiner Ju¬
gend in der Gewerkschaftsbewe¬
gung tätig. 1947 betreute er als
Jugendreferent der Gewerkschaft
der Eisenbahner die Lehrlinge
der ÖBB-Hauptwerkstätte, 1952
wurde er Obmann des Vertrau¬
ensmännerausschusses und zu¬
gleich Ortsgruppenobmann der
Eisenbahnergewerkschaft. 1962
wurde Frühbauer zum Kärntner
Landessekretär der Eisenbahner¬
gewerkschaft bestellt. Von 1970
bis Anfang 1974 war Frühbauer
Verkehrsminister, im Juni 1974
wurde er auf einer außerordentli¬
chen Landeskonferenz zum Vor¬
sitzenden der ÖGB-Landesexeku¬
tive Kärnten gewählt. Frühbauer,
der auch stellvertretender Lan¬
deshauptmann ist, war auch viele
Jahre Vizepräsident der Arbeiter¬
kammer Kärnten.
*
Zwischen der Gewerkschaft der
Chemiearbeiter und dem Bundes¬
gremium des Mineralölhandels
wurde für namentlich genannte
Firmen des Mineralölgroßhandels
ein neuer Kollektivvertrag abge¬
schlossen, der die normale wö¬
chentliche Arbeitszeit seit dem
1. Feber 1986 mit 38 Stunden
festlegt. Das Lohnabkommen für
den Mineralölgroßhandel trat be¬
reits mit 1. Jänner 1986 in Kraft.
*
Johann Schmölz, 54, Zentral¬
sekretär der Gewerkschaft der
Eisenbahner, wurde Anfang April
als Abgeordneter zum Nationalrat
(SPÖ) angelobt. Schmölz, ein ge¬
lernter Maschinenschlosser, ist
auch Vizepräsident der Wiener
Arbeiterkammer.
*
Die kollektivvertraglichen Min¬
destlöhne für die Arbeiter der
ledererzeugenden Industrie wur¬
den rückwirkend mit 1. März um
4,8% erhöht, die Ist-Löhne um
4,2%. Außerdem gab es bei der
Weihnachtsremuneration eine
Verbesserung.
*
Mit 1. April wurden die Kollek¬
tivvertragslöhne und -gehälter
der im graphischen Gewerbe
beschäftigten Arbeitnehmer um
5,5% erhöht. Die Ist-Löhne und
-Gehälter wurden um die sich
bei der Erhöhung der kollektiv¬
vertraglichen Positionen erge¬
benden Schillingbeträge erhöht.
Die Lehrlingsentschädigungen
wurden um 5,5% erhöht.
Vorschau
Für die nächsten Ausgaben sind unter anderem folgende
Beiträge geplant.
Von Gerhard Stemberger »Urlaub: Große Fortschritte- of¬
fene Probleme«, von Günther Chaloupek »Das Kreditwe¬
sengesetz-Konsolidierungsphase für Österreichs Kredit¬
apparat«, von Horst Brand »USA-Wirtschaftsausblick:
Gewinne in Sicht - Druck auf Löhne und Gehälter«, von
Günter Weninger »Das Wiener Personalvertretungsge¬
setz«, von Gabrielle Traxler über die Frage der Nachtar¬
beit, von Helmut Ornauer »Private Entwicklungshilfe aus
Österreich: Doch kein leerer Wahn«, von Franz Edlinger
und Oskar Meggeneder »Gesundheitsrisiko Arbeitswelt?«,
von Felix Butschek über Fragen der Strukturpolitik.
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