Full text: Arbeit & Wirtschaft - 1988 Heft 10 (10)

ÖGB bot im Vorjahr 3388 Kindern
und Jugendlichen Erholung
ÖGB-Rechtsschutz erkämpfte
1987 fast eine Milliarde Schilling
üi
Jugenderholungsheim Cap Wörth (Kärnten)
Im Jahr 1987 wurden in den
fünf Jugenderholungsheimen
des ÖGB insgesamt 3388 Kin¬
der und Jugendliche betreut.
1415 jugendliche Arbeitneh¬
mer (1028 Burschen und 387
Mädchen), die aufgrund der
Jugenduntersuchungen der
Gebietskrankenkassen als er¬
holungsbedürftig eingestuft
wurden, verbrachten einen
dreiwöchigen Urlaub in den
Heimen. Dazu kamen in den
Ferienmonaten 912 Kinder im
Alter von 6 bis 15 Jahren sowie
1061 Kinder und Jugendliche
im Rahmen von diversen Tur¬
nussen, wie zum Beispiel »Ju¬
gend amWerk«, Sport- und Er¬
holungswochen sowie Schul¬
landwochen.
Der ÖGB hat auch 1987 für
die Betreuung gesundheitsge-
fährdeter Jugendlicher und
Kinder beträchtliche Mittel auf¬
gewendet. Finanziell unter¬
stützt wurde die Aktion von den
Gebietskrankenkassen, den
Arbeiterkammern und vom So¬
zialministerium.
Aus Wien kamen im Be¬
richtsjahr 480 Burschen, 135
Mädchen und 612 Kinder,
aus Niederösterreich 270 Bur¬
schen, 126 Mädchen und 258
Kinder, aus dem Burgenland
23 Burschen, 31 Mädchen und
29 Kinder, aus der Steiermark
54 Burschen, 5 Mädchen und 6
Kinder, aus Oberösterreich 119
Burschen, 54 Mädchen und 2
Kinder, aus Salzburg 27 Bur¬
schen, 12 Mädchen und 4 Kin¬
der, aus Kärnten 30 Burschen,
9 Mädchen und 1 Kind, aus Ti¬
rol 2 Burschen und 2 Mädchen
sowie aus Vorarlberg 23 Bur¬
schen und 13 Mädchen.
*AW-
1987: ÖGB schloß
579 Kollektivverträge ab
Der Österreichische Ge¬
werkschaftsbund hat im Jahr
1987 579 Vereinbarungen ab¬
geschlossen, die sich aus
150 Bundeskollektivverträgen,
378 Landeskollektivverträgen,
21 Betriebsvereinbarungen,
11 Heimarbeitsverträgen und
19 Mindestlohntarifen oder
Entgeltverordnungen zusam¬
mensetzten.
Die vielen Verträge zeigen
einerseits, wie kompliziert die¬
se Tätigkeit der Gewerkschaf¬
ten ist, anderseits, daß in man¬
chen Branchen die Unterneh¬
mer alles versuchen, um bun¬
deseinheitliche Verträge mög¬
lichst zu verhindern. So gibt es
im Bereich der Gewerkschaft
Textil, Bekleidung, Leder nicht
weniger als 123 Verträge, von
denen 100 Landeskollektivver¬
träge sind. Auch im Bereich der
Gewerkschaft der Lebens- und
Genußmittelarbeiter ist die
Zahl der Landeskollektivverträ¬
ge sehr hoch: So sind von den
116 Verträgen 87 Landeskol¬
lektivverträge. Im Bereich der
Gewerkschaft Druck und Pa¬
pier sowie der Gewerkschaft
Metall-Bergbau-Energie wur¬
den dagegen nur noch vier be¬
ziehungsweise fünf Bundeskol¬
lektivverträge abgeschlossen.
Im Jahr 1987 haben die
Gewerkschaften im Interesse
ihrer Mitglieder eine über¬
aus erfolgreiche Rechts¬
schutztätigkeit durchgeführt:
993,476.000 S, also nahezu
eine Milliarde Schilling, wurden
für die Gewerkschaftsmitglie¬
der erkämpft. Davon konnten
bei Konkursen und Ausglei¬
chen gemäß dem Insolvenz-
Entgeltsicherungsgesetz mehr
als 681,8 Millionen Schilling für
Arbeitnehmer gesichert wer¬
den, die sie sonst wahrschein¬
lich nicht oder nur teilweise be¬
kommen hätten. Durch Inter¬
ventionen der zuständigen Ge¬
werkschaftssekretäre wurden
mehr als 190,5 Millionen Schil¬
ling sowie durch Urteile oder
Vergleiche mehr als 121 Millio¬
nen Schilling erstritten.
Bei den erkämpften
993,476.000 S scheinen die
Gewerkschaften der Eisen¬
bahner sowie der Post- und
Fernmeldebediensteten nicht
auf, weil die durch diese
Gewerkschaften geleistete
Rechtshilfe wegen der Beson¬
derheit des öffentlichen Dien¬
stes in Zahlen kaum meßbar
ist.
Bei den Streitfällen der
ÖGB-Statistik ging es in erster
Linie um Lohn: oder Gehalts¬
differenzen, Überstundenbe¬
zahlungen, Auflösung des
Dienstverhältnisses, Urlaubs¬
angelegenheiten, Sonderzah¬
lungen, Abfertigungen, An¬
sprüche nach dem Insolvenz-
Entgeltsicherungsgesetz und
dem Entgeltfortzahlungsge¬
setz.
Bei den erkämpften Beträ¬
gen steht die Gewerkschaft
der Privatangestellten mit
401,9 Millionen Schilling an
der Spitze, gefolgt von der Ge¬
werkschaft der Bau- und Holz¬
arbeiter mit 221,1 Millionen
Schilling, der Gewerkschaft
Textil, Bekleidung, Leder mit
90,9 Millionen Schilling und der
Gewerkschaft Metall-Berg¬
bau-Energie mit 66,5 Millionen
Schilling.
Arbeitszeitverkürzung:
Österreich ist keineswegs
Vorreiter
In letzter Zeit wandten sich wieder einige Sprecher
der Bundeswirtschaftskammer vehement gegen
einen vom ÖGB geforderten Generalkollektivver¬
trag zur schrittweisen Verkürzung der Arbeitszeit.
Eines ihrer Hauptargumente: Österreich dürfe
international keine Vorreiterrolle übernehmen, weil
sonst die Konkurrenzfähigkeit auf den Auslands¬
märkten verlorenginge.
Eine Studie des Europäi¬
schen Gewerkschaftsinsti¬
tuts (EGI) in Brüssel zeigt,
daß Osterreich keineswegs
vorprescht.
Arbeitszeitverkürzung ist ei¬
nes der Mittel zur Bekämpfung
der Arbeitslosigkeit, weil da¬
durch vorhandene Arbeit auf
mehr Menschen verteilt wird. In
Österreich haben die Gewerk¬
schaften diesen Weg auf Bran¬
chenebene begonnen und in
den letzten vier Jahren für über
eine Million Menschen — mehr
als ein Drittel der Beschäftigten
- Arbeitszeiten von 38 oder
38,5 Wochenstunden erreicht.
Der ÖGB-Bundeskongreß hat
im Oktober 1987 beschlossen,
nun einen Generalkollektivver¬
trag anzustreben, der diesen
Weg fortsetzen und über die In¬
dustrie hinaus auch kleineren
Arbeitnehmergruppen kürzere
Arbeitszeiten bringen soll.
Wie sieht es nun mit dem
Vorwurf einer Vorreiterrolle
Österreichs wirklich aus?
Das EGI hat in einer Studie
die kollektiv-(tarif-)vertrag-
lich festgelegten Arbeitszei¬
ten in 20 westeuropäischen
Ländern dargestellt. In nahe¬
zu allen Ländern bewegen
sich die kollektivvertragli¬
chen Arbeitszeiten zwischen
35 oder 36 und 40 Wochen¬
stunden.
Einzige Ausnahme ist die
Schweiz, in der die Arbeitszei¬
ten zwischen 40 und 45 Stun¬
den liegen. Die Gewerkschaf¬
ten haben für Dezember eine
Volksabstimmung durchge¬
setzt, die über die Einführung
einer generellen 40-Stunden-
Woche entscheiden soll.
10/88 arbeit Wirtschaft 9
        

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