Full text: Arbeit & Wirtschaft - 1988 Heft 10 (10)

Gesundheitsbewußte
Kennzeichnung
Österreich ist nach wie vor -
aus einer gewissen Säumigkeit
im Landwirtschaftsministerium
- ein Land, das noch kein Ver¬
bot von DDT ausgesprochen
hat. Dieser Entwicklungsland¬
charakter gehört schleunigst
behoben, der ÖVP-Landwirt-
schaftsminister Riegler soll
endlich eine Schädlingsbe-
kämpfungsmittel-Höchstwerte-
verordnung in Kraft treten
lassen, forderte Traxler bei ih¬
rer Pressekonferenz. Andere
Länder haben dies längst,
Österreich soll hier nicht Ent¬
wicklungsland bleiben.
Und: wenn die Ungarn auf
ihren Lebensmitteln zum Bei¬
spiel Angaben über Kalorien
(beziehungsweise Joule) ha¬
ben, warum bringen wir das in
Österreich nicht zustande?
Auch hier sollte sich was
ändern: Salzgehalt, Zucker¬
gehalt, Joule (beziehungs¬
weise Kalorien) sollten end¬
lich bei Lebensmitteln ange¬
geben werden (müssen).
Ohne den sanften Zwang der
Vorschrift tut's ja kaum wer.
Gegen Brutalvideos
Auch bei den immer brutaler
und inhumaner werdenden Vi¬
deofilmen sollte etwas gesche¬
hen. Eine Prüfstelle könnte
hier ein erster Schritt, ein völ¬
liges Wegkriegen dieser fa¬
schistoiden »Unterhaltungs-
Horrorfilme« dann der nächste
Schritt sein.
Aggression in Bild und Ton ist
jedenfalls abzulehnen. Hier hat
Kollegin Traxler tatsächlich ei¬
nen Angelpunkt von Konsu¬
mentenanliegen getroffen: die
Unzufriedenheit von Men¬
schen, am Arbeitsplatz oder
mit ihren Lebensumständen,
soll nicht in dasAnschauen von
Brutalfilmen »umgelenkt« wer¬
den, sondern in entsprechen¬
de Verbesserungsaktivitäten.
Kurz gesprochen: der Unzu¬
friedene soll nicht sein Leid mit
Alkohol oder billigen Filmen
wegspülen, sondern aktiv an
der Verbesserung seiner Le¬
bensumstände mitarbeiten
können.
Auch das ist ein wichtiges
gewerkschaftliches Anliegen.
S. K.
-AW-
Legionellen:
Der Tod aus der Wasserleitung?
Trinkwasser, unser wichtig¬
stes Lebensmittel, sollte klar,
sauber, geschmacksneutral
und nicht gesundheitsgefähr¬
dend sein. Eine Selbstver¬
ständlichkeit? Mittlerweile lei¬
der nicht mehr so ganz! Ob¬
wohl das Trinkwasser in Öster¬
reich meist weit besser ist als in
anderen Ländern (jeder von
uns hat das im Urlaub schon
bemerkt), gibt es auch bei uns
neben Problemen mit Chlor¬
kohlenwasserstoffen und Ni¬
trat auch gefährliche Keime im
Wasser. Diese aber nicht, weil
die Ouellen verseucht oder die
Wasserwerke schlampig wä¬
ren, sondern weil sie an sich in
jedemWasser vorkommen und
nachzuweisen sind: die Legio¬
nellen.
Das sind häufig auftretende
Umweltkeime, die in natürli¬
chen Gewässern und in Kli¬
maanlagen, Speichern, Du¬
schen und Wasserleitungen
vorkommen. Sie können, bei
genügend hoher Konzentra¬
tion im Wasser, beim Men¬
schen eine gefährliche Form
der Lungenentzündung hervor¬
rufen, die mit dem Tod enden
kann. In der Bundesrepublik
Deutschland rechnet man pro
Jahr mit 6000 schweren Legio-
nellen-lnfektionen und 60.000
Eine Broschüre zum neuen Pro¬
dukthaftungsgesetz haben AK und
ORF (»wir«-Redaktion) herausge¬
bracht. Sie wird gratis abgegeben.
Wer über die neue Produkthaf¬
tungsregelung informiert sein
mag, ist mit der Informationsbro¬
schüre »Produkthaftung« bestens
bedient. Ein umfassender Über¬
blick über die neuen gesetzlichen
Regelungen wird geboten, auch
Kritik an der insgesamt etwas lah¬
men gesetzlichen Richtlinie kommt
nicht zu kurz.
Die neue Produkthaftungsrege¬
lung gilt für alle ab Juli 1988 ver¬
kauften Waren. Wann immer durch
einen Produktfehler ein Schaden
verursacht wird, haftet der Herstel¬
ler beziehungsweise Importeur der
Ware. Voraussetzung: Der Scha¬
den muß mehr als 5000 S betra¬
gen, oder es muß ein Mensch zu
Schaden gekommen sein.
Dieses neue Produkthaftungs¬
gesetz ist im wesentlichen eine An-
gleichung an die EG-Vorschriften,
also keine besondere österreichi¬
sche Spezialität. Man hat hiemiet
die Rechtsangleichung bezie¬
hungsweise den wirtschaftlichen
Schulterschluß zur EG gleich mit¬
genommen. Die österreichische
Regelung reicht bei weitem nicht
an die US-Judikaturzu Produktfeh¬
lern heran, das sollte auch - kri¬
tisch - festgehalten werden.
Die Broschüre »Produkthaf¬
tung« ist kostenlos in der AK Ihres
Bundeslandes erhältlich bezie¬
hungsweise kostenlos anforderbar
beim ORF, Redaktion »wir«, Kenn¬
wort »Produkthaftung«,1130Wien,
Würzburggasse).
grippeähnlichen Erkrankun¬
gen, ebenfalls hervorgerufen
durch Legionellen.
Die Krankheitskeime wer¬
den ausschließlich durch Inha¬
lation, das heißt durch Einat¬
men, übertragen, das Trinken
des Wassers stellt also keine
Gefahr dar. Problematisch
kann es jedoch beim Duschen
oder Baden werden, wenn
nicht einige Sicherheitsma߬
nahmen getroffen werden:
Wird das Wasser mit Hilfe von
Speichern zentral erwärmt,
muß man die Temperatur der
Speicher auf mindestens 60
Grad erhöhen, denn bei diesen
Temperaturen können die Le¬
gionellen nicht mehr überle¬
ben: Sie sterben binnen weni¬
ger Minuten völlig ab. Die rich¬
tigen Lebensbedingungen ha¬
ben die Keime bei Temperatu¬
ren zwischen 30 und 40 Grad.
In diesem Klima können sie
sich in einem Ausmaß vermeh¬
ren, daß sie dem Menschen
gefährlich werden können.
Heizt man dasWasser mit ei¬
nem Boiler, kann man die Le¬
gionellen getrost vergessen:
Bei solchen Temperaturen ha¬
ben sie keine Chance. Egal wie
man sein Wasser erwärmt -
die Leitungen von der Heiz¬
quelle zur Entnahmestelle soll¬
ten gut isoliert sein, denn wenn
das Wasser unterwegs aus¬
kühlt, gibt es wieder ideale Vor¬
aussetzungen zur Vermehrung
der Keime.
Die besten Voraussetzun¬
gen, zu einer Gefahr für den
Menschen zu werden, haben
die Legionellen in öffentlichen
Gebäuden, wo Wasser zentral
aufbereitet und erwärmt und
dann auf eine lange Reise quer
durch das Gebäude geschickt
wird. Dort können sich die Kei¬
me bei optimalen Temperatu¬
ren und langen Stehzeiten des
Wassers nahezu ungehindert
vermehren. Im neuen Allge¬
meinen Krankenhaus in Wien
hat man da schon vorgesorgt,
was deshalb so wichtig ist, weil
Legionellen besonders bereits
immungeschwächte oder
kränkelnde Menschen »anfal¬
len«: Reinhard Lindner von der
Magistratsabteilung 15: »Dort
soll das Wasser in Abständen
im gesamten Bereich auf über
50 Grad erhitzt werden, so daß
die Keime absterben.«
So kann man sich
schützen
• Erwärmung des Wassers
auf zirka 60 Grad.
• Nichtbenutzte Leitungsteile
absperren.
• Zirkulationsleitungen bis an
die Zapfstelle heranführen.
• Duschschläuche nach je¬
der Benutzung entleeren.
• Leitungen gut wärmeisolie¬
ren, damit sich das Wasser
nicht auf kritische Temperatu¬
ren abkühlen kann.
• Beim Trinken stellen Legio¬
nellen keine Gefahr dar — sie
werden nur eingeatmet gefähr¬
lich. Dagmar B. Hofmann
~AW~
»Helfer« ohne Auftrag
Ein Unfall oder eine Panne,
die einen Autofahrer zwingt,
sein Vehikel in einer völlig frem¬
den Gegend stehenzulassen,
stellt wohl für jeden einen Alp¬
traum dar. Dabei ist noch jener
glücklich, der den Wagen ord¬
nungsgemäß parken und ver¬
sperren kann. Liegt das Auto
aber fahruntüchtig im Straßen¬
graben, neigt mancher zu einer
Panikreaktion, und das um so
eher, wenn er selbst mit der
Rettung ins Spital gebracht
werden muß.
Schock
wird ausgenützt
Diese Schocksituation ma¬
chen sich nun einige Betriebe
der Kraftfahrzeugbranche zu¬
nutze. Sie erscheinen unge¬
fragt am Unfallort und schlep¬
pen das Fahrzeug in eine
Werkstatt, oft in die eigene. Der
Autobesitzer bekommt dann
eine saftige Rechnung und
gleich einen Reparaturauftrag
zum Unterschreiben. Viele tun
dies auch und handeln sich da¬
mit gleich eine zweite Rech¬
nung ein, ohne zu wissen, ob
eine solche Reparatur über¬
haupt nötig war und was sie
anderswo gekostet hätte.
Aber abgesehen von der Re¬
paratur, den Transport wollen
sich die Abschlepper auf jeden
Fall bezahlen lassen und beru¬
fen sich dabei auf die soge¬
nannte »Geschäftsführung
ohne Auftrag«. Die ist im Ge¬
setz vorgesehen, denn wenn je-
20 urtx'il Wirtschaft 10/88
        

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