Full text: Arbeit & Wirtschaft - 1991 Heft 02 (02)

IN DIESEM HEFT:
Es gibt
wieder
Wohnungsnot
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Es gibt wieder Wohnungsnot in Öster¬
reich, meint Dr. Caspar Einem, der Leiter
der Abteilung Kommunalpolitik der Arbei¬
terkammer Wien und Autor unseres Titel¬
blattbeitrages: »Wohnungspolitische Her¬
ausforderungen 1990.« Einem wörtlich:
»Freilich trifft sie nicht alle und wird des¬
halb auch sehr unterschiedlich wahrge¬
nommen. Und: die Situation sieht in den
einzelnen Bundesländern unterschiedlich
aus - auch innerhalb der Bundesländer ist
die Lage zwischen Städten und ländlichen
Gebieten durchaus unterschiedlich.«
Vom Angebot her sieht der Autor die Ur¬
sache der neuen Wohnungsnot in der zu
geringen Zahl von Neubauten: Das brach¬
te in den vergangenen Jahren etwa 37.000
neue Wohnungen jährlich, davon in Wien
zuletzt knapp 5000 Neuwohnungen. (»Es
wurde also nicht einmal 1 % des Bestandes
pro Jahr neu errichtet. Diese Menge reicht
im allgemeinen nicht aus, den Bestand zu
erhalten.«)
Von der Nachfrage her sieht Einem vor
allem die Veränderung der Lebensge¬
wohnheiten als einen Grund für die gegen¬
wärtigen Probleme an: »So hat etwa die In¬
anspruchnahme von Wohnfläche pro Kopf
der Bevölkerung in den letzten Jahren dra¬
stisch zugenommen. Selbst ohne jede Zu¬
wanderung und ohne Bevölkerungs¬
wachstum mußte diese Entwicklung zu
Problemen führen.«
Über die im Beitrag angeführten Lö¬
sungsmöglichkeiten für dieses Problem
soll im ersten Halbjahr 1991 »eine parla¬
mentarische Enquete den Startschuß zur
Neugestaltung des Bundeswohnrechts
geben«. Ziel dabei ist, so der Autor, die
Neuordnung des gesamten Bundeswohn¬
rechts in einem Gesetz. Gewerkschaften
und Arbeiterkammern werden an der Neu¬
gestaltung der Wohnungsmaterie mitwir¬
ken.
?
ÖK 1
*
Wieviel echte
Freizeit bleibt
den Handelsan¬
gestellten?
Seite 22
»Du bist so geschafft am Abend, das
glaubt dir keiner. Und du sollst zu Hause
auch noch was machen, es ist ja nicht so,
daß dir da wer etwas abnimmt.« Das sagt
Frau Gabler (der Name wurde geändert),
eine Verkäuferin, die einmal pro Woche bis
20 Uhr im »Abendverkauf« steht. Und Herr
Pross, ein Verkäufer in einem Wiener
Großkaufhaus, klagt: »Ich sehe nicht ein,
daß andere Leute am Freitag alles liegen
und stehen lassen, und für uns fängt das
Wochenende oft erst am Samstagabend
an.«
Das sind Auszüge und Aussagen aus ei¬
ner Studie der Wiener Arbeiterkammer
zum Thema Arbeitszeiten (Lawugger, Sim-
sa, Rubchich: »Hinter den Kulissen. Die
Alltagsorganisation von Handelsangestell¬
ten und deren Familien.«) Ruth Simsa ver¬
faßte daraus den Artikel »Freizeit und Fa¬
milienleben von Handelsangestellten«.
Es geht dabei um die Auswirkungen des
vorerst mit 15 Monaten befristeten Modell¬
versuches einer Liberalisierung der Öff¬
nungszeiten im österreichischen Einzel¬
handel. Trotz massiver Einwände von Sei¬
ten der Gewerkschaft der Privatangestell¬
ten, so die Autorin, wurden diese erweiter¬
ten Öffnungszeiten nach Ablauf des Mo¬
dellversuches beibehalten und darüber
hinaus noch verlängert.
Die Studie beweist nun anhand konkre¬
ter Fälle, daß diese Veränderungen der
Öffnungszeiten in einer Branche, die oh¬
nehin an kraß vom Durchschnitt abwei¬
chenden Arbeitszeiten leidet, eine klare
Verschlechterung der Situation der Han¬
delsangestellten bringt. Dazu kommt
noch, daß nur jeder fünfte Betrieb, der von
den geänderten Öffnungszeiten Gebrauch
machte, seine Umsätze steigern konnte.
Pension und
Frauenrolle
in der
Gesellschaft
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Sozialpolitische Überlegungen zum Er¬
kenntnis des Verfassungsgerichtshofes
über das unterschiedliche Pensionsan¬
fallsalter von Frauen und Männern stellt
Helmut Ivansits in dem Beitrag »Nachteile
oderVorteile für berufstätige Frauen?« an.
Der Autor erläutert zuerst die Ansicht
des VfGH, es sei erwiesen, daß Frauen
»die Hauptlast der Haushaltsführung und
Kindererziehung« tragen. Das niedrigere
gesetzliche Pensionsanfallsalter für Frau¬
en, so der Höchstgerichtshof, sei jedoch
ungeeignet, diese Belastungen auszuglei¬
chen: »...Es könne sich das niedrigere
Pensionsalter sogar zum Nachteil der
Frauen auswirken. So können gerade
Frauen, die ihre Berufslaufbahn später be¬
gonnen haben oder unterbrechen mußten,
die vorzeitige Alterspension wegen langer
Versicherungsdauer gar nicht in Anspruch
nehmen oder müssen sich mit einer ge¬
ringeren Pension begnügen.«
Ivansits beschreibt die Motive für das
unterschiedliche Pensionsalter, das in
Österreich erstmals 1914 durch eine No¬
velle zum Pensionsversicherungsgesetz
u-
V
für Privatangestellte eingeführt worden
war. 1952 wurde das Rentenalter für Frau¬
en mit dem 60. Lebensjahr und für Männer
mit dem 65. Lebensjahr festgesetzt, 1961
schließlich wurde die vorzeitige Alterspen¬
sion wegen langer Versicherungsdauer
eingeführt: gegenüber der Alterspension
wurde in beiden Fällen das Pensionsalter
um fünf Jahre herabgesetzt: »In der Öf¬
fentlichkeit ... setzte sich immer mehr die
Auffassung durch, daß das niedrige Pen¬
sionsalter der Frau einen Ausgleich für die
Doppel- und Mehrfachbelastung der Frau
durch Beruf und Familie darstelle.«
Auch der VfGH, so der Autor, ist dieser
Argumentation im Prinzip gefolgt: »Doch
ist demgegenüber nicht zu übersehen, daß
eine wachsende Zahl kinderloser und/oder
lediger Frauen das günstige Pensionsalter
in Anspruch nimmt, ohne jemals tatsäch¬
lich (im obgenannten Sinn) doppelt oder
mehrfach belastet gewesen zu sein.«
Ivansits beschäftigt sich dann ausführ¬
lich mit den negativen Seiten des Erkennt¬
nisses und stellt die Notwendigkeit einer
Politik fest, die die Ursachen der Ungleich¬
heiten im Pensionsrecht beseitigt. Nicht
zuletzt sei eine verfassungsrechtliche Ab¬
sicherung von langfristig angelegten Über¬
gangsbestimmungen notwendig, um eine
weitere Verunsicherung der Betroffenen zu
vermeiden.
SPS».T
Hongkong und
Österreich
Seite 38
Für österreichische Touristen sei Hong¬
kong das billige Einkaufsparadies
schlechthin, meint Susanne Rusy-Hör-
schläger in ihrem Beitrag »Hongkong, ein
Wirtschaftsparadies mit Fehlern«. Ein
Blick hinter die Fassaden zeigt freilich ein
sozialpolitisches Entwicklungsland, in
dem die Arbeitnehmer froh wären, hätten
sie auch nur annähernd österreichische
Verhältnisse.
Am Beispiel desVergleiches dieser zwei
in vielen Fragen so ungleichen Kleinstaa¬
ten erinnert die Autorin daran, daß auch
die österreichischen sozialen und arbeits¬
rechtlichen Errungenschaften »nicht vom
Himmel herabgefallen« sind, sondern in
»jahrzehntelangem Bemühen durch Ge¬
werkschaften und Arbeiterkammern er¬
kämpft und ausgehandelt« wurden.
Entschuldigung: Im Jännerheft von »Arbeit &
Wirtschaft« ist ein schwerwiegender Fehler ge¬
schehen, der in dieser Form eine »Premiere« in
unserer Zeitschrift ist. Es handelt sich um das In¬
haltsverzeichnis, wo die Seitenangabe beim
Großteil der Artikel falsch ist. Die Tatsache, daß
der Umschlag mit dem Inhaltsverzeichnis einer¬
seits und der Kern des Heftes anderseits an ver¬
schiedenen Stellen gedruckt wird, soll nicht als
Ausrede dafür dienen, daß dieser Fehler alle
Kontrollen sowohl in der Redaktion als auch beim
Korrektor in der Druckerei »unbeschadet« über¬
standen hat. Wir können unsere Leserinnen und
Leser dafür nur um Entschuldigung bitten.
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