Full text: Arbeit & Wirtschaft - 1993 Heft 03 (03)

^FRAUENARBEIT-
Studie überArbeitszeit:
Die Unterordnung
Familiäre Zeitorganisation wird der beruflichen un¬
tergeordnet. Dies ist Ergebnis der Studie »Betrieb¬
liche Arbeitszeit zwischen Wunsch und Wirklich¬
keit«, die von der Abteilung für grundsätzliche An¬
gelegenheiten der Frauen im Sozialministerium in
Auftrag gegeben wurde. Auffällig war, daß Männer
sich mehr Zeit für Freizeitaktivitäten und Frauen
mehr Zeit für die Familie wünschen.
Analysiert wurde in Betrie¬
ben (Bereichen), in denen
Nacht-, Schicht-, Wochen¬
endarbeit oder Turnusdienst
üblich sind.
Von der »Haushaltsfront«
wird in der Studie nichts Neues
gemeldet: Die Hauptlast für
Hausarbeit und Kinderbe¬
treuung beziehungsweise
Organisation der Kinderbe¬
treuung tragen die Frauen.
FRAUENRECHT
Männer helfen gelegentlich mit
und spielen mit den Kindern.
Auch im Akutfall (zum Beispiel
bei Krankheit) sind Mütter,
Großmütter und dann erst die
Väter für die Kinder da.
Die These, daß Alleinerzie¬
herinnen nicht mehr Zeitnot,
aber größeres Organisations¬
talent haben, stellte sich für die
in der Studie Befragten als
richtig heraus.
Abstieg durch
»familiäre
Erfordernisse«
Die Geburt von Kindern und
die damit meist verbundene
Unterbrechung der Berufs¬
tätigkeit führt bei Frauen oft
zu einem Berufs- beziehungs¬
weise Arbeitsplatzwechsel.
Für die meisten der befragten
Mütter war damit auch ein be¬
ruflicher Abstieg verbunden;
insbesondere dann, wenn die
Arbeitszeit den »familiären
Erfordernissen« angepaßt
wurde - das heißt, wenn die
Frau nun Teilzeit arbeitete
oder in den Nachtdienst
wechselte.
Personen mit Regelarbeits¬
zeit und Beschäftigte, die ihre
Arbeitszeiten bereits den fa¬
miliären Gegebenheiten an¬
gepaßt hatten, äußerten weni¬
ger Wünsche nach Verände¬
rung der Arbeitszeit.
»Es sich miteinander
ausmachen können«
»Es sich miteinander ausma¬
chen können«, wer wann arbei¬
tet, also ein hohes Maß an Mög¬
lichkeiten der Selbstorganisa¬
tion in einem vorgesehenen
Rahmen, wirkt sich laut Studie
äußerst positiv auf Arbeitskli¬
ma und subjektive Zufrieden¬
heit der Beschäftigten aus.
In der Studie wird daran fest¬
gehalten, daß eine familien¬
freundliche Arbeitszeit vor allem
über die Verkürzung der tägli¬
chen Arbeitszeit (auch über
Eindämmung von Wochenend-,
Nacht- und Schichtarbeit) er¬
reicht werden kann. Gleichzeitig
wird in der Studie gewarnt: Es
dürfe aber nicht davon ausge¬
gangen werden, daß sich durch
eine solche Arbeitszeitverkür¬
zung quasi automatisch die Ver¬
antwortung für Haus- und Fami¬
lienarbeit zwischen Frauen und
Männern anders verteilt.
AW
Pressekonferenz
der ÖGB-Frauen:
Krank sein is net drin
Zu wenig Personal, die Angst vor Verlust des Ar¬
beitsplatzes und Kollegialität spielen mit - es gibt
mehr als genug Gründe, daß krank sein oft »net
drin is«. Schockierende Ergebnisse der Untersu¬
chung »Arbeitsbedingungen von Frauen in ausge¬
wählten Berufen« präsentierte ÖGB-Frauenvorsit-
zende und ÖGB-Vizepräsidentin Irmgard Schmid-
leithner vor kurzem auf einer Pressekonferenz.
Durchgeführt wurde die Un¬
tersuchung in 18 oberöster¬
reichischen Betrieben. Eine
Kassierin in einem Super¬
markt erklärte: »Wenn man im
Krankenstand ist, wird man zu
Hause angerufen und fast
genötigt, doch zur Arbeit zu
kommen. Dabei wagt eh nie¬
mand, ohne ernstlichen Grund
zu Hause zu bleiben; schon al¬
lein aus Rücksicht auf die Kol¬
leginnen. Wir sind personal¬
mäßig so schwach besetzt,
daß - wenn irgendeine fehlt -
gleich die anderen herhalten
müssen. Weigert man sich, in
die Arbeit zu kommen, obwohl
man krank geschrieben ist, hat
man nur Nachteile ...«
So bleiben nur drei Pro¬
zent der berufstätigen Frau¬
en immer zu Hause, wenn sie
krank sind. 31 Prozent der
Frauen gehen trotz Krankheit
immer zur Arbeit, 32 Prozent
häufig und 34 Prozent manch¬
mal. Lediglich 14,9 Prozent ga¬
ben an, daß sie völlig gesund
sind.
Wesentliche Gründe für
Krankenstände sollten be¬
denklich stimmen: Viele Kran¬
kenstandstage ergeben sich
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schon aus Arbeits- und Ar¬
beitswegunfällen. So ereig¬
neten sich laut Statistik der
Allgemeinen Unfallversiche¬
rungsanstalt (AUVA) 1991
186.000 Arbeitsunfälle (348
davon waren tödlich) und
18.304 Arbeitswegunfälle (136
verliefen tödlich).
Von den 470.000 Kran¬
kenstandsfällen aufgrund von
Unfällen entfielen 47
Prozent auf Arbeits¬
unfälle und vier Pro¬
zent auf Arbeitsweg¬
unfälle. Schmidleith-
ner: »Und das bedeu¬
tet, daß 51 Prozent
der Unfallkranken¬
stände auf die Ar¬
beitswelt zurückzu¬
führen sind.«
Todesfälle
durch
Berufskrank¬
heiten
17 Personen star¬
ben 1991 an den Fol¬
gen einer Berufs¬
krankheit. Fast die
Hälfte der Berufs¬
krankheiten (932 Fäl¬
le) entfiel auf Schwer¬
hörigkeit, die durch Lärm am
Arbeitsplatz verursacht wur¬
de, und ein Drittel (665 Fälle)
waren Hauterkrankungen.
Als Folge von Arbeitsunfäl¬
len und Berufskrankheiten fal¬
len volkswirtschaftliche Kosten
an, wie zum Beispiel Heilbe¬
handlung und Rehabilitation
der Opfer sowie Produktions¬
ausfall. Nach Berechnungen
32 arlxil Wirtschaft 3/93
        

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