Full text: Arbeit & Wirtschaft - 1994 Heft 05 (05)

VOR 20 JAHREN
Anreisemöglichkeit, Infrastruk¬
tur usw. die wichtigen Kriteri¬
en. Der Urlaubsgast der 80er
und 90er Jahre orientiert sich in
seiner Urlaubsentscheidung
immer mehr an seinen persönli¬
chen Neigungen. Damit wer¬
den zusätzliche Angebote und
Gästebetreuung immer wichti¬
ger. Für den Arbeitnehmer liegt
die Qualität in der Möglichkeit,
mit der Familie Zusammensein
zu können und sich von der Be¬
lastung der Arbeit erholen zu
können. Aufgrund der Be¬
schränkung durch das Einkom¬
men wird er nur dann als Gast
im eigenen Land in Frage kom¬
men, wenn der Qualitätsbegriff
aufallen Ebenen Gültigkeit hat.
Für die im Hotel- und Gastge¬
werbe beschäftigten Arbeitneh¬
mer ist die Situation insoferne
/
Löy
schwierig, als sie durch ihre
Branchenkenntnisse sehr kri¬
tisch, durch die zeitliche Ein¬
schränkung ihrer Urlaubsmög¬
lichkeiten jedoch zusätzlich be¬
nachteiligt sind.
Abfertigungskasse
Primäre konkrete Maßnah¬
me aus der Sicht der Bundesar¬
beitskammer im Interesse der
Arbeitnehmer ist mittelfristig
vor allem die Installierung einer
Abfertigungskasse, die einen
Anreiz für einen längeren Ver¬
bleib der einzelnen Beschäftig¬
ten in der Branche bieten kann.
Mit der zu erwartenden Verlän¬
gerung der Beschäftigungsdau¬
er in der Tourismusbranche
kann auch die Ausbildung wei¬
ter verbessert und können vor
allem Erfahrungen an Jüngere
weitergegeben werden. Damit
kann in der Gesamtheit das
Niveau in den einzelnen Berei¬
chen erheblich verbessert wer¬
den. Nur mit erfahrenen Ar¬
beitskräften kann es zu einer
qualitativen Hebung des Ange¬
botsstandards kommen.
Auch der Bundeskanzler
stellte in diesem Zusammen¬
hang fest, daß zur Arbeitsqua¬
lität für die im Tourismus Be¬
schäftigten neben der Art der
Arbeit, der Arbeitsinhalte, der
Ausstattung der Arbeitsplätze
und der zeidichen Verteilung
der Arbeit auch die Lösung je¬
ner Fragen gehöre, die mit der
berufsbedingt hohen Mobilität
zusammenhängen. Die er¬
wünschte Mobilitätsbereit¬
schaft dürfe keine individuellen
Nachteile im sozialen Bereich,
etwa bei der Abfertigung, nach
sich ziehen.
Zusammenfassung und
weitere Aktivitäten
Die aufgeworfenen Fragen
und Probleme sowie die ge¬
machten Vorschläge werden in
einer ausführlichen Dokumen¬
tation der Veranstaltung veröf¬
fentlicht und allen Interessier¬
ten zugänglich gemacht wer¬
den, so daß sie als Basis für wei¬
tere Diskussionen und Lösungs¬
vorschläge dienen können.
Hiebei wird aber auch zu
berücksichtigen sein, daß die
ständige Ausweitung des Tou¬
rismus zu erheblichen Belastun¬
gen für Bevölkerung und Um¬
welt geführt hat. Da in einzel¬
nen Alpenregionen Österreichs
das Tourismuswachstum be¬
reits seine Grenzen erreicht hat,
müssen in verstärktem Maße
Steuerungs- und Lenkungsme¬
chanismen eingesetzt werden,
damit in strukturschwachen
Regionen Wachstum forciert,
in bereits überlasteten Regio¬
nen des alpinen Raums jedoch
Kapazitäten wieder zurückge¬
nommen werden können.
Durch örtliche und überörtli¬
che Raumplanung sowie die
Neuorientierung der Fremden¬
verkehrsförderung sollen neue
Entwicklungsschwerpunkte ge¬
schaffen werden.
Qualitätstourismus ist zu¬
gleich auch umweltfreundlicher
Tourismus, daher sollen in Zu¬
kunft auch Maßnahmen geför¬
dert werden, die eine Redukti¬
on des Autoverkehrs in Touris¬
musregionen bewirken. Geför¬
dert soll weiters auch die um-
arhoirWirtschaft
ARBEITERKAMMERWAHLEN 19»EINE VORSCHAU
Im Maiheft 1974 von »Arbeit &
Wirtschaft« gab der damalige
Direktor der Wiener Arbeiter¬
kammer, Otto Scheer, eine
» Vorschau auf die Arbeiterkam-
merwahlen 1974«:
»Nur bei Nationalratswahlen
und bei Bundespräsidenten¬
wahlen werden mehr Österrei¬
cher zu den Wahlurnen gerufen
als bei Arbeiterkammerwahlen,
aber was die Wahlbeteiligung
betrifft, so liegen diese, sportlich
gesprochen, höchstens im Mit¬
telfeld.«
Mit Fragen der kommerziellen
Werbung setzte sich Edith Zim¬
mermann in einem Beitag unter
dem Titel »Schrankenlose Wer¬
bung?« auseinander, in dem sie
damals feststellte, daß schwin¬
dende Rohstoff- und Energie¬
reserven zusammen mit dem
rapid anwachsenden Problem
der Abfallbeseitigung eines Ta¬
ges auch in der Werbung die
Umstellung vom Denken im
Quantitätsmaßstab zum Qua¬
litätsdenken erzwingen werden.
Eine Voraussage, die inzwi¬
schen schon eingetreten ist,
weltfreundliche An- und Abrei¬
se mit öffentlichen Verkehrs¬
mitteln werden.
Zur Verbesserung der Situa¬
tion der Arbeitnehmer in der
Branche steht die bereits er¬
wähnte Installierung einer Ab¬
fertigungskasse im Vorder¬
grund. Ein diesbezügliches
Konzept liegt bereits vor und
soll in Kürze auf Sozialpartner¬
ebene erörtert werden.
Auch im Bereich derArbeits¬
zeit und der Ausbildung sollen
Verbesserungen erarbeitet wer¬
den. So wäre beispielsweise die
Einführung eines Flächenberu¬
fes mit dem Ersatz der Lehrab-
wenn man die Werbung mit um¬
weltverträglichen Produkten be¬
trachtet.
In dem Beitrag »Die Organisati¬
on der Betriebsvertretung« sah
Karl Dirschmidt von der sozial¬
politischen Abteilung der Wie¬
ner Arbeiterkammer die wesent¬
liche Funktion der neuen Ar¬
beitsverfassung in der Aufgabe,
die natürlichen Gegensätze im
Betrieb in geordneten Bahnen
auszutragen.
Ein Beitrag des damaligen
ÖGB-Bildungsreferenten Josef
Eksl befaßte sich mit einem
Buch von Lorenz Stucki »Lob
der schöpferischen Faulheit«:
»In der kapitalistischen Gesell¬
schaft ist die Arbeit die Ursache
des geistigen Verkommens und
der körperlichen Verunstal¬
tung«, hieß es 1887 in der
Schrift »Das Recht auf Faul¬
heit« von Paul Lafargue, dem
Schwiegersohn von Karl Marx.
»Die Verkürzung der Arbeits¬
zeit, erkämpf durch die Arbeiter¬
bewegung, und eine gewisse
materielle Sicherheit haben erst
der großen Masse der arbeiten¬
den Menschen die Vorausset¬
zung gebracht, daß die Arbeiter
und Angestellten Zeit finden, am
geistigen und kulturellen Leben
der Gesellschaft teilzunehmen.«
In einem Beitrag über Äthiopien
und Haile Selassie, »Der alte
Mann von Addis Abeba«, weist
Otto Fielhauer auf den helden¬
haften Verteidigungskampf der
»Bloßfüßigen« gegen den fa¬
schistischen Aggressor Italien
hin und sagt voraus, daß Äthio¬
pien bald, wie viele andere afri¬
kanischen Staaten, ein Militär¬
regime haben wird.
Schlußprüfung in den Lehrbe¬
rufen Koch und Kellner ein
wichtiger Schritt in Richtung
einer qualitativen Verbesse¬
rung, erhöhten Flexibilität und
Mobilität derArbeitnehmer auf
dem Arbeitsmarkt.
Mit der schrittweisen Reali¬
sierung dieser nur beispielhaft
angeführten Maßnahmen sol¬
len spürbare Verbesserungen
für die Arbeitnehmer verwirk¬
licht werden, die eine wichtige
Voraussetzung für eine ver¬
nünftige Entwicklung in Rich¬
tung Qualitätstourismus dar¬
stellen. GerhardSeidlmann/
BerhardEngleder
5/94 iirbcit »IrlM-luifl 17
        

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