Full text: Arbeit & Wirtschaft - 1994 Heft 05 (05)

Wir müssen
weiter aggressiv
arbeiten
H II
A&W-Gespräch mit dem
niederösterreichischen
AK-Präsidenten
Karl Hundsmüller
Arbeit und Wirtschaft«: Kollege
Hundsmüller, wie steht es um die
wirtschaftliche Situation in Niederöster¬
reich?
Karl Hundsmüller: Obwohl wir in
Niederösterreich eine gute Beschäfti¬
gungslage haben, zum Beispiel in der
Baubranche und auch in anderen Berei¬
chen, gibt es doch nach wie vor Proble¬
me in den alteingesessenen Industriege¬
bieten: im Südbahngebiet, im Bereich
Traisen, in Lilienfeld. Dort wollen wir
mit Umschulungen und Weiterbildun¬
gen unsere Kolleginnen und Kollegen
vor der Arbeitslosigkeit schützen. Wir
haben zurzeit rund 500.000 Beschäftig¬
te in Niederösterreich. Es zeichnet sich
ein leichtes Konjunkturlüfterl ab. Ob
das länger anhalten wird, ist zurzeit noch
nicht vorauszusehen. Durch die EU ha¬
ben wir jetzt Probleme im Bereich der
Zuckerindustrie. Hier wurden ja in
Brüssel 390.000 Tonnen ausverhandelt.
Wir haben drei Zuckerfabriken in
Niederösterreich: in Hohenau, in Leo¬
poldsdorf und in Tulln. Unserer Mei¬
nung nach sollte es da eine Lösung ge¬
ben, so wie es eine Lösung in der Land¬
wirtschaft gibt, wo man die Bauern ent¬
sprechend entschädigt für eventuelle
Einkommensverluste durch den EU-
Beitritt. Wir wollen und müssen auch
unsere Lebensmittelarbeiter schützen.
»Arbeit & Wirtschaft«: Und welche
Veränderungen sind durch den EU-Bei¬
tritt zu erwarten?
Karl Hundsmüller: Wir sind ja ei¬
gentlich mit rund zwei Dritteln unseres
Exports und Imports schon in der Eu¬
ropäischen Union. Unsere Haupthan¬
delspartner sind Deutschland, Italien,
Frankreich, neben der Schweiz, die ja
nicht EU-Land ist. Meiner Meinung
Wir sindja eigentlich mit
rundzwei Dritteln unseres Exports
und Imports schon in
der Europäischen Union. Man
müßte die Frage anders
stellen. Nicht, ob wir dazugeben
wollen, sondern die Frage
mußheißen: Was ist, wenn wir
draußen bleiben? Das würde
uns sehr hart treffen, denn wir
würden in der Randzone des
großenMarktes liegen, mit seinen
rund 400Millionen Menschen.
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