Volltext: Arbeit & Wirtschaft - 1996 Heft 02 (02)

WIRTSCHAFT Konsumkaufkraft stärken, die meisten mittel- und osteuropäischen Länder hät¬ ten die schlimmste Phase der Systemkri¬ se überwunden und befänden sich auf Wachstumskurs. Die Effekte der Wechselkursverände¬ rungen innerhalb Europas und zwischen Europa und dem Dollar würden abklin¬ gen, neue Turbulenzen vor uns seien je¬ denfalls nicht prognostizierbar. Die In¬ flation bleibe niedrig, im EU-Durch¬ schnitt sogar noch rückläufig, die Geld¬ politik könne weiterhin niedrige Zinsen anbieten. Der Lagerabbau sei zu Ende. Die meisten westeuropäischen Länder Durchschnitt, Italien ein wenig darun¬ ter. Fragezeichen Es tut mir sehr leid, daß ich angesichts dieses Szenarios einige Fragezeichen an¬ bringen muß. Fragen sowohl für das in¬ ternationale Konjunkturbild, bohrende Fragen über spezifisch österreichische Risken, Fragen, die wir uns stellen, die gerade unsere eigenen Prognosen revi¬ dieren müssen. Ich kann Ihnen revidier¬ te Prognosewerte noch nicht mitteilen, weil wir sie jetzt (Anm. der Redaktion, s. Kasten auf S. 22) noch nicht haben. iL ?: ? ' ' ; ; ' ?, V"' kl Die relative Unversehrtheit unserer Natur und der Alpen sollte weit konsequenter als Argu¬ ment zugunsten der bedrängten Nahrungsmittelerzeugung eingesetzt werden würden in einer solchen wirtschaftli¬ chen Umgebung ihre Budgetungleich¬ gewichte erfolgreich reduzieren, so daß eine Mehrheit der EU-Mitglieder 1999 die Währungsunion errichten könnte. Dabei werde auch die Arbeitslosigkeit in Europa in zwei Jahren um rund 1 Milli¬ on auf20 sinken und die Arbeitslosenra¬ te von 10,8 auf 10,3. Europäische Wachstumsraten von 2,75 Prozent 1996 und 1997 sind ange¬ sagt, für Deutschland und Frankreich eine Spur mehr, Großbritannien im Ich schließe nicht aus, daß alles so schön und spannungsfrei kommt, wie es anhand der offiziellen und offiziösen Mitteilungen kommen soll. Offizielle Prognosen können derzeit gar nicht an¬ ders als wie oben argumentieren. Vor al¬ lem wäre es nicht wünschenswert, den Druck auf Budgetreformen konjunktu¬ rell zu relativieren und außerdem noch zu bezweifeln, daß sie nicht durchwegs wohltuende Effekte haben müssen. Da¬ mit würde das Projekt Währungsunion in Gefahr gebracht, und Gefahr für die Währungsunion ist Gefahr für die EU. Wir sind im wesentlichen mit den folgenden Zweifeln konfrontiert: Die Auftragsentwicklung der Indu¬ strie hat in den meisten europäischen Ländern, vor allem in Deutschland, aber gleichermaßen auch in Österreich seit dem Frühjahr sehr deutlich nachgelas¬ sen. Das Tempo der Abschwächung ist gleich rasch wie 1991/92. Gegenwärtig schätzt die österreichische Industrie ihre Auftragslage nicht mehr besser ein als Ende 1993. Das ist, wie gesagt, keine österreichische, sondern eine westeu¬ ropäische Beobachtung. Ob die die Konjunktur begünstigen¬ den Faktoren (deutsche Steuersenkung, osteuropäischer Aufschwung, keine Wechselkursveränderungen mehr, Op¬ timismus und befreiende Effekte der Budgetkonsolidierung) diese Talfahrt schon in Kürze beenden und einen Wiederaufschwung nach der »Delle« einleiten können, ist die Frage. Die deutsche Steuersenkung bringt den Haushalten 22 Milliarden DM, wenig mehr als ein halbes Prozent des BIP, aber 5 Milliarden DM kosten er¬ höhte Sozialbeiträge, und weitere Bud¬ getkonsolidierung ist angesagt. Alles in allem wiegt dieser expansive Effekt ma¬ ximal 0,1 Prozent des westeuropäischen BIP. Was ein osteuropäischer Aufschwung noch wert wäre, wenn der westeuropäi¬ sche lahmen würde, brauche ich gar nicht als Frage formulieren. Der größte Teil der dortigen Dynamik muß von Ex¬ porten nach Westeuropa kommen. Daß bereits die Osteuropäer der EU eine Re¬ zession ersparen könnten, ist eine zu ge¬ wagte Hypothese. Die Aufwertungseffekte klangen in den letzten Monaten allmählich ab, aber sie sind erstens nicht verschwunden, sie wirken im Gegenteil noch nach, und ob im Zusammenhang mit höchstwahr¬ scheinlichen Debatten über die Bedin¬ gungen des Eintritts in die Währungs¬ union nicht neue Spekulation auftritt, kann man gleichfalls fragen. Vor allem stellt sich dem Ökonomen jedoch die Frage, ob die gleichzeitigen und gleichgerichteten Budgetkonsoli¬ dierungsbemühungen praktisch in allen westeuropäischen Ländern, um den Maastricht-Kriterien zu genügen, er¬ stens keine kurzfristig kontraktiven Ef¬ fekte haben und zweitens erfolgreich sein können. 2/96 nrbrituirtsdiaft 23

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