Full text: Arbeit & Wirtschaft - 1996 Heft 02 (02)

AUS ARBEITERKAMMERN UND GEWERKSCHAFTEN
Erhoben wurden die Preise
von 149 privaten Mietwoh¬
nungen in der Größenord¬
nung von 40 Quadratmetern,
von 40 bis 70 Quadratmetern
und von über 70 Quadratme¬
tern. Es zeigte sich dabei, daß
die kleinsten Wohnungen be¬
züglich der Kosten die ver¬
gleichsweise größten sind. Sie
belasten den Haushalt im
Schnitt mit 5476 Schilling
pro Monat. Für eine 70-Qua-
dratmeter-Wohnung muß
der Mieter im Schnitt 7237
Schilling hinblättern und für
eine 100-Quadratmeter-Woh¬
nung 9736 Schilling.
Weiters ergab die AK-Un-
tersuchung, daß auch die ge¬
förderten Mietwohungen im¬
mer teurer werden. Sie liegen
zwar preislich unter den priva¬
ten, doch hat seit 1992 eine
deutliche Steigerung stattge¬
funden. Auch die Grund- und
Baukostenbeiträge steigen lau¬
fend. Derzeit betragen sie im
Schnitt 926 Schilling Grund¬
kostenbeitrag beziehungsweise
794 Schilling Baukostenbei¬
trag pro Quadratmeter. Diese
Zahlen zeigen unmißver¬
ständlich, daß es von Tag zu
Tag schwieriger wird, zu ei¬
nem vernünftigen Preis eine
vernünftige Wohung zu fin¬
den. Die AK Kärnten fordert
Pfarrer aus Industriege¬
meinden, Gewerkschafter und
Vertreter der Arbeiterkammer
setzen sich seit nunmehr über
20 Jahren in der Steiermark
immer wieder zusammen, um
aktuelle Fr agen zu diskutie¬
ren. Erstmals nahmen auf
Einladung des ÖGB auch
evangelische Seelsorger an
VOR 20 JAHREN
daher eine rasche Senkung der
Mieten sowie eine Streichung
der Grund- und Baukosten¬
beiträge im geförderten
Wohnbau. - Und das, bevor
auch noch die Zahl der Ob¬
dachlosen und Delogierten in
die Höhe schnellt.
diesem Gedankenaustausch
teil. Da sowohl Gewerkschaf¬
ten als auch Kirchen im Um¬
gang mit Jugendlichen gefor¬
dert, aber bei der Suche nach
passenden Formen der Begeg¬
nung oftmals ratlos sind, wur¬
den die Diskussionsbeiträge
mit Interesse gehört. Der
Sozialwissenschafter Georg
AKKärnten:
Mieten müssen sinken
Das eigene Dach über dem Kopf wird allmählich zu einem
unerschwinglichen Luxusgut. Die Arbeiterkammer Kärnten
stellte fest, daß bereits vierzig Prozent des Einkommens
für Miete ausgegeben werden müssen. Und das sind Zustände,
die nicht länger haltbar sind.
Was will die Jugend?
Warum sich Großorganisationen wie Gewerkschaften und
Kirchen mit der Jugend so schwer tun, war Thema eines Dialogs
zwischen der katholischen Kirche und dem ÖGB in Hartberg.
i
Im Titelblattartikel des
Feberheftes 1976 - »Zer¬
zauste Prophetenbärte« -
zeigt Günther Chaloupek,
wie sehr sich Wirtschaftsex¬
perten in ihren Voraussagen
irren können:
»Die Jahre 1974/75
brachten für die westlichen
Industriestaaten die schwer¬
ste Rezession der Nach¬
kriegszeit. Daß ein konjunk¬
tureller Rückgang bevor¬
stand, der empfindlicher als
gewohnt ausfallen würde,
war wohl vorhergesehen
worden. Trotzdem waren die
Prognosen für das Jahr 1975
so falsch wie nie zuvor. Aus
dem im Herbst 1974 für
Österreich prognostizierten
BNP-Wachstum von plus 4
Prozent wurden minus 2,5
Prozent...«
Im Beitrag »Das neue
Ausländerbeschäftigungs¬
gesetz« sagt Franz Dani-
mann, daß die Zahl der in
Österreich beschäftigten
ausländischen Arbeitnehmer
von 64.000 im Jahr 1969 auf
250.000 im Jahr 1973 ange¬
stiegen ist. Bei einem Aus¬
länderanteil von etwa 10
Prozent begännen aber,
ökonomisch betrachtet, die
Nachteile der Ausländerbe¬
schäftigung die Vorteile zu
überwiegen. Dazu die Re¬
daktion:
»Seinerzeit, als Arbeits¬
kräftemangel herrschte, wur¬
den die Gewerkschaftsver¬
treter als hinterwäldlerisch,
ja reaktionärbeschimpft, weil
sie nicht immer allen Unter¬
nehmerwünschen nach wei¬
teren Gastarbeiterimporten
zustimmten. Hätten sie be¬
dingungslos und uneinge¬
schränkt nachgegeben,
wäre die Lage noch weitaus
unangenehmer.«
»Betriebsrat und Arbeit¬
nehmer« heißt ein Artikel
von Walter Landstetter, der
darin unter anderem
meint:
»Die Erfolge der Arbeiter¬
bewegung sind nur durch
eine fortschrittliche, aufge¬
schlossene Politik erzielt
worden. Die Begleiterschei¬
nungen der >Wohlstandsge¬
sellschaft< haben zu einem
weitverbreiteten Desinteres¬
se breiter Bevölkerungs¬
schichten geführt. Die Ein¬
buße an Arbeitsbefriedigung
durch Arbeitsteilung, die
Massengesellschaft mit ihrer
Kontakt- und Beziehungslo-
sigkeit, der unbewältigte
Wissensfortschritt mit der re¬
lativen Abnahme des indivi¬
duellen Wissens führen zu
einer allgemeinen Vertrau¬
enskrise. Dadurch ist der
Geist der Solidarität zurück¬
gedrängt worden. Ihn gilt es
wieder zu stärken.«
»Sind die Vereinten Na¬
tionen am Ende?« fragt
ein Beitrag zum dreißig¬
jährigen Bestehen der UNO.
Rudolf Radstätter weist da¬
bei auf manche Kritik an der
Arbeit der UNO hin, meint
aber:
»Die Vielzahl und Unüber¬
sichtlichkeit, die Gefährlich¬
keit und Brisanz der Konflikt¬
stoffe, mit denen unsere
Welt belastet ist, wären aber
kaum leichter zu fassen,
gäbe es die Vereinten Natio¬
nen nicht, im Gegenteil, das
Wort des tschechischen Na¬
tionalisten Palacky über das
alte Österreich kann mit nur
geringen Abwandlungen
auch aufdie Vereinten Natio¬
nen Anwendung finden.
Gäbe es sie nicht, jemand
müßte sie erfinden.«
8 nrhritwirtwhall 2/96
        

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