Full text: Arbeit & Wirtschaft - 1999 Heft 09 (09)

Ich bin sicher, dass es da oder dort zu Recht auch kritische Stimmen gibt, wa¬ rum hat man das nicht durchgebracht, aber man soll nicht vergessen, dass das ein Prozess ist, der eigentlich Jahrzehnte zurückgeht. Es war und ist der stetige Kampf der Gewerkschaftsbewegung, dass man soziale Rechte, die grund¬ legender Natur sind, wie zum Beispiel Urlaub, die Abfertigung, Kranken¬ standsangelegenheiten, nicht auf ir¬ gendeine berufliche Tätigkeit oder auf ein Geschlecht reduziert, sondern sie al¬ len Arbeitnehmerinnen und Arbeitneh¬ mern als unselbstständig Erwerbstätige zugänglich macht. Das ist uns beim Ur¬ laubsrecht gelungen, das ist uns beim Abfertigungsrecht gelungen, und das ist jetzt die konsequente Fortführung. Und gerade wir geben uns da nicht geschla¬ gen, weil ich glaube, dass es wert ist, die¬ sen Kampf weiterzuführen. Man kann einen Kampf verlieren, man kann in ei¬ ner Kampfesetappe stecken, aber es wäre schlecht, den Kampf aufzugeben. Darum ist ja die Gewerkschaftsbewe¬ gung in den letzten Monaten und auch jetzt gerade besonders aktuell: Trotz Wahlkampf, trotz Veränderungen, wie sie es im Nationalrat vielleicht gibt, wer¬ den wir von diesem Thema nicht ab¬ rücken. Wir wollen bei der Aktion Fair- ness auch weiterhin für eine Umsetzung kämpfen, weil es letztendlich unsere Überzeugung ist, dass Argumente, die vernünftig sind, denen man auch nichts entgegensetzen kann, es wert sind, dafür einzutreten. Ein anderer Punkt, der immer wieder kommt, ist Karenzgeldfür alle... Wir fordern beim Karenzgeld die Rücknahme des Sparpakets. Priorität ist für uns die Anpassung an den alten Zu¬ stand - wir wollen wieder zwei Jahre be¬ zahlte Karenz, weil sich diese einge¬ bürgert hat. Genauso wichtig ist die Wertanpassung (sprich: Erhöhung) des Karenzgeldes. Perspektivisch soll das Karenzgeld an das Einkommen gekop¬ pelt werden, um ein Signal zu setzen, dass Kinder nicht nur Frauenangelegen¬ heiten sind, sondern der ganzen Familie. Weil Männer in der Regel mehr verdie¬ nen als Frauen, erwarten wir so einen Anreiz für Väterkarenz. Betriebsbesuch des ÖGB-Präsidenten bei der Firma Porsche in Salzburg (oben) Demonstration vor der Wirtschaftskammer in Wien (links) Thema Nr. 1 Nächster Punkt wäre Beschäftigung, Arbeitsmarkt... Es ist ja meiner Meinung nach einer der größten Erfolge der Gewerkschafts¬ bewegung in Osterreich - aber nicht nur in Osterreich, auch in Europa -, wenn man so die letzten zehn Jahre zurück¬ blickt, was denn in Wirklichkeit Schlag¬ zeilen machte? Männer oder Frauen des Jahres, die kapitalintensive Unterneh¬ mungen führten, die irrsinnige Gewin¬ ne abgeworfen haben. Das politische Thema Nr. 1 lautete Geldwertstabilität, Geldwert und Geldmarktpolitik. Und es ist eigentlich das stetige Drängen der Gewerkschaftsbewegung gewesen, dass sie heute angefangen von Maastricht über Amsterdam, über Köln, über Wien, bis zur finnischen Präsidentschaft das Thema Beschäftigung soweit zum Thema Nr. 1 gemacht haben, dass es na¬ tionale Aktionspläne für Beschäftigung gibt, dass es überprüfbare Kriterien ge¬ ben soll für die Beschäftigungsprogram¬ me. Und für mich das entscheidendste das 2. Beispiel in Österreich: dass so¬ wohl was die Jugend- als auch die Ge- samtbeschäftigung anlangt, ein positiver Trend feststellbar ist. Das ist der Erfolg des stetigen Drängens auf Beschäfti¬ gung. Aber es wäre geradezu fatal, würde man sich auf diesem Erfolg ausruhen, würde man sagen: Damit ist die Sache gelaufen. Die Richtung stimmt, die Er¬ folge sind bemerkenswert. Aber wir dür¬ fen nicht vergessen, dass wir noch im¬ merjugendliche haben, die sich um eine Lehrstelle bemühen. Deswegen brau¬ chen wir ein Auffangnetz. Dass wir im¬ mer ältere Arbeitnehmer haben, die we¬ gen ihres Alters gekündigt werden - des¬ wegen brauchen wir Altersteilzeit, des¬ wegen brauchen wir Bildungskarenz. Was wir brauchen, ist eine Trendwende in der Einstellung, Arbeitskräfte. Men¬ schen, die Arbeit haben wollen, müssen Arbeit bekommen. Und daher ist das Thema Vollbeschäftigung für uns noch nicht erledigt, sondern ein weiterhin an¬ zustrebendes Ziel. Wir sind am richti¬ gen Weg. Wir sollen uns über die Erfol¬ ge freuen, aber wir sollten nicht die Hände in den Schoß legen. Keine Mauern Was die Beschäftigung betrifft, haben die Leute immer wieder Angst vor der Osterweiterung... Ich glaube, es sind drei Dinge, was die 9/99 iirbeh wtrtsdnift 5

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