Full text: Arbeit & Wirtschaft - 1999 Heft 10 (10)

Rahmen staatlicher Aufgaben breiten
Raum lässt und bekennt sich zum
erfolgreichen System der gesetzlichen
Interessenvertretung und zur staatlichen
Sozialversicherung mit dem Prinzip der
Selbstverwaltung.
Der ÖGB bekennt sich zum Sys¬
tem einer sozialen Marktwirtschaft, in
der der Staat als politisch regulie¬
rende Kraft auftritt; zu einer Markt¬
wirtschaft, in der starke Gewerkschaf¬
ten als ausgleichender Faktor kompe¬
tenten, gemeinwohlorientierten Arbeit¬
geberorganisationen gegenübertreten
wollen.
Strategien und Maßnahmen
Interessenvertretung im Betrieb
und gegenüber Dienstgeber(organisa- 0
tionen)
Die veränderten Rahmenbedingun¬
gen fuhren dazu, dass traditionelle Inte¬
ressenvertretungsmethoden und auch
der Streik als Kampfmittel in manchen
Fällen an Wirksamkeit verlieren kön¬
nen. Neue, zusätzliche Formen der In¬
teressendurchsetzung, wie Kampagnen,
Aktionismus, Konsumentenstreiks oder
Lobbying, bekommen grundlegende
Bedeutung. Gründliche Umfeldanaly¬
sen (Eigentümerlage, Abnehmer der
Produkte, Firmenimage, Entwicklungs¬
ziele ...) führen zu neuen Aktionsmög¬
lichkeiten.
Dabei sind auch neue Formen der In¬
formationsbeschaffung und -Verteilung
von grundlegender Bedeutung (z. B. In¬
ternet als Datenquelle, E-Mail als Kom¬
munikationsnetzwerk zwischen Akteu¬
ren der Gewerkschaftsbewegung, Fax
auf Abruf, SMS-Nachrichten, lokales
Radio ...). Die Gewerkschaftsbewegung 1
hat entsprechende Infrastrukturen für I
diese neuen Kommunikationsmöglich- f
keiten zu fördern bzw. selbst welche zu
schaffen.
Besondere Bedeutung für die Inte¬
ressendurchsetzung gegenüber den
Dienstgebern und ihren Organisationen
kommt der Frage des Imagebildes
von Firmen und Konzernen zu. Durch
Werbung und Marketing von Firmen
dargestelltes Image ist für die Durch¬
setzung von Interessen zu nutzen, in
dem der Wahrheitsgehalt der Aus¬
sagen öffentlich geprüft und dargestellt
wird.
Die Arbeitswelt wird immer rauer
und härter. Zitat: »Das heißt, auch
der ÖGB und
seine Gewerk¬
schaften müssen
bei vielen Akti¬
vitäten schärfer
und härter agie¬
ren. Bei groben
Verletzungen im
Arbeitsrecht müs¬
sen die Gewerk¬
schaften und der
ÖGB dies ver¬
stärkt aufzei¬
gen. Es sollen
die Firmen und
die Verantwortli¬
chen bewusst in
der Öffentlich¬
keit benannt wer¬
den. «
Interessenvertretung gegenüber
und in Institutionen
Die effiziente Vertretung von Arbeit¬
nehmerinteressen gegenüber und in In¬
stitutionen ist und bleibt eine der
Hauptaufgaben der Arbeitnehmerver¬
tretung.
Besondere Aufmerksamkeit widmet
der ÖGB daher der Mitwirkung seiner
Fraktionen und damit der Wahrneh¬
mung und Sicherstellung der Interessen
der Arbeitnehmerinnen und Arbeitneh¬
mer im Rahmen der Bundesarbeitskam¬
mer sowie der Arbeiterkammern der
Länder. Arbeitnehmerinteressen sind
unverzichtbar. Besonders hinsichtlich
der Nominierungsrechte in die Selbst¬
verwaltungskörper der Sozialversiche¬
rung, des Arbeitsmarktservice und der
Laienrichter in die Sozialgerichte ist die
aktive Mitwirkung in der Arbeiterkam¬
mer und die Kooperation mit der Arbei¬
terkammer von zentraler Bedeutung.
Der ÖGB unterstützt daher die Bestre¬
bungen seiner Fraktionen, bei AK-
Wahlen Vertreter in der AK-Vollver¬
sammlung sowie in den weiteren Gremi¬
en der Arbeiterkammern als Verantwor¬
tungsträger zu verankern.
Interessenvertretung gegenüber
und in der Gesetzgebung
Der ÖGB bekennt sich zur aktiven
Teilnahme am politischen Prozess mit
dem Ziel, die Interessen der Arbeitneh¬
mer wirksam zu vertreten. Er sucht zu
diesem Zweck Kooperationen mit Ver¬
tretern jener Organisationen, die für die
erfolgreiche Durchsetzung ihrer Politik
vorteilhaft oder unerlässlich sind. Ko¬
operationsbemühungen gibt es daher
mit den Arbeiterkammern und den de¬
mokratischen Parteien. Soziale Bewe¬
gungen, Initiativen, Organisationen
können darüber hinaus punktuell neue
Bündnispartner sein, wenn es darum
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»Arbeit ist Quelle der sozialen Sicherheit, des Wohlstandes und Motor allen Fortschritts...«
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