Full text: Arbeit & Wirtschaft - 2003 Heft 01 (01)

WIRTSCHAFT
ten Betriebsleistung (im Wesentli¬
chen der Umsatz) deutlich eingespart
wurde. Der ordentliche Personalauf¬
wand (ohne Aufwendungen für Ab¬
fertigungen und Pensionen) ging im
Verhältnis zur Betriebsleistung in der
Industrie jährlich zurück und erreicht
im Gesamtzeitraum das Ausmaß von
-2,3 Prozentpunkten. Der Anteil
sank von 19,9 Prozent (1997) aufden
Wert von 17,6 Prozent (2001). Dieser
Rückgang war in neun von zehn
Sparten zu verzeichnen. In manchen
Industriesparten wurde ein Rück¬
gang von 4 bis 5,5 Prozentpunkten
erreicht (siehe Graphik 1: »Or¬
dentlicher Personalaufwand in der
Industrie«)!
Trotz Beschäftigtenzuwachs geht
der ordentliche Personalaufwand im
Verhältnis zur Betriebsleistung auch
bei den Handelsunternehmen zurück
(-1,3 Prozentpunkte). Der Anteil
sinkt von 11,4 Prozent (1997) auf
den Wert von 10,1 Prozent (2001).
Knapp 58 Prozent der Handelsunter¬
nehmen war dafür verantwortlich.
Grundsätzlich muss erwähnt wer¬
den, dass im Personalaufwand auch
Gehälter der Vorstands- und Ge¬
schäftsführungsmitglieder enthalten
sind. Allfallige Zusatzeinkommen
der Vorstands- und Geschäfts¬
führungsmitglieder (»Stock Opti-
ons«), die in jüngster Zeit gestiegen
sein dürften, wurden nicht herausge¬
rechnet.
Überproportionaler Zuwachs
der Produktivität
Ein Maßstab für das Ausmaß der
Lohn- bzw. Gehaltsentwicklung ist
die Produktivität. Als Produktivität
wird die betriebliche Wertschöpfung
pro Beschäftigten herangezogen.
Vergleicht man die Entwicklung der
Produktivität mit jener des ordentli¬
chen Personalaufwands pro Beschäf¬
tigten, dann zeigt sich, dass der Per¬
sonalaufwand deutlich hinter der
Produktivitätsentwicklung zurück¬
bleibt.
In der Industrie wächst die Pro¬
duktivität in den fünf Jahren um 21,2
Prozent, während der Zuwachs des
Personalaufwands pro Beschäftigten
wesentlich schwächer angehoben
werden konnte (+12,3 Prozent). Die¬
se Entwicklung war in neun von zehn
Industriesparten zu beobachten. Be¬
stätigt wird diese Entwicklung durch
die Berechnungen des Wirtschafts¬
forschungsinstitutes auf dem Gebiet
der Entwicklung der Lohnstückkos¬
ten in der Sachgütererzeugung. Laut
WIFO sinken die Lohnstückkosten
in der Sachgütererzeugung im Zeit¬
raum 1995 bis 2001 im Durchschnitt
um 1,9 Prozent bzw. um 2,6 Prozent
auf Euro-Basis.3) Relativ stärkeren
Produktivitätszuwachsraten steht ein
verhältnismäßig schwächerer Zu¬
wachs bei den Lohnkosten gegenü¬
ber. Anderen Berechnungen zufolge
sinken die Lohnstückkosten sogar in
der Gesamtwirtschaft von 1997 bis
2000.4)
In acht von zehn Industriesparten
steigt die Produktivität im Analyse¬
zeitraum relativ stärker als der Perso¬
nalaufwand pro Beschäftigten (siehe
Graphik 2: »Personalaufwand und
Produktivität in der Industrie«),
Bei den analysierten Handelsun¬
ternehmen stieg die Produktivität in
diesen fünf Jahren (+20,1 Prozent)
ebenfalls relativ stärker als der Per¬
sonalaufwand pro Beschäftigten
(+11,5 Prozent).
Umverteilung vom Arbeits-
zum Kapitaleinkommen
Dieses überdurchschnittliche
Wachstum der Produktivität führte in
der Industrie im Beobachtungszeit¬
raum zu einer deutlichen anteils¬
mäßigen Umverteilung der Wert¬
schöpfung vom Arbeitseinkommen
im Ausmaß von -2,8 Prozentpunk¬
ten zum Unternehmenseinkommen
im Ausmaß von +3,1 Prozentpunk¬
ten. Bei sieben von zehn Industrie¬
sparten errechnet sich im Fünfjah¬
reszeitraum eine - zum Teil deutliche
- Umverteilung vom Arbeits- zum
Unternehmenseinkommen.
Im Handel sinkt der Anteil des Ar¬
beitseinkommens an der betriebli¬
chen Wertschöpfung in den fünf Jah-
3) WIFO-Monatsberichte, 9/2002, S. 577
") EUROSTAT, OECD. In: OeNB: Statistische Monats¬
hefte 2002
ren im Ausmaß von -4,3 Prozent¬
punkten, während der Anteil des Un¬
ternehmenseinkommens im gleichen
Zeitraum um +5,9 Prozentpunkte
wächst.
Höhere
Gewinnausschüttungen
Ein Teil der Unternehmungen hat
diese Umverteilung zu Gunsten des
Unternehmenseinkommens zum
Anlass genommen, einen jährlich
wachsenden Prozentsatz der Be¬
triebsleistung an die Eigentümer und
Eigentümerinnen auszuschütten. In
der Industrie haben sich die Gewinn¬
ausschüttungen im Verhältnis zur
Betriebsleistung im Fünljahreszeit-
raum mehr als verdoppelt (von 2,5
Prozent im Jahr 1997 auf den Wert
von 5,2 Prozent im Jahr 2001). Die
Ausschüttungsquote nahm jährlich
zu. Von den zehn Industriesparten
steigt die Ausschüttungsquote bei
acht Sparten an. Die Gewinnaus¬
schüttungen sind in absoluten Beträ¬
gen von 1,4 Milliarden Euro im Jahr
1997 bis zum Jahr 2000 auf 2,8 Mil¬
liarden Euro angestiegen (siehe
Graphik 3: »Gewinnausschüttun¬
gen der Industrie«),
Im Handel geht die Ausschüt¬
tungsquote im Fünfjahreszeitraum
nur unwesentlich (-0,2 Prozentpunk¬
te) zurück (von 1,5 Prozent im Jahr
1997 auf den Wert von 1,3 Prozent
im Jahr 2001).
Zuwachs der Profite
Die Gewinnsituation stellt sich für
beide Branchen als sehr gut dar. Der
Jahresüberschuss im Verhältnis zur
Betriebsleistung nimmt in der Indus¬
trie im Fünfjahreszeitraum um 1,6
Prozentpunkte von 3,1 Prozent
(1997) auf den Wert von 4,7 Prozent
(2001) zu. Mit einer Ausnahme
(2001) wurden jährlich Steigerungen
des Jahresüberschusses erwirtschaf¬
tet. Das absolute Niveau des Jahres¬
überschusses wächst im Zeitraum
1997 bis 2000 um 141,6 Prozent
nominell. Acht von zehn Industrie¬
sparten konnten den Jahresüber¬
schuss im Verhältnis zur Betriebslei¬
stung im Fünfjahreszeitraum jeweils
erhöhen.
10 urbch ivirtsctiaft 1/2003
        

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