Full text: VO des Sozialministeriums, mit der für das Jahr 2020 Mangelberufe für die Beschäftigung von ausländischen Fachkräften festgelegt werden (Fachkräfteverordnung 2020) und VO für die Zulassung von Besonders Hochqualifizierten für das Jahr 2020

Seite 2 Lohnentwicklung, Ausbildungstätigkeit der Unternehmen und die Qualität der Arbeitsplätze müssen eine Rolle spielen. Aktuell gibt es etwa in Österreich etwa 200 Lehrberufe, von denen nach dem vorliegenden Entwurf 54 als Mangelberuf definiert werden. Zur Verdeutlichung: Bereits jeder 4. Lehrberuf gilt als Mangelberuf und soll mit Arbeitskräften aus Drittstaaten gedeckt werden. Obwohl unsere Kritik ungehört bleibt, verweisen wir zusammengefasst auf unsere bereits gemachten Vorbehalte: Der Fachkräftebedarf kann und muss zunächst aus dem Arbeitskräftepotential im Inland gedeckt werden. Der Fokus muss in der Ausbildung und Qualifikation von (jungen) Menschen in Österreich liegen. Rund 300.000 Personen sind nach wie vor arbeitslos (Stand November 2019). Dass sich aus dieser großen Personengruppe keine Arbeitskraft finden lässt, die bspw im Handel oder im Tourismus beschäftigt werden kann, ist aus unserer Sicht nur sehr schwer nachzuvollziehen. Darüber hinaus weisen wir darauf hin, dass sich viele junge AsylwerberInnen in Berufsausbildungen – so zB im Gastgewerbe und anderen offensichtlichen Mangelberufen – befinden und sie trotzdem das Land bei negativem Ausgang ihrer Asylverfahren verlassen müssen. Dadurch wird nicht nur den Ausbildungsbetrieben wirtschaftlicher Schaden zugefügt, sondern diese jungen Menschen laufen in vielen Fällen auch noch kurz vor Abschluss ihrer Ausbildung Gefahr, abgeschoben zu werden. Abgesehen von der menschlichen Tragik werden die bisherigen Bemühungen um diese jungen Menschen entwertet, weil sie dann auch keinen formalen Abschluss erreichen können. Paradox ist, dass auf der anderen Seite ArbeitnehmerInnen aus Drittstaaten angeworben werden sollen. Bei Bestehen eines so eklatanten Mangels an Fachkräften müssten die Bemühungen dahingehend verstärkt werden, dass diese jungen Menschen nach Ende ihrer Lehre zumindest eine Berufspraxis in Österreich erwerben könnten. Zum Beruf „Nicht diplomierte KrankenpflegerInnen und verwandte Berufe“ empfiehlt die BAK aus Gründen der Rechtsklarheit folgende Formulierung: „Pflegeassistenzberufe und Sozialbetreuungsberufe“. Zur Regionalisierung der Mangelberufe In Tirol bspw wurden im ersten Halbjahr 2019 lediglich sieben Bewilligungen über die regionale Liste erteilt. Angesichts der sehr verhaltenen Inanspruchnahme der regionalisierten Mangelberufe zeigt sich, dass dies kein adäquates Mittel ist, einen möglichen Fachkräftebedarf zu decken. Die Regionalisierung der Mangelberufsliste wird weiterhin abgelehnt.

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