Full text: Vorschlag der Europäischen Kommission für eine Richtlinie über die Nachhaltigkeitsberichterstattung von Unternehmen (Corporate Sustainability Reporting Directive, CSRD)

Seite 2 Mit dem nunmehr vorliegenden Richtlinienentwurf werden die Weichen für die Zukunft der europäischen Nachhaltigkeitsberichterstattung neu gestellt, dafür ist es höchst an der Zeit. Spätestens seit dem Green New Deal (2019), aber auch schon im Zuge des Aktionsplans Sustainable Finance (2018) hat sich die EU-Kommission auf die Fahnen geheftet, mittels Ge- setzgebung die Umlenkung von Finanzierungsmitteln in nachhaltige Investitionen voranzutrei- ben. Die dafür notwendigen Unternehmensinformationen stehen bislang jedoch nicht in der erforderlichen Qualität zur Verfügung, wie immer wieder von Seiten der BAK kritisiert wurde. Vor diesem Hintergrund ist die grundlegende Stoßrichtung des Vorschlags für eine neue, eu- ropäische Nachhaltigkeitsberichterstattung wie auch der ambitionierte Zeitplan dafür zu be- grüßen: Bereits für Geschäftsjahre, die ab dem 1. Jänner 2023 beginnen, sollen die neuen Berichtspflichten zur Anwendung kommen. Der Kommissionsvorschlag stellt primär konkretere Berichtsvorgaben in Aussicht: Die neue Berichterstattung sieht erweiterte Anforderungen in Bezug auf Inhalt (z.B. Ziele und Strategi- en), Format (z.B. retrospektive und prospektive Informationen) und Sachverhalt (z.B. Abde- ckung der gesamten Wertschöpfungskette, neue Governance-Belange) vor. Zudem werden legistische Lücken geschlossen: Durch den erweiterten Kreis der berichtspflichtigen Unter- nehmen, zum erhöhten Informationsbedarf im Finanzsektor (Sustainable Finance Disclosure Regulation, EU Verordnung Nr. 2019/2088) sowie durch neue Angabepflichten zur Taxono- mie-Verordnung (EU Verordnung Nr. 2020/852), die erstmalig anzuwenden sind. Dabei geht es nicht um das Reporting als Selbstzweck, vielmehr braucht es die neuen, verbindlichen Re- geln, um den Boden für nachhaltiges und gerechtes Wirtschaften aufzubereiten. Bei der Etablierung einheitlicher, europäischer Berichtsstandards ist darauf zu achten, dass neben der – aufgrund der drängenden Frage des Klimawandels prioritär behandelten – Um- welt- und klimabezogenen Berichterstattung, soziale und Governance-Aspekte gleichberech- tigt berücksichtigt werden und nicht in den Hintergrund geraten. Das Ziel muss eine vollstän- dige und geprüfte „Umwelt- und Sozialbilanz“ sein, die auf Augenhöhe mit der Finanzbericht- erstattung steht. Um dies zu gewährleisten, hat das zuständige Gremium (European Financial Reporting Advisory Group, EFRAG), das die künftigen Berichtsstandards etablieren soll, dar- auf zu achten, dass die sozialen Indikatoren zu den ArbeitnehmerInnenbelangen aus dem Rahmenwerk der Global Reporting Initiative (GRI) in ihrer „umfassenden“ Form integriert wer- den. Ökologische, soziale und Governance-Kennzahlen sind jedenfalls so zu definieren, dass auf deren Grundlage strategische Unternehmensziele fußen können, die sich wiederum als Kriterien der variablen Vergütung für Vorstände und Geschäftsführungen widerspiegeln. Aus Sicht der BAK müssen Stakeholder-Organisationen (Gewerkschaften, NGOs) im Rahmen der Erarbeitung dieser künftigen Berichtsstandards eingebunden werden: Gefordert wird daher ein Entsendungsrecht für VertreterInnen von Gewerkschaften und NGOs in das zuständige Gremium (EFRAG). Die Beteiligung der Stakeholder-Organisationen darf nicht von finanziel- len Beiträgen an EFRAG abhängig gemacht werden. Entscheidend ist darüber hinaus, dass Vorstand und Aufsichtsrat verstärkt in die Pflicht ge- nommen werden, sich mit der Nachhaltigkeitsleistung ihrer Unternehmen auseinanderzuset- zen. Dies ist aus Sicht der BAK von hoher Relevanz, um Missstände der bisherigen Praxis zu beheben sowie die Umsetzung von Nachhaltigkeitszielen im Rahmen der Unternehmens-

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.