Full text: Budgetvorschau 1974-1978 (26)

Man kommt daher zu dem Ergebnis, daß das Wachstum der öster-
reichischen Märkte bei leicht steigendem Marktanteil, jedoch gerin-
gerer Importneigung der Haupthandelspartner eine leicht rückläufige
reale Zuwachsrate der österreichischen Exporte zur Folge haben
könnte. Der Exportanteil (Güter und Dienstleistungen) am National-
produkt beträgt in österreich etwas über 30%. Der Exportmultipli-
kator ist auf Grund von Input-OutpUt-Untersuchungen mit rund 1·6
anzusetzen, SO daß die Hälfte des Nationalproduktes von der Ver-
langsamung der ausländischen Nachfrage betroffen sein könnte. Bei
unverändertem Wachstum der inländischen Nachfrage würde das
eine geringfügige Reduktion der Wachstumsrate des Nationalproduk-
tes bedeuten. ,
Die Nachfrageentwicklung könnte sich daher etwas unter dem
vom Angebotspotential vorgegebenen Rahmen bewegen. Die jährliche
Zuwachsrate des Nationalproduktes wird im Durchschnitt der Jahre
1974 bis 1980 vorsichtig auf 41/2% geschätzt.
KONJUNKTURELLE SITUATION
Wie selten zuvor ist die Einschätzung der konjunkturellen Si-
tuation der österreichischen Wirtschaft derzeit erschwert. In den
Jahren bis 1969 ist der Gleichschritt mit der europäischen OECD
praktisch nie gestört worden. Seit 1970 entwickelt sich die österrei-
chische Konjunktur wesentlich selbständiger. Die europäische Kon-
junkturabschwächung 1970/72 und 1974 wurden in Osterreich kaum
verspürt. Die Kapazitätsauslastung wurde auch 1972/73 vom begin-
nenden europäischen Aufschwung sichergestellt, der Ende 1973 vor-
wiegend aus politischen Gründen unterbrochen wurde. Die ersten
pessimistischen Prognosen für 1974 sind in der Zwischenzeit einer
gemäßigt optimistischen Beurteilung der europäischen Konjunktur
gewichen.
Osterreich wird 1975 in den Sog des neuerlichen europäischen
Aufschwungs kommen. Demgegenüber dürften die Jahre 1976 bis
1978 im Durchschnitt eher Jahre geringeren Wachstums sein.
Nimmt man allerdings an, daß sich verschiedene europäische
Regierungen gezwungen sehen könnten, scharfe Maßnahmen, insbe-
sondere wegen der Ungleich gewichte der Zahlungsbilanzen, zu ergrei-
fen, so müßte wohl eine längere Phase geringeren Wachstums ange-
nommen werden, aus der vielleicht erst 1977 und 1978 eine Erholung
möglich wäre.
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