Full text: Arbeitszeitentwicklung und Arbeitszeitpolitik (47)

28 Richtung auf eine geplante schrittweise Einführung der 35-Stunden- Woche bis 1985 sein. Inzwischen hat jedoch die Regierung alle weite- ren Regelungen in Richtung auf eine verkürzte Wochenarbeitszeit ausgesetzt. In den meisten - der gesetzlichen Verkürzung der Ar~ beitszeit um 2·5% folgenden - Tarifvereinbarungen wurden die Löhne nicht gekürzt. In Fllllen einer erheblichen Arbeitszeitverkür- zung wurde im allgemeinen ein Lohnausgleich von 60% oder mehr gewährt. Eine weitere arbeitszeitverkürzende Maßnahme der französischen Regierung sind die sogenannten "Solidaritätsverträge" vom Frühjahr 1982. Diese können drei Komponenten der Arbeitszeit betreffen, die entweder getrennt oder kombiniert zum Tragen kommen. Begünstigt werden das vorzeitige Ausscheiden aus dem Erwerbsleben (Solidari- tätsvertrag Frühverrentung), die Halbierung der Arbeitszeit ab dem 55. Lebensjahr (Solidaritätsvertrag Teilzeitrente) sowie die allgemeine Verkürzung der Wochen arbeitszeit (Solidaritätsvertrag Arbeitszeit- verkürzung), soweit im Umfange der freiwerdenden Arbeitsplätze Problemarbeitslose (Jugendliche, alleinstehende arbeitslose Frauen mit Kindern, Langzeitarbeitslose) neu eingestellt werden. In all diesen Fällen übernimmt die öffentliche Hand entweder die Kosten der Frühverrentung oder befristet einen Teil der Sozialbei- träge. 1983 beschloß allerdings die französische Regierung, daß Maß- nahmen des vorzeitigen Ausscheidens aus dem Erwerbsleben nicht mehr förderungswürdig sein sollten. Im Herbst 1982 schlossen die Sozialpartner in den Nie der la n- den eine landesweite Vereinbarung, die die Möglichkeit eröffnete, die als Ausgleich für höhere Preise erwartete Lohnsteigerung zugun- sten der Schaffung von Arbeitsplätzen und kürzerer individueller Ar- beitszeit aufzugeben. Inzwischen wurde eine große Anzahl von Tarif~ verträgen auf Branchen- und Unternehmensebene unterzeichnet, die für rund 60% aller Arbeitnehmer gelten. In vielen Fällen erstrecken sich die Tarifverträge über zwei Jahre anstatt normalerweise über ein Jahr. Sie sehen auf Jahresbasis eine Verkürzung der Arbeitszeit um ungefähr 5% vor. Obwohl der Verzicht auf die Lohnerhöhung An- fang 1983 beginnt, wird die tatsächliche Arbeitszeitverkürzung erst zum Ende der Vertragsdauer oder kurz danach edolgen. Auch im öf~ fentlichen Sektor wird eine aktive Politik der Arbeitszeitverkürzung betrieben. In der Bundesrepublik Deutschland wurde Mitte 1984 nach wochenlangen Arbeitskämpfen in der Metall- und Druckindu-

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