Full text: Umweltpolitik (51)

Diese Tatbestände sind zum Teil als Erfolgsdelikte konstruiert, verlangen also die vorsätzliche oder fahrlässige HerbeifUhrung eines konkreten Erfolges, beispielsweise in Form einer Gefährdung von Leib und Leben eines anderen oder in großem Ausmaß fUr Haustiere oder sonstige Tiere, die dem Jagd- oder Fischereirecht unterliegen (§§ 180 Abs. 1, 181); auch eine sonstige konkrete Gefährdung von Leib und Leben einer größeren Anzahl von Menschen oder für frem~ des Eigentum in großem Ausmaß (also im Wert über S 100.000) be- grundet die Strafbarkeit (§§ 176, 177). Dieser Delikttypus erfordert also die Zurechenbarkeit des tatbestandsmäßigen Erfolges (die Her- beifUhrung einer konkreten Gefahrensituation) zum Verhalten eines bestimmten Täters. Bei den so häufigen Übertretungen VOnGeboten des Umweltschutzrechts, die erst durch ihr Zusammenwirken mit an- deren ähnlichen Verhaltensweisen zu derartigen Gefährdungen filh- ren, ist es schwierig, den Nachweis des Ursächlichkeitszusammenhan- ges zwischen dem Verhalten des Täters und dem eingetretenen Ge- fährdungserfolg zu führen. Demgegenüber wird bei der Konstruktion von Tatbeständen als abStrakte Gefährdungsdelikte nicht die Herbeiführung eines bestimm- ten Erfolges (bzw. einer konkreten Gefährdung), sondern bereits die an sich, ihrem Wesen nach gefährliche Handlung pönalisiert. Also etwa die Gewässer- oder Luftverunreinigung entgegen einer "Rechts- vorschrift" (hier: Gesetz, Verordnung oder Bescheid), wodurch eine Gefährdung für Leib und Leben usw. entstehen "kann" (§§ 180 Abs. 2, 181); gleiches gilt für die Begehung einer Handlung, "die ge- eignet ist", Gefahren für Tiere in großem Ausmaß herbeizuführen (§§ 182, 183). In der Praxis steht aber auch der Anwendung solcher Tatbestandstypen vielfach entgegen, daß für eine einzige Handlung allein die Eignung zur Herbeiführung der geforderten Gefahrensitua- tion noch nicht angenommen wird. Ein Blick auf die Kriminalstatistik zeigt jedenfalls, daß das gericht- liche Umweltstrafrecht nur einen äußerst geringen Beitrag zur Be- kämpfung der Umweltverschmutzung leistet. So sind im Jahre 1982 nach sämtlichen oben erwähnten Umwelts traf tatbeständen lediglich 47 Verurteilungen (davon 31 gern. § 177 und 11 gern. § 181) erfolgt. Inwieweit diese Bilanz auf umweltbewußtes Verhalten der Norm- adressaten oder auf die unzulängliche Gestaltung der Straftatbe- stände zurückzuführen ist oder ihre Ursache etwa im Bereich der Vollziehung zu suchen ist, bedürfte noch näherer empirischer Unter- suchungen. 183

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