Full text: Lohnnebenkosten (69)

1. EINLEITUNG UND PROBLEMSTELLUNG Seit Ende der 80er Jahre verschärfte sich die Wettbewerbssituation der Industriestaaten erheblich. Der einheitliche Binnenmarkt der EG-Staa- ten und die neue Konkurrenz aus dem Osten schlagen sich unter ande- rem in deutlich veränderten Arbeitsmarktbedingungen nieder, die die Arbeitskosten sowohl hinsichtlich ihrer Höhe als auch ihrer Struktur nach in den Mittelpunkt wettbewerbspolitischer Analysen rücken. Die Arbeitskosten bilden als Preis des Produktionsfaktors Arbeit so- wohl aus allokations- als auch aus einkommenstheoretischer Sicht eine zentrale Komponente in der ökonomischen Analyse. Sie stellen einer- seits auf einzelwirtschaftlicher Ebene in der Regel die wichtigste Kosten- komponente und damit eine entscheidende Wettbewerbsgröße dar, und wesentliche Teile davon beeinflussen andererseits auf gesamtwirtschaftli- cher Ebene den größten Einkommens- und damit Nachfragefaktor. Als Arbeitskosten bezeichnet man die Gesamtheit der Kosten, die dem Arbeitgeber bei Beschäftigung eines Arbeitnehmers erwachsen. Der überwiegende Teil dieser Arbeitskosten fließt direkt an den Arbeitneh- mer, teils in Form einer laufenden Entlohnung für die "Anwesenheits- zeit", teils in Form von Entgeltzahlungen für entlohnungspflichtige Ab- wesenheitszeiten (Urlaub, Feiertage, Krankenstände etc.) und teils in Form von sonstigen Entgeltzahlungen (13.114. Monatsbezug, Abferti- gung etc). Neben den Zahlungen an den Arbeitnehmer erwachsen dem Arbeitgeber unter dem Titel "Arbeitskosten" aber auch Aufwendungen, die dem Arbeitnehmer nicht direkt zugehen. Im wesentlichen handelt es sich hierbei um die Arbeitgeberbeiträge zur Sozialversicherung der Ar- beitnehmer. Der Preis des Faktors Arbeit für das Unternehmen und die Höhe des dem Arbeitnehmer direkt zufließenden Einkommens fallen damit aus- einander. Das Unternehmen muß in der Preisgestaltung und der Faktor- nachfrageentscheidung sowohl die direkten als auch die indirekten Ko- sten des Faktors Arbeit berücksichtigen. für die Arbeitsangebotsent- scheidung der Arbeitnehmer ist hingegen vielfach nur das monatlich di- rekt zufließende Einkommen - oft sogar nur das Nettomonatseinkom- men nach Abzug der Abgaben und Steuern - ausschlaggebend. (Richti- gerweise mUßten aber im Sinne der Kostenwahrheit auf Arbeitnehmer- seite natürlich auch die Vorteile, die aus einer erhöhten sozialen Absi- cherung oder vermehrten Bezügen (13.114. Bezug) erwachsen, in Rech- nung gestellt werden). FUr die Wettbewerbssituation der Unternehmungen ist an sich nicht die (relative) Höhe der Lohnnebenkosten, sondern nur die Höhe der Ar- beitskosten insgesamt entscheidend. Arbeitsmarktpolitisch gesehen darf 5

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