Full text: Europäische Wirtschafts- und Währungsunion (71)

44 bilanz ins Gleichgewicht gebracht werden. Umgekehrt könnte bei einem Zahlungsbilanzdefizit eine restriktive Geldpolitik betrieben werden. Ein Spielraum der Geldpolitik für die Abkoppelung von Inflationsra- ten und Konjunkturschwankungen des Auslandes in größerem Umfang besteht jedoch nicht, denn jede größere oder längerfristige Abweichung wird sich in Leistungsbilanzsaiden niederschlagen, die nicht lange auf- rechterhalten werden können. Differenzen in den Inflationsraten kön- nen bis zu einem bestimmten Grad durch unterschiedliche Preisentwick- lungen in von der Außenwirtschaft geschützten Sektoren (wie Mieten, einzelne Dienstleistungen) entstehen. Aber auch die Nominallohnände- rungen können von den Entwicklungen der anderen Unionsländer inso- fern abweichen, als sich die Produktivität unterschiedlich entwickelt. Auch unterschiedliche Entwicklungen der Sozialsysteme können Unter- schiede begründen. "Gemeinsame Währung'" In der Folge soll dann eine gemeinsame Währung eingeführt werden, die im gesamten EU-Gebiet zirkulieren kann. Dann ist keine selbstän- dige Geldpolitik einzelner Mitglieder mehr möglich, weil die Europäi- sche Zentralbank bei ihrer Politik nur auf den Durchschnitt aller Mit- gliedsländer achten wird. 5.1.2. Die Handlungsspielriiume aufgrund der Erfahrungen aus der Hart- wiihrungspolitik Für die Untersuchung der Spielräume der Wirtschaftspolitik beim Wegfall der eigenständigen Wechselkurspolitik bietet sich die österrei- chische "Währungsunion'" mit Deutschland an. Der heutige DM-Kurs ist fast der gleiche wie 1970, er ist seit 1983 mit nur 0,3% Schwankungs- breite praktisch fix geblieben. Dieser Währungsverbund mit der DM zeigt, daß es dennoch Spielräume einer eigenständigen Wirtschaftspoli- tik in einer Währungsunion gibt. Allerdings ist darauf hinzuweisen, daß ein Ausstieg aus diesem Währungsverbund jederzeit möglich gewesen wäre. "Einkommenspolitik in einer Währungsunion In einer Währungsunion kommt, da Wechselkursanpassungen zur Verbesserung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit einer Volkswirt- schaft nicht möglich sind, der nationalen Einkommenspolitik eine be- deutendere Rolle zu als früher. Koordinierte, auf die gesamtwirtschaftliche Entwicklung ausgerichtete Lohnsysteme weisen dafür günstigere Voraussetzungen auf als fragmen- tierte Lohnverhandlungssysteme : In fragmentierten Systemen muß jede Gruppe den Spielraum für nominelle Lohnsteigerungen voll ausnützen, es droht ein inflationstreibender Lizitationswettbewerb. Koordinierte Sy-

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