Full text: Europäische Wirtschafts- und Währungsunion (71)

o Spielräume bei der Finanzierung des Defizits und der Staatsschuld ("debt management"). Die Spielräume einer autonomen Finanzierungspolitik werden in der Währungsunion praktisch verschwinden. Es wird kein Unterschied in der Wirkung von Inlandskreditaufnahme oder Kreditaufnahme im Wäh- rungsunions-Ausland bestehen. Wird das Defizit über ausländische Märkte finanziert, so wird sich der Zinssatz bei den relativ zum Gesamt- markt geringen Beträgen einer österreichischen Finanzierung praktisch nicht ändern. Das Gleiche ist auch bei einer Finanzierung im Inland der Fall, denn jede, auch noch so geringe Zinssteigerungstendenz wUrde so- fort Kapitalimporte aus dem Ausland hervorrufen, da durch die bereits vorhandene, vollkommene Liberalisierung und durch den künftigen Wegfall von Prämien für Wechselkursrisken die Geld- und Kapital- märkte effizient geworden sind. Es kann also durch eine Inlandskredit- aufnahme kein nationales "crowding-out" mehr geben. o Strukturänderungen bei den Ausgaben durch Zinszahlungen Bei einer Annäherung an den Schuldenstand von 60% des BIP von einem niedrigeren Stand aus muß bedacht werden, daß dann ein immer größerer Anteil der zusätzlichen Ausgaben für die Verzinsung der wach- senden Staatsschuld verwendet werden muß, somit weniger für Ausgaben im beschäftigungswirksamen Bereich zur Vertugung stehen. Wieviel von den zusätzlichen Ausgaben fUr Zinsen verwendet werden muß, hängt vom Verhältnis des Zinssatzes zur Wachstumsrate ab. Nur wenn der Zinssatz gleich der Wachstumsrate ist, dann wird auch die Zinsbelasmng des BIP gleichbleiben, liegt der Zinssatz aber höher als die Wachstumsrate, dann ergibt sich ein wachsender Anteil der Zinsen am BIP. Tatsächlich lag im Durchschnitt der letzten 10 Jahre die Sekun- därmarktrendite fUr festverzinsliche Bundesanleihen rund 1 bis 1,5%- Punkte über der nominellen Wachstumsrate des BIP, sodaß sich auch daraus eine immer größer werdende Zinsbelastung ergab. o Die Spielräume bei der Ausgaben- und Einnahmenstruktur Durch die Veränderung der Ausgaben- und Einnahmenstrukturen könnte versucht werden, unerwünschte AuslandseinflUsse abzuwehren oder zu vermindern. - Bei einem restriktiven, spezifischen Schock kann insbesondere dann durch Ausgabenstrukturänderungen eine expansive Abhilfe versucht werden, wenn der Schock in einem Nachfrageausfall in bestimmten Sektoren (Industrien) oder Nachfragekategorien (z. B. Investitio- nen) besteht. Eine Umschichtung der Ausgaben stößt allerdings auf größere - meist politische - Widerstlinde. Die daraus resultierenden 46

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