Full text: Die Verteilung der persönlichen Einkommen in Österreich (15)

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bar. Die Einkommen der freien Berufe (Einkunftsschwerpunkt selb¬
ständige Arbeit) auf Individualbasis stiegen von 1973 bis 1975 den
Ergebnissen der Einkommensteuerstatistik zufolge um 28,6 Prozent,
die Lohnsumme je Beschäftigten um 26,9 Prozent.
Was die Haushaltseinkommen der Gewerbetreibenden betrifft, so
muß der Vergleich zu den Arbeitnehmerhaushalten relativiert werden.
Die hier erzielten Ergebnisse bestätigen nur die Pro-Kopf-Einkom¬
mensvergleiche aufgrund der Volkseinkommensrechnung, die eben¬
falls zunehmende Einkommensdiskrepanzen zwischen Gewinneinkom¬
men je Selbständigen und Lohnsumme je Arbeitnehmer aufzeigten7.
Die zunehmenden Unterschiede finden ihre Erklärung im wesentlichen
im Wandel der Unternehmensstruktur. Während die Zahl der Handwer¬
ker und Kleingewerbetreibenden langfristig stark rückläufig war,
dürfte jene der mittleren und der Großunternehmer etwa konstant
geblieben sein. Die letzteren erzielen jedoch den Großteil der Gewinne,
eine Verminderung der Zahl der ersteren wirkt sich auf die Gewinn¬
summe insgesamt nur wenig aus. Selbst unter der Annahme konstanter
Gewinne je Unternehmer steigt das Durchschnittseinkommen, da sich
die Unternehmerzahl relativ stärker vermindert als die Gewinnsumme.
Bei Konstanz der funktionellen Einkommensverteilung im Sinne einer
proportionalen Steigerung von Lohnsumme pro unselbständig Be¬
schäftigten und Volkseinkommen je Erwerbstätigen nimmt der relative
Einkommensabstand zwischen Gewerbetreibenden und Unselbständi¬
gen zu. Die Zahl der Unternehmerhaushalte oder Unternehmerperso¬
nen ist unter solchen Bedingungen nicht die geeignete Bezugsgröße für
die Gewinnsumme, Durchschnitte zwischen verschiedenen Zeitpunk¬
ten sind kaum sinnvoll vergleichbar. Die Kapitalprofite im eigentlichen
Sinn müßten auf das eingesetzte Kapital bezogen werden und nicht im
Wege der Durchschnittsberechnung auf eine Kopfzahl von Unterneh¬
merhaushalten.
Für die Haushaltseinkommen mit Schwerpunkt selbständige Arbeit
erscheinen derlei Einschränkungen nicht angebracht. Sie sind nicht
Ertrag eines eingesetzten Unternehmenskapitals, sondern Entgelte für
Arbeitsleistungen. Die Struktur der freien Berufe (siehe Tabelle im
Anhang) scheint sich im Beobachtungszeitraum nur wenig verändert zu
haben. Etwas weniger als die Hälfte der Freiberufler sind Ärzte, etwa
ein Viertel sind dem Bereich Rechtsberatung und Vermögensverwal¬
tung zuzurechnen. Die Zahl der Berufe, die kein Universitätsstudium
erfordern (Dentisten, Hebammen) ist rückläufig, was jedoch bei dem
niedrigen Anteil dieser Berufe für das Durchschnittseinkommen der
gesamten Gruppe von untergeordneter Bedeutung ist. Für die freien
Berufe insgesamt lassen die Daten der Einkommensteuerstatistik den
Schluß zu, daß diese Gruppe ihre relative Einkommensposition insbe¬
sondere gegenüber den Arbeitnehmern seit den fünfziger Jahren ganz
erheblich verbessert hat.
        

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