Volltext: Beschäftigungs- und Budgetpolitik (66)

49 durchgeführte Lockerung der Indexbindung kam es zu einer gewissen Dämpfung des Lohnauftriebs. Eine wesentliche Wende trat ab 1987 ein, als es zu einer relativ schnellen Einigung im Metallbereich für vier Jahre kam, die 1989 nur durch Lohnver¬ handlungen, nicht jedoch Verhandlungen über sonstige Bedingungen unterbrochen wurde. Ab den Neunziger Jahren kam es zum Prozeß der sogenannten zentralisier¬ ten Dezentralisierung, indem die Lohnverhandlungen im Rahmen größerer Bran¬ chenkartelle geführt wurden, allerdings unter Koordination der Zentralverbände. Im Zuge dieser Neuorientierung der Lohnverhandlungen kam es auch zu einer ver¬ stärkten Reallohnorientierung, die angesichts des nunmehr gewählten Hartwäh¬ rungskurses auch notwendig war. Die Dachverbände selbst verhandeln nur über die Richtlinien für die KV-Verhandlungen. Die eigentlichen Tarifverträge werden zwi¬ schen den Mitgliedsorganisationen abgeschlossen. Dabei gibt es verschiedene Varianten: ? Standard-Lohnsystem: "Hier werden die Löhne im Kollektivvertrag festgesetzt. 1989 machten diese Verträge noch etwa 34 Prozent der KVs aus, 1997 liegt dieser Prozentsatz nur mehr bei 16 Prozent. ? Mindestlohnsystem: Es wird nur der Mindestlohn im Kollektivvertrag festge¬ setzt sowie die Höhe einiger Zulagen und Zuschläge. Der Rest der Löhne wird auf Betriebsebene ausgehandelt. Eine Besonderheit ist dabei, daß bei einer Erhöhung des Mindestlohns der Ar¬ beitgeber im Prinzip berechtigt ist, den darüber hinausgehenden Lohn im glei¬ chen Ausmaß zu kürzen. Dies passiert aber äußerst selten. 1989 waren 32 Prozent Mindestlohnverträge, 1997 21 Prozent. ? Grundlohnsystem: gleich wie beim Mindestlohn, nur daß keine Zulagen ver¬ traglich festgelegt sind. 1989 waren 30 Prozent der Kollektivverträge Grundlohnsysteme, 1997 sind es 46 Prozent. Auf diese Weise werden etwa 20 Prozent der Löhne durch den Kollektivvertrag fest¬ gelegt und die restlichen 80 Prozent werden auf Betriebsebene ausgehandelt (wobei der Arbeitgeber mit jeder/m einzelnen Arbeitnehmerin gesondert verhandeln könnte; de facto wird aber auch hier meist über eine Vertrauensperson verhandelt). Die kollektivvertragliche Betonung des Mindestlohns hat nach Meinung der DA ei¬ nen wesentlichen Einfluß auf Lohndispersion und Beschäftigung: Seit den 50er Jah¬ ren haben die Lohndifferentiale stark abgenommen und sind seit Anfang der 80er

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