Full text: Beschäftigungspolitik (72)

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weilige Standort gesichert, Beschäftigung also erhalten wird. Hier zeigt sich
also: Die pauschale Klassifizierung einer Arbeitszeitflexibilisierung als positiv
oder negativ beschäftigungswirksam ist nicht möglich, es kommt dabei in ho-
hem Ausmaß auf die jeweiligen Rahmenbedingungen in der Branche und im
Betrieb an.
Im Grundansatz nur eine Variante der beschriebenen chronometrischen
Flexibilisierung ist die Abgeltung von Überstunden durch Freizeitausgleich.
Auch hier werden Arbeitsspitzen zu einer anderen Zeit durch Zeitausgleich
wettgemacht - allerdings mit dem rur überstunden zustehenden Zuschlag. Da-
durch kann ein möglicher positiver Beschäftigungseffekt etwas intensiver bzw.
ein negativer Beschäftigungseffekt schwächer ausfallen als bei der 1: 1-
Abgeltung von Mehrstunden, grundsätzlich gilt jedoch auch hier: In Branchen
mit relativ variabler Nachfrage wird eine Regelung der vorgeschlagenen Art
("überstunden gegen Freizeitausgleich") de facto zu einer relativen Verbilli-
gung von überstunden f1lr das Unternehmen filhren. (An die Stelle eines Stun-
denlohnes mit Zuschlag tritt ein wohl in einer Zeit geringer Auslastung kon-
sumierter Zeitausgleich.) Ein Abbau von Personalreserven filr Spitzenausla-
stungszeiten und eine stärkere Inanspruchnahme des Stammpersonals zu
Überstundenarbeit könnte die Folge sein. Es ist auch darauf hinzuweisen, daß
in manchen Fällen ein hohes, durch Überstunden erworbenes Freizeitguthaben
vielleicht nicht rur Freizeit, sondern filr Aktivitäten in der Schattenwirtschaft
verwendet werden wird.
Durch Flexibilisierung bedingte Rationalisierungseffekte und der damit
einhergehende Arbeitsplatzabbau hängen allerdings auch von folgenden Ele-
menten ab: In je kürzeren Zyklen der Arbeitsanfall schwankt, desto schwerer
wird der Abbau von Personalreserven fallen, und je mehr der Konsum des in
den Arbeitsspitzen angesparten Zeitausgleichs in geblockter (und insoferne
auch vom Freizeitwert her attraktiver) Form erfolgt, desto geringer fällt der
Rationalisierungseffekt aus.
Wurden Arbeitsspitzen vorher nicht durch Personalreserven, sondern
überwiegend durch (regelmäßige) Mehr- und Überstundenarbeit einer in der
Normalarbeitszeit voll ausgelasteten Belegschaft bewältigt, dann können durch
den Abbau dieser Mehr- und Überstunden bzw. durch ihre Abgeltung in Form
von Zeitausgleich im Verhältnis 1 : 1 (Mehrarbeit) bzw. 1 : 1,5 (Überstunden)
durchgehend positive Beschäftigungseffekte erzielt werden, wobei der Abbau
von Überstunden, die im Ausmaß von 1 : 1,5 abgegolten werden, einen ent-
sprechend höheren Beschäftigungseffekt mit sich bringt.
Betont werden muß, daß chronologische Arbeitszeittlexibilisierung als
Maßnahme im Standortwettbewerb filr bestimmte Betriebe oder Branchen we-
sentlich sein kann, wenn andere Länder mit ähnlichen Produktionsbedingun-
gen wie Österreich den international operierenden Unternehmen über deutlich
flexiblere Arbeitszeitmodelle eine deutlich höhere Kapitalproduktivität offerie-
ren. Weiters scheint klar zu sein, daß in Bereichen mit hoher Kapitalintensität
der Produktion oder dort, wo "Flexibilität" filr die Nachfrage durch die Kon-
sumenten eine entscheidende wettbewerbsrelevante Qualitätsdimension ist,
Arbeitszeitflexibilisierung sinnvoll sein wird.
        

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