Full text: Beschäftigungspolitik (72)

ner Arbeitskraft, die sie als Saisonkraft oder Ferienablösung bei Spitzenbela-
stung anstellen können, womit sie auch eine gute Grundlage rur die Rekrutie-
rung kUnftiger fester Mitarbeiter erhalten.
Eine spezielle Form eines Job-Rotation-Modelles stellt das Dänische Mo-
dell der sogenannten Bildungskarenz (max. einjährige Karenz rur anerkannte
Ausbildungszwecke ~ ausgenommen Hochschulstudien ~ bei gleichzeitiger
Einstellung eines Langzeitarbeitslosen) dar, das auch in Österreich vermehrt in
die Diskussion eingebracht wird. Vorausgesetzt, der bildungskarenzierte Ar-
beitnehmer ist bereits drei Jahre bei seinem Arbeitgeber beschäftigt und ab-
solviert in der Karenzzeit eine staatlich anerkannte Ausbildung, erhält er eine
Unterstützung in Höhe des höchsten Arbeitslosengeldbezuges. Die Qualifizie-
rung der Stellvertreter Ubernimmt das Arbeitsmarktservice. Ähnliche Modelle
existieren in Schweden, Finnland und Belgien.
Beschllftigungspolitisch interessant kann auch die vorUbergehende freiwil-
lige Karenzierung eines Arbeitnehmers bei gleichzeitiger Einstellung eines
Arbeitslosen sein (Sabbatical). Nicht zur Nachahmung empfohlen hingegen ist
das Modell der staatlichen Finanzierung eines Freizeit jahres ohne Bindung der
Freizeit an familiäre oder Weiterbildungszwecke, welches auch in Dänemark
aufgrund mangelnder gesellschaftlicher Akzeptanz und aus KostengrUnden
wieder eingestellt wurde.
Dänische Arbeitsmarktexperten ruhren die Tatsache, daß in Dänemark die
Arbeitslosenquote von 8,4% im April 1994 auf 6,3% im April 1996 gesunken
ist, zu einem nicht unwesentlichen Teil auf die verschiedenen Job-Rotation-
Modelle zurUck. Zwischen 30.000 und 40.000 Personen befinden sich in Dä-
nemark im Jahresschnitt in Bildungskarenz mit einer Durchschnittslänge von
38 Wochen; dabei kommt es in Uber 70% der Fälle zur Einstellung vormals
arbeitsloser Ersatzkräfte, von denen auch nach Rückkehr des karenzierten Ar-
beitnehmers ca. 80% beschäftigt bleiben. Schwedische Untersuchungen bele-
gen, daß mehr als die Hälfte der Stellvertreter auch nach der Rotation in Be-
schäftigung bleiben.
Auch in Österreich werden Pilotprojekte gestartet: Österreich nimmt an
dem Projekt "EU-Jobrotation" im Rahmen der Gemeinschaftsinitiative
"ADAPT' teil. Ziel ist es, auf regionaler Ebene Pilotprojekte fUr Jobrotation-
programme einzurichten und zu analysieren, inwieweit eine GesamteinfUhrung
auf nationaler Ebene möglich wäre. In diesem Rahmen werden Projekte in
Ober- und Niederösterreich durch das AMS vorbereitet. Dabei sollen 200 bis
300 Mitarbeiter aus Klein· und Mittelbetrieben qualifiziert werden, während
100 bis 200 Arbeitslose nach entsprechender Einschulung die Stellvertretung
übernehmen.
Derzeit scheint allerdings die vorherrschende Skepsis seitens der Unter·
nehmen eine größere HUrde darzustellen, die es zu überwinden gilt. In diesem
Sinne wird in der Evaluierung der Pilotprojekte daher auch festzustellen sein,
inwieweit solche Modelle neben den erwarteten positiven Effekten nicht auch
finanzielle und organisatorische Probleme rur die Betriebe schaffen, wie etwa
lange Einarbeitungszeiten, eine mangelnde Identifikation der befristet einge-
stellten Stellvertreter oder ein Ausscheiden derselben vor der Rückkehr des
Teilnehmers an der Bildungsmaßnahme. Für letzteren Fall gelte es auch recht-
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