Full text: Beschäftigungspolitik (72)

Konsumenten (Cheque-Modelle, steuerliche Absetzbarkeit). Seitens der Ar-
beitgeberlNachfrager werden Steuerbefreiungen gegenüber Nachfragemodel-
len bevorzugt (leichtere Administrierbarkeit). Cheque-Modelle wiederum sind
"sichtbarer" und können die Nachfrage erhöhen. Um den maximalen Beschllf-
tigungseffekt zu erzielen ist es sinnvoll, Maßnahmenkombinationen (z. B. So-
zialversicherungsbeitragsbefreiung und Bonus-lMalus-System ftIr die Einstel-
lung von Langzeit- oder älteren Arbeitslosen) zuzulassen. Endgültige Aussa-
gen über den bestmöglichen Maßnahmenmix sind derzeit noch nicht möglich.
Neben der Schaffung von Beschäftigung dient ein Großteil der Maßnahmen
auch dem Wunsch nach Eindämmung der Schwarzarbeit. Weiters kann zwi-
schen Maßnahmen, die eine bestimmte Anbieterbranche (z. B. Reinigungsun-
temehmenlDänemark) und solchen, die auf einen bestimmten Arbeitslosenty-
pus (z. B. Langzeitarbeitsloser; Niederlande) abzielen, unterschieden werden.
Letzteres stellt eine Form der aktiven Arbeitsmarktpolitik dar. In ersterem
Falle steigt der Beschllftigungseffekt mit der Preiselastizität der Nachfrage
nach der geförderten Dienstleistung.
Andere Modelle wiederum stellen das Ziel des Sozialversicherungsschutzes
der Arbeitnehmer in den Vordergrund (Deutschland, Finnland). Das deutsche
Modell zählte ursprünglich weiters zu jenen, wo bestimmte Haushaltsmerkma-
le als Voraussetzung gelten (z. B. mindestens ein Kind oder einen häuslichen
Pflegefall). Einige, nicht aber alle Modelle, sind nach sozialer Bedürftigkeit
(Haushaltseinkommen) ausgerichtet, wodurch neben der sozialen Gerechtig-
keit auch dem Umstand der Vermeidung eventueller ineffizienter Substituti-
onseffekte (Subvention einer Leistung, die in jedem Falle erbracht worden wä-
re) Rechnung getragen wird. In Kauf genommen wird in diesen Fällen ein ge-
ringerer Beschäftigungseffekt. Schließlich muß noch zwischen Staaten, die
eine mehr oder weniger verpflichtende Teilnahme (z. B. Koppelung an Aus-
zahlung des Arbeitslosengeldes) an solchen Programmen vorsehen (z. B. Bel-
gien), und solchen, bei denen die Teilnahme primär freiwillig ist, unterschie-
den werden.
Ebenso wie unterschiedliche Ziele und Zielgruppen existieren, gilt es, zwi-
schen den verschiedenen Methoden der Förderungsallokation zu unterschei-
den: In manchen Systemen erhält das Fördersubjekt die Unterstützung als Teil
der Sozialversicherungsleistungen (z. B. in Form von Familienbeihilfe, Ar-
beitslosenunterstützung oder Anrechnung ftIr die Alterspension). In anderen
Modellen geschieht dies in Form von steuererleichternden Maßnahmen
(Frankreich, Deutschland, Finnland). Möglich ist aber auch die Weitergabe als
Lohnanteil (Lohnsubventionen).
Zu beachten ist, daß die (ftIr Staat und Konsument) administrativ einfachste
Form der steuerlichen Absetzbarkeit negative Verteilungseffekte mit sich
bringen kann, da Haushalte mit geringem Einkommen weniger profitieren als
solche mit höherem Einkommen. Das französische Cheque-Modell etwa zielt
nur auf steuerleistende Haushalte ab, wodurch eine erkleckliche Anzahl von
Niedrigverdienerhaushalten von vornherein ausgeschlossen wird. Andererseits
zeigt das französische Beispiel die höchsten Beschäftigungseffekte. Ausgegli-
chen werden könnte obiges Manko durch Miteinbeziehung eines Modelles der
negativen Einkommensteuer.
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