Full text: Beschäftigungspolitik (72)

via Besteuerung des relativ immobilen Faktors Arbeit ließ die Belastung der
Arbeit im Vergleich zu den übrigen Produktionsfaktoren steigen. Die gegebe-
ne Steuer- und Abgabenlast ist sowohl für den Anbieter wie auch fUr den
Nachfrager von Dienstleistungen das entscheidende Motiv, sich im Bereich
der Schattenwirtschaft zu betätigen. Strengere Kontrollen alleine können hier
keine Abhilfe schaffen. Bei einer etwaigen Entlastung des Faktors Arbeit muß
jedoch auch auf die Frage der Finanzierung des Sozialsystems geachtet wer-
den.
Typisch für Schwarzarbeit ist, daß die Nachfrage nach staatlichen Transfer-
und Versicherungsleistungen (Soziales, Infrastruktur) gleich bleibt oder sogar
steigt, ihre Finanzierungsbasis aber wegen der Ausweitung der Schattenwirt-
schaft immer schmäler und der Druck zu Steuererhöhungen immer stärker
wird. Hohe Arbeitslosenzahlen deuten damit oft nicht auf einen Mangel an
Arbeit, sondern auf Fehlallokationen durch das Steuer- und Abgabensystem
hin: Die Finanzierung des Wohlfahrtsstaates durch Besteuerung der wirt-
schaftlichen Leistung und damit der offiziellen Beschäftigung macht es attrak-
tiv, Leistungen der Besteuerung soweit zu entziehen, daß gerade noch der Zu-
tritt zum Wohlfahrtssystem gewährleistet ist. Steuervermeidung ist dabei vor
allem im Bereich der persönlichen Dienstleistungen möglich.
1.6. Globalisierung
1.5. DeregulierunK und Prlvatlsierune
Die Einbeziehung geschützter Sektoren in den internationalen Wettbewerb
sollte zu Preissenkungen für Konsumenten und nachgelagerte Unternehmen
fUhren, sie bedeutet allerdings auch eine schmerzhafte Anpassung des Be-
schäftigungsstands an internationale Konkurrenzbedingungen.
Bei der bevorstehenden Liberalisierung des Energie- und Telekom-Marktes
(Wegfall des Leitungsmonopols mit 1.1. 1998) sind kurzfristig auftretende Be-
schäftigungseinbrUche zu erwarten und daher gegebenenfalls übergangshilfen
vorzubereiten. Insbesondere im Telekommunikations- und Medienbereich zei-
gen aber ausländische Beispiele, daß die Schaffung von Wettbewerb und die
Zulassung zusätzlicher Anbieter langfristig zusätzliche Arbeitsplätze schaffen
können.
Bei der Privatisierung und Restrukturierung von Schlüsselbereichen der
österreichischen Wirtschaft ist neben betriebswirtschaftlichen Kriterien auch
die Sicherung der strategischen Eigentumerfunktion in Österreich zu beachten,
um das Abwandern von für Österreich als Industriestandort relevanten
Headquarterfunktionen und Kompetenzzentren zu verhindern (siehe Beirats-
studie "Industriepolitik m", 1991).
Nach gängiger ökonomischer Auffassung bringt die weltwirtschaftliche In-
tegration steigenden Wohlstand für alle. Neue Märkte und wirtschaftliche Ko-
operationsfelder bieten Chancen für eine Expansion. Die Wohlfahrtsgewinne
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