Full text: Der Betriebsrat - 1921-22 Heft 14 (14)

DIB BETRIEBSRAT ,
ihaltung der prinzipiellen Reinheit ein Kampf
gegen das Eindringen nationalistischer und bürger¬
licher Ideologie in die proletarische Bewegung. Diese
zersetzenden Elemente mußten dank der Wachsam¬
keit Huebers außerhalb der Bewegung bleiben. So
ward — natürlich unbewußt, denn hätte; man die
Wirkungen des Separatismus ahnen können, hätte
Hueber gewiß; seinen Kampf darauf eingestellt gehabt
— der Fährer der Gewerkschaften auch zum Hüter
der Einheit der Bewegung, trotzdem Hueber gerade
die schwerstem Entscheidungen zu Beginn der
traurigen Periode vielfach gegen den Wunsch der
Partei falten, mußte. Aber er, dem Partei uad Gewerk¬
schaft wirklich nur scheinbar getrennte Armeen
wäre», der. ihrer beider unbedingte Unter- und Ein¬
ordnung unter das gemeinsame große Ziel forderte,
er sah vorerst, daß die Spaltung das Proletariat auch'
im unmittelbaren Kampfe schwäche, und das konnte
er nicht ertragen. Alte Freundschaften änderten pich
In Gegnerschaften, Hueber blieb sich treu, die Ge¬
schichte —' nicht bloß internationale Kongresse s—. gab
Ihm recht-, organisatorisch uad prinzipiell.
Es war dies nicht der einzige Fall, wenn' äucK
ein. besonders großer and wichtiger, tu denn Anten
Hueber die Situation, rettete und der Entwicklung
Bahne» nacht seiner Meinung wies. Die Gewerk¬
schaftsbewegung,, man nennt sie mit Recht' die
höchste Kulturbewegimg, weckt sich die Talente, die
Bie zu ihrer Führung braucht. Mit Stolz können uir
auf die zaMrekrlien und wirklich hervorragenden
Männer hinweisen, welche die .praktische, gewerk¬
schaftliche Betätigung, schuf, uinjd durch die Aufgaben,
dereji Lösnag sie ihnen übertrug, zu der bewunderten
Größe, anwachsen ließ. AM« haben sie sich bewährt,
alle Schönes, geleistet aber nur wenige unter so
schwierigen. Umständen wie unser Hueber. Es war
eine schwache Bewegung, deren Leitung er bei
Übernahme'des'Amtes eines Sekretars erhielt. Die
zahlenmäßige Schwäche. Mit nach weiters darunter,
daß die Mitgliedschaft verschiedenen Nationen an¬
gehörte, die" wirtschaftlich sehr verschieden ent¬
wickelt waren, so daß die Betätigungsmöglichkeiferi
der Gewerkschaften an der ktemen Zahl und an den
wirtechältlichen Zuständen eng gezogene Grenzen
hatten. Da galt es Großes zu leisten. Vorerst mußten
die Arberter gelehrt werden, wie sie — und nur sie
kamen in den Gewerkschaften m Betracht — allem,
ohne Hfffe, so wichtige Körperschaften verwalten
sollte», was schon zur Voraussetzung hätte, daß sich
die Gewerkschaften, die ZusaTrnnen.fügung der eigenen
Kraft, das Vertrauen der breiten Massen erkämpft
haben. I)a zeigte sich Huebers kluge Art und scharfer
Sinn. Ei-, der Stürmer, begann die gegebenen Tat¬
sachen richtig zu werten — und ward so Lehrer der
ganzen übrigen Vertrauensmänner.' „Wir Gewerk-:
schaffen- in Österreich können nicht auf Hundert¬
tausende von Mitgliedern hinweisen, gewiß, aber
daran- ist nicht unsere Agitation.«;- find Organisat'ons-
arbeit sdmjd'. Die Zustände, unter denen wir unsere
• Pflicht im Interesse der Gesamtheit der Arbeiter¬
organisationen in diesem Lande erfüllen, lassen airser
Wollen tmd Können nicht über jene bestimmte Grenze
hinaus, die von der Entwicklung der Industrie ab¬
hängt . . . Wir sind durch große Erfolge nicht ver-
.wöhnt und geben uns als gemütliche Österreicher
mit etwas weniger zufrieden und freuen nns auch
'des kleinsten Fortschrittes, den wir erzielen
konnten... Somit entwickelt steh die Widerstands¬
kraft unserer Gewerkschaften von Jahr zu Jahr in
[dem Maße, als wir es erwarteten: langsam, aber
[stetig vorwärts!" In diesen Worten seines Berichtes
im „Ersten Internationalen Bericht über die Gewerk-
'schaftsbewegsng 1903" können wir den zur prafc-
jfcalien .Gewerkschaftsarbeit mahnenden. Revolutionär^
erkennen, der wie kein anderer das hohe Ziel des
Sozialismus kennt, liebt, ersehnt, anstrebt und des¬
halb die Arbeiterschaft' nach Methoden, welche dia
Wirklichkeit zuläßt, stärken Will und bei der Airs¬
wahl auch darauf achtet daß die Methoden der;
geistigen Verfassung der Kämpfer angepaßt seien.
Er, das Pilsner Protetarierkind, hat die Seele de»
österreichischen Arbeiters kennengelernt, - er kennt
seine „gemütlichen Österreicher" und mutet ihnen,
daher auch nicht mehr 211, als sie verstehen und
leisten können. Er wurde zum reinsten Realpolitiker.,
Deshalb folgen sie ihm auch gerne, wenn er nrii
ihnen schwierige Probleme zu lösen sich anschickt.
Die Arbeiter haben es nicht in der Schule gelernt
wie man Gewerkschaftspolitik betreibt. Die Ent¬
scheidung, ob lokaler Verein oder Reichsorganisation,
ob hohe oder niedrige Beiträge, ob Kampf- oder
Unterstötztmgsorgamsation, war nicht leichter als
Entscheidungen, die mancher Staatsmann zu lösen
hatte. Der Unterschied war nur der, daß die Gewerk¬
schaften diese Probfeine — nicht zuletzt dank
Huebers Führung — gelöst haben, der- Staatsmann
aber die seinen nicht Das war kein leichtes Stück*'
Und es wurde nur ermöglicht, weil Hueber in den
Reihen der Arbeiter das Vertrauen besaß. Er gab;
die Richtung an. er empfahl die Kombination
Kampf- und Umersttitzungsorganisation, er lehrte
die Arbeiter den Wert hoher Beitragsleistung und"
fest dotierter Widerstandskassen richtig ein¬
schätzen. Nicht immer hatten alle Verbände ihre
Sekretariate lediglich am Sitz der Zentrale. Der
Sekretär der Gewerkschansitommission mußte agi¬
tatorisch herhalten. Mordböhmen und Steiermark, ja)
auch fremdsprachige Gebiete worden von Hueber
aufgesucht und für die -Bewegung..giwöwneu, Prak¬
tisch lehrte Hueber die Arbeiter das hohe Recht auf.
Streik gebrauchen, und vom cTsten Augenblick ant
ebnete'er den Weg der" Betriebsdemokratie, der Be-
triebsräieverfassuBg. Er sah das Heldetizcitalter der
Gewerkschaftsbewegung, das. Zeitalter, in dem so.
entsetzlich viele Opfer fallen mußten; ilim genügte
nicht, daß die Arbeiter den geinaßregelten Kollegen
SoMarität wahrten,gesetzliche Sicherungen wollte er»
Sie zu erkämpfen mußte die Arbeiterschaft erst
stark sein, aber das Ziel mußte sie ins Auge fassen.
Man darf Hueber den Schöpfer der modernerv
österreichischen Gewerkschaftsbewegung nennen,
denn, wenn auch die Notwendigkeit der Abwehr
gegen den Kapitalismus gegeben war,, konnte von der;
Möglichkeit des Abwehrkampfes erst gesprochen1
werden, bis die, einheitliche Aktion der Proletarier
ermöglicht wurde. Die schuf er, indem er die Kräfte
' sammelte, ordnete, zusammenhielt. Seine Kanzlei
war die Anskunftsstelle für alle erdenklichen Fragen,
für jeden, der sich mit der Gewerkschaftsbewegung
beschäftigte. Es gibt keine noch so untergeordnete'
Sache in der österreichischen Bewegung, von der
Anstellung eines Bezirkssekretärs bis zur Führung-
eines gewaltigen Lohnkampies, in der Hneber nicht
schon befragt worden wäre. Und er war in solchen
Dingen immer hilfsbereit. Zu besonderer Größe aber
wuchs seine Hilfsbereitschaft in großen Kämpfen.-
Da brach der große Textilarbeiterstreik
aus, es handelte "sich um tschechische Proletarier in
Brünn; Hueber ist dort und arbeitet an Seite H y b e §v
und der anderen Genossen. Bergarbeiter
wurden in einen schweren, verzweifelten Abwehr'
kämpf gedrängt Hueber eilt nach Mähriscli-Ostrau>
Unternehmerübermut sperrt Wiener Bau arbeite r
aus, Hueber fehlte bei keiner Entsaheidung in diesem
ernsten Kampfe. Und so könnte man unendlich viele
Fälle anführen., die doch alle mir bestätigen würden,
daß Hueber mit Liebe, Ausdauer und Mut dem Prole¬
tariat diente, gleichgültig, ob bei Vorbereitung der:
Kämpfe.„durch, seine Axiretfunsren zur. Ausgestaltung.
        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.