Full text: Der Betriebsrat - 1921-22 Heft 24 (24)

DES BETRIEBSRAT
D* es für ranz unzulässig erachtet. In einem Gesetzentwurf,
eer die lui »tische Frage des Mieterschutzes zum Geg?n-
•'aod hat«, das gro3e soziale Problem der Wohnungsfrage
loerhaupt aufzurollen. Die Bestlmmunr: des § 4 des Ent¬
wurfes bedeutet aber, ganz angesehen davon, daß sie sich
?!s eine Konzession an die Hauseigentümer darstellt, nichts
•cderes als ein Bekenntnis tc der vor allem von den
h luseigentümern propagierten Meinung der einen der
beiden Parteien, die sich heute hinsichtlich der Ansichten
ftaer die Möglichkeiten einer Sanierung unserer Wohnungs-
f»erhültr.:ssc gegenübeistehen. Die Kaminer betonte, daß
aa;h ihrer Überzeugung von der privaten Initiative im
Interesse dsr so brennend notwendigen, weitgrsifeuden
Regulierung unseres Wohnungswesens nichts erwartet
Verden könne. daß dieser privaten initiative aber auch
nichts überlassen werden dürfe.
Der Bau von Kleinwohnungen. deren Mangel sich in
•rster Linie fühlbar macht, ist dem Privatkapital niemals
rentabel erschienen. Eine Erhöhung der Mietzinse in einem
Ausmaß, das das Privatkapital überhaupt zu Neubauten
anreizen' könnte, erscheint im gegenwärtigen Zeitpunkt
völlig 'iinmÖjrlicH. Der übergroße Teil aller Mieter fförfttte
Ä^-arflge Mietzinse einfach nicht herzählen urd wäre ge-
ungen. sich in einer Weise einzuschränken, die nichts
anderes bedeuten könnte als den Untergang unserer Wolin-
kaltur. Dabei ist es überhaupt fraglich, ob die Bezahlung
derartiger Zinse durchzusetzen wäre und ob niclji ein Ab¬
bau und schließlich eine Aufhebung des Zinssteigerungs¬
verbotes keine ändere Wirkung hätte, als daß die Bevöl¬
kerung schwer gereizt worden wäre, ohne irgendeinen
JEriolg zu erzielen. Der Baumstand eines großen Teiles
Oer bestehenden Mietobjekte Ist heute ein derartiger, da3
die Notwendigkeit rascher and energischer Reformen all¬
gemein anerkannt wird. Eine Erhöhung der Mietzinse auf
Grund der gesteigerten Erhaltungs- und Verwaltungskosten
tnd zum Zwecke der Bestreitung derselben, könnte jedoch
tine bessere Pflege und Instandhaltung der bestehender»
fctietobiekte in keiner Weise sicherstellen, da nicht zu er¬
warten ist. daß die völlig unkontrollierbaren Hauseigen¬
tümer die ihnen zur Verfügung gestellten Mittel wirklich zu
dem Zwecke verwenden würden, zu dem sie bestimmt sind
Die gesamte. Bevölkerung, die so schwer unter den
traurigen Wohnverhältnissen. leidet und die sich dessen
Vöhl bewußt ist, daß die Mifiel zur Behebung derselben von
Ihr selbst aufgebracht werden müssen, ist nicht gewillt,
diese Mittel jemand anderen anzuvertrauen» als einer Stelle,
deren Gebarungen ihr sichtbar sind, und ihrem Einfloß
taterliegen. Die Kammer ersieht die einzige Möglichkeit
einer Lösung in diesem Sinne in der Einführung einer
atark progressiven Wohnungsfürsorgesteuor, deren Er¬
tragnisse von- öffentlich-rechtlichen Körperschaften ver¬
waltete. in erster Linie zur Instandhaltung der bestehenden
iWohngebäude, dann auch zur Vornahme Von Neubauten
Verwendet werden könnten.
Die Kammer fchiite demnach in iiifein Gutachten a»
das Justizministerium alle jene. Neubestimmungen des Ent¬
wurfes abi die eine Verschlechterung des bestehenden
Mieterschutzes bedeuten. Die Kammer richtete ferner eine
J 22.566 •„ >•
Hilfe in Damenschneidereien ...... . . . 13.152 „
Schuhmacher (Woehenlolln) ......... 12.000 „ '
Schuhmacher (Stil klohn)'. . 22.000 „
Oberteilarbeiter (Zuschneider) 14.562 *
Oberteilarbeiter (Vorrichter) 12.000 „
Stepperinnen 9.SOO „
Herrdnhutarbeiter 28.000 ,,
Qualifizierte Hiifsarbeiterinrren ........ 36:450 »
Strohhutnäheriniien (Akkord) 15.000 .
Appreteure 19.C00 ,
Chemische Industrie:
Profession isten . , . .... . . 18.355 &
Professionisten der Gummiindustrie 23.000 „
Gummiarbeiter (Akkord) 29.000 ,
Hilfsarbeiter in der Gummiindustrie 18.000 ,
Spezialarbeiter in der Papierindustrie 20.661 „
Hilfsarbeiterinnen in der Papierindustrie .... 10.(100 „
Glasindustrie: - , ;
Glasschleifer ........ : . 19.920" R '
Glasbläser' , , . . . . . . , . . . . . . 23.000 '»
Kdlbenmacher (Akkord) 32.0'OOv
Graphische Industrie;
Buchdrucker ................. 21.432 R
Steindrucker 21.432 „
Buchbinder in Druckereien ; . . 13.953 „
Buchbinder in Buchbindereifen . . 18.371 „
Druckereihilfsarbeiter . 14.452 „
Zeitungssetzer (Nacht) ............ 25,000 „
Handels- und Transportarbeiter:
Eisenarbeiter 23.346 K
Fensterputzer 12.000 „
Handelsarbe'ter 13.676 „
Kaiarbeiter Taglohn 3.380 „
Kaiarbeiter im A k k o r d 1 o"h n ........ 35.000 „
Klavierträger (Akkord) ........ . . . . 28.000 „
Kohfenarbeiter . , . . . . , . . . . . 20.391 „
Konsumbedienstfelfir (Verkäufer) , , . . . . 18.050 „
Kutscher' . i V(r,085 »v
Lagerhausartjeiter 28.116 „
Lastchauffetire ................ 19.961'«
Plakaticrer ................. 12.506 „?
Predukteharbeiler . : . . lÖ-fW „
Sneditiotisarbcitcr 19.200 „
Spifälsbedlenstete Im Tagfohn, . ... . .... 3.427 * .
H iilsenbr anchei
Mascliißenarbeitcrinnen . . , 7,6,30 Ü
OifaliHäf&rM Hiffssrbeiterinnen .» . i'-. . . 7i.396
Bedie»«ngsin
    

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