Full text: Der Betriebsrat - 1922 Heft 06 (06)

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Betriebsräteschulung gestellt hat. Bei Dietz (Stuttgart)
erschien sein Büchlein „Aus der' BeSrijebsräteprsxis"
(102 Seiten, 15 Mark), das einen Leitfaden durch das
deutsche Betriebsrätegesetz darstellt und mit großer Gründ¬
lichkeit alle Partien des Gesetzes (Wahlverfahren und
Aufbau, Geschäftsführung, gewerkschaftliche und soziale
Aufgaben, Wirtschaftliche Aufgaben) beleuchtet. Zwei
weitere Schriften Wngegen: „Betriebsräte im Aufsichtsrai"
(27 Seiten, Mark 7'50) und „Betriebsrätegesetz und Ge¬
werbe- und Kaufmansgerichtsbeisitzer" (56 Seiten, 9 Mark)
sind Schöpfungen des A.-D.-G.-B.-Verlages. Die erstere
Schrift enthält den vollständigen Text des reichsdeutschen
Gesetzes über die Entsendung von Betriebsratsmitgliedeni
in den Aufsichtsrat, mit Erläuterungen, die letztere eine
Sammlung von Entscheidungen und Schiedssprüchen von
Sehlichtungsaussehüssen, Demobilmachungskommissionen
usw. Beide Broschüren können mit Nutzen auch von öster¬
reichischen Betriebsräten- gelesen werden.
Sehr lebhaft ist auch der Vertrieb vön Kongreß-
protokollen. Die S. P; D. hat soeben das Protokoll ihres
letzten Parteitages von Görlitz in Buchform erscheinen
lassen (D i e t z, Stuttgart, und „V o r w ä r t s", Berlin,
412 Seiten,. 30 Mark). Es enthält vor allem die Debatte, üher
das dort an: Stelle des Erfnrter Programms beschlossene
neue Parteiprogramm. Sa kritisch und ablehnend man sich
auch zu den reformistischen Entwicklungsgängen der einst
sc vorbildlich marxistischen deutschen Sozialdemokratie
stellen muß, mit der Tatsachee des reformistischen
Geistes der grollen Mehrheit der deutschen Arbeitermassen
muß nun eben bis auf weiteres gerechnet werden und es
ist daher netig, sich mit dieser Tatsache vertraut zu
machenj nicht nur damit wir in dieser Tatsache die gegen¬
wärtige Lage der deutschen Arbeiterklasse real und
nüchtern begreifen lernen, sondern damit wir um so leichter
diese Tatsache für uns selbst abzulehnen, vermögen. Natür¬
lich gibt es auch schon eine Menge Kommentare (Erläute¬
rungen) zu dem „Görlitzer Programm"'. Der beste Kom¬
mentar dieser Art ist der Eduard Be rn s t e i n s: Das
Gürützer Programm der S. P. D. Deutschlands (Verlag fiir
Sozial i/issenschafti Berlin, 58 Seiten). Eine gute volkstüm¬
liche Einführung in den Sozialismus versucht Paul Kampf¬
meyer zu geben, der in seiner Abhandlung „Sozialistische
.Theorien und sozialdemokratische- Programme" (Dietz:-
„Vorwärts"; 20 Seiten, Mark 2'50) die klassischen Flug¬
schriften von Marx, Engels und Las Salle, welche
die theoretischen Grundlagen zu den frühere» Partei¬
programmen von Gotha und Erfurt und schleclrterdiugs
auch zu dem gegenwärtigen Görlitzer Programm bilden,
in kurzer und klarer Weise auf ihren Ideengehalt prüft und
solcherart zum Studium der grundlegenden Werke unserer
führenden Sozialisten selbst anregt.
Zu auffällig billigen Preisen sind die dickbändigen,
auf tadellosem Papier mit den schönsten Lettern ge¬
druckten Protokolle cl.es' zweiten und des
dritten Weltkongresses der kommunisti¬
schen Internationale zu haben. (Vertag Karl Hoynr,
I: Band, 798 Seiten, 10 Mark, II. Band, 1Ö86: Seiten, 12 Mark),
Der Inhalt dieser dicken Kolosse ist weit weniger gediegen
als ihre formale Ausstattung und die trostlose Weit¬
schweifigkeit und Ode des altbekannten, niemanden mehr
ersdiäcternden Geschimpfes über Hunderte von Seiten ist
an sich selbst die wirkungsvollste Abschreckung von der
Lektüre. Obwohl es ganz, klar ist, daß die verblüffend
niedrigen Verkaufspreise nur mehrhundertprozentigen Sub¬
ventionen aus Moskau zuzuschreiben sein können, ist diese
Art von Geldverbrauch Moskaus nicht seine schlechteste
Tat, wenngleich die materielle Zuwendung für geistige
Propaganda wahrlich eines besseren Zweckes würdig wäre
als dieses Riesenwasserkopfes sozialistischer Oberflächlich¬
keiten.
Einen interessanten Versuch stellt das vom Volks-
verlag für Wirtschaft and Verkehr (Stuttgart)
mm im zweiten Jahrgang- herausgegebene „Wirtschaftliche
Arbeitiiehmeriahrbucb" dar, an dessen Zustandekommen ein
Kollegium von Arbeitern, Angestellten, Praktikern, •:Wissen¬
schaftlern und Gewerkschaftlern gearbeitet hat. Auf
256 Seiten werden in fünf Unterabteilungen alle möglichen
für Arbeiter wichtige und bemerkenswerte Daten über Welt,
Staat und Gemeinde, über Wiztschaftsrecht, Verkehrs¬
wesen, Wirtschansverbände, Streiks, Fabrikbetrieb, Bilanz-
wesen, Banken- und: Börsenwesen, Geldwesen, Tayler-
System und vieles andere mitgeteilt. Obzwar auch bürger¬
liche Schriftsteller an dem Werkchen beteiligt sind, be¬
fleißigt es sich dennoch einör ruhigen, reih referierenden
tatsacheniileldeiiden) Objektivität.
Sehr rührig sind auch die. Genossenschafter. Inj
Verlag der sozialistischen Genossenschaft
(Gera) ist ein „Genossensdiafishandbuch^ herausgekommen
(120 Seitc-n, 25 Mark), das Hans Müller und Paul H. O 11 o
zu Verfassern hat. Es bringt außer gründlichen und allge¬
mein verständlichen Darstellungen aus der Theorie und
Praxis der Genossenschaftsbewegung die neuesten Jahres-
übersichten und eiue sehr umfangreiche, nach Ländern ge-
ordneteAuslandsnmsclian über die gesamte Genossenschafts-!
be.wegung der ganzen Welt. Ähnliche Tendenz verfolgt das
Bucii Professor Robert Wilbrandts: Konsumgenossen¬
schaften (Verlag Ernst Heinrich Moritz, Stuttgart,
12 Mark). Es gibt einen klaren Überblick über Entstellung
und Entwicklung van Konsumgenossenschaften und über
ihre Bedeutung in sozialpolitischer, volkswirtschaftlicher
und weltwirtschaftlicher Hinsicht. Auch an den Grenzen der
Anwendbarkeit und den Möglichkeiten- der Ausbreitung geht
Wilbrandts Darstellung nicht vorüber. ^
Auf ein anderes Gebiet führt uns W. Reimes: Ein :
Gang durch die Wirtschaftsgeschichte. (Sechs volkstümliche'
Vorträge, Band 63 der internationalen Bibliothek, Dietz,
Stuttgart, 208 Seiten, 24 Marie.) Leider ist die Kenntnis der.'
wirtschaftlichen Zustände früherer Zeiten noch. in. fast allen'
Bevö!ken;;.gsschicliten Deutschlands und Österreichs eine
recht oberflächliche und doch ist sie eine notwendige Vor-.!
bedingung der richtigen Erkenntnis unserer heutigen Wirt¬
schaftsrichtung. Diese Kenntnis zu mehren und das Inter-j
esse für wirtschafcsgeschichtliche Fragen zu wecken, ist das;
Buch Reimes' außerordentlich geeignet.
Zum erstenmal gibt Karl Kautsky das Marxsche
Programm der Internationale als selbständige; besondere I
Schrift heraus (Karl M a.rx: Die Inauguraladresse der intern
nationalen Arbeiterassoziation. Übersetzt von Luise
K a u t s k y, kommentiert von Karl K a u t s k y, Dietz-,,Vor-, j
wärts", 1922, 48 Seiten, 10 Mark). Den Geist der ersten I
Internationale ergründet nur der, der sich in das Studium der i
Marxscheii Inangnraladresse versenkt. Die großen soziali- J
siischen Grundgedanken, die elementarkräftig die Manifeste
und Beschlüsse der Ersten Internationale beseelt haben,
entströmen dieser Adresse und gerade in Anbetracht der j
allcrjüngsten Eitrigungsversuclie des gespaltenen Ptole-u1
tariais zu einer neuen Internationale wird diese Schrift!
ein willkommener Wegweiser sein können, der za theoreti-1 j
scher und taktischer Klarheit" führt.
Russische Probleme behandeln drei uns zugelangte
Broschüren. Die eine ist das bekannte, von PanL Le-.vy,
herausgegebene Nachlaßwerk Rosa Luxemburgs: Die
russische Revolution (Verlag Gesellschaft und Erziehung,
Berlin-Fichtenau 1922, 120 Seiten, 20 Mark), in welchem
die grolle Revolutionärin eine scharfe, lesenswerte Kritik
an dem Bolschewismus übt. Eine andere Schrift von
P. P. Blonskij im gleichen Vertag befaßt sich mit der
„Arbeiterschule" (196 Seiten, 30 Mark), und findet, dafür
manchen guten Gedanken, während eine dritte Broschüre
von Professor Jurij W. Lomonassoff eine tagebuch-:
artige, äußerst lebendig gehaltene Darstellung der ersten
Tage der „Russischen Märzrevolution 1917" gibt (Drei-:'
Masken-Verlag, München 1921, 114 Seiten).
Einen breiten Raum, nehmen die Erörterungen; auf derftj
Gebiete des Arbeitsrechtes ein. Neben einer streng wissen*;
schaftlichen, mit großer Gründlichkeit ausgestatteten' Stndie
von Kurt Brau n über „Die Konzentration der Berufs-:
vereine" (Verlag Julius Springer, Berlin 1922, 118 Seiten,
30 Mark), seien einige populäre Schriften besonders er-'
wähnt. Die beste dieser Art dürfte die vom Deutschen;
Textilarbeiterverband als Material, für Vorträge
lierausgebene Anleitung „Das neue Arbeitsrecht" (Berlin
1922, 70 Seiten) sein. Recht gute Dienste dürfte auch
Heinrich Lehmanns Schriftchen „Grundgedanken des
neuen Arbeitsrechtes" (Verlag Oskar Müller, Köln 1922, :
16 Seiten) leisten. In Österreich fehlen derzeit, leider solche;
zusammenfassende Darstellungen.
Von einzelnen Gesetzestexten oder Kommentaren dazu I
verdient die Gesetzesausgabe der Wiener Arbeiterkammer,]
über die-ia gesondert gesprochen wird, eine ehrende Er-j
Widmung. Siegmund K a ff hat seinen bekannt guten j
Kommentar über die „Betriebsräte" in vermehrter und]
verbesserter Auflage erscheinen lassen (Wien 1922, 132' Sei-jj
ten). Einer ähnlichen Aufgabe hat sich für das Gebiet der
Tschechoslowakei Anton Schäfer unterzogen: „Da?;
Gesetz über die Errichtung von Betriebsausschüssen"
(Reichenberg 1922, 96 Seiten, 6 cK). „Die Neugestaltung
der Sozialversicherung" ist ein Rechtsgebiet, das sich
Friedrich K1 e e i s in der Schriftenreihe des „Verlages für
        

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