Full text: Beschäftigung und Arbeitslosigkeit im tertiären Sektor Wiens in den achtziger und neunziger Jahren (77)

Durchschnitt (30,4%). Insgesamt entfielen auf Wien 1997 bereits 42,3 Prozent aller Langzeitarbeitslosen Österreichs. Der starke Anstieg der Arbeitslosigkeit in Wien (von 1987 auf 1997 erhöhte sich die Zahl der Arbeitslosen um zirka 28.500 Personen oder um 71,5%) ist also sehr eng mit dem Problem Langzeitarbeitslosigkeit verbunden. Darauf weisen auch die unterschiedlich ausfallenden Entwicklungstrends in den vier Vormerkkategorien hin. Den stärksten Zuwachs verzeichneten die über 12 Monate Vorgemerkten (+126,8%). Ebenfalls eine überdurchschnittliche Zunahme ist mit 81,9% in der nächstfolgenden Kategorie (6 bis 12 Monate Vormerkdauer) festzustellen. Der Durchschnittsbestand an Arbeitslosen mit einer Vormerkdauer von unter 6 Monaten hatte hingegen die geringste Steigerungsrate (52,0%). Die vorliegenden Ergebnisse weisen also darauf hin, daß sich das Arbeitslosenproblem in Wien bis 1997 weiter verfestigte. Wenn der Anteil der Langzeitarbeitslosen schneller wächst als die Arbeitslosigkeit insgesamt, bedeutet das, daß ein - relativ gesehen - immer kleiner werdender Teil der Arbeitslosen fluktuiert und gleichzeitig ein immer größer werdender Anteil (die Langzeitarbeitslosen) dauerhaft in Arbeitslosigkeit verbleibt. Männer sind in erhöhtem Ausmaß mit Langzeitarbeitslosigkeit konfrontiert. 1997 waren 60 Prozent (ca. 18.000 von insgesamt ca. 30.000 Langzeitarbeitslosen) männlich. Der Anteil der Langzeitarbeitslosen an den Gesamtarbeitslosen lag im selben Jahr bei den Männern (44,6%) um 2,3 Prozentpunkte oberhalb jenes der Frauen (42,3%). Daß Langzeitarbeitslosigkeit ein gravierendes arbeitsmarktpolitisches Problem der Bundeshauptstadt darstellt, haben die vorhergehenden Ergebnisse anschaulich dargelegt. In den folgenden beiden Unterabschnitten sollen nun detailliertere Analysen darüber Aufschluß geben, in welchen Bereichen (Wirtschaftsklassen bzw. Berufe) Langzeitarbeitslosigkeit eine besondere Rolle spielt. 8.4.1 Sektorale Analyse Entsprechend der Gesamtzahl der Arbeitslosen weisen die Dienstleistungen den höchsten Anteil an Langzeitarbeitslosen auf. 61,7 Prozent aller Langzeitarbeitslosen Wiens sind demnach dem Tertiärsektor zuzuordnen. Ein anderes Bild entsteht jedoch bei der Betrachtung der Verteilung der Arbeitslosen nach der Vormerkdauer. Hier zeigt sich, daß die Sachgüterproduktion den relativ größten Anteil an Langzeitarbeitslosen (49,5%) ausweist. 1997 war demzufolge jede/r zweite gemeldete Arbeitslose in der Wiener Sachgüterproduktion bereits länger als ein halbes Jahr ohne Beschäftigung. Der Dienstleistungssektor ist durch einen etwas geringeren Anteil an Langzeitarbeitslosen (44,0%) gekennzeichnet. Den geringsten Anteil an Langzeitarbeitslosen weist das Bauwesen mit 34,8 Prozent auf. Hier ist die Arbeitslosigkeit vorwiegend durch saisonale Einflüsse geprägt. Es zeigt sich weiters, daß die stärksten Anteilsverschiebungen in der Sachgüterproduktion zu verzeichnen waren. Sie waren von deutlichen Rückgängen bei den Arbeitslosen mit kurzer Vormerkdauer und entsprechend hohen Zunahmen bei Arbeitslosen mit längerer Vormerkdauer geprägt. Mithin hat sich im Verlauf der letzten zehn Jahre im Bereich der Sachgüterproduktion das Gewicht der Langzeitarbeitslosigkeit weit überdurchschnittlich erhöht. Der Entwicklungsverlauf im Tertiärbereich ging zwar ebenfalls in dieselbe Richtung (Zunahmen bei der Langzeitarbeitslosigkeit), war aber schwächer ausgeprägt. 98

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