Full text: Beschäftigung und Arbeitslosigkeit im tertiären Sektor Wiens in den achtziger und neunziger Jahren (77)

teils an der Erwerbstätigenzahl in den siebzehn erfaßten Ländern fiel zwischen
1984/7 und 1996/8 von 7,6 auf 5,4 Prozentpunkte. 1996/8 belief sich der betreffende
Dienstleistungsanteil in den USA auf 72,4%, in der EU auf 65,2%, in Deutschland auf
62,1% und in Österreich auf 63,1%. Zwischen der Konvergenz der Pro-Kopf-
Einkommen und der sektoralen Zusammensetzung der Beschäftigung scheint ein
enger Zusammenhang zu bestehen: Das Pro-Kopf-Einkommen (zu Kaufkraftparitä¬
ten) ist stark und positiv korreliert mit dem Dienstleistungsanteil an der Erwerbstäti¬
genzahl (Korrelationskoeffizient 0,82).
Zu dem obigen Vergleich ist allerdings zu bemerken, daß er die tatsächlichen Unter¬
schiede bezüglich der Tertiärisierung überzeichnet. Gemäß Volkszählung stieg in
Österreich der Anteil der Dienstleistungsberufe von 62,0% 1981 auf 68,2% 1991.
Diese Zunahme resultierte aus dem bedeutenden Anteilszuwachs des tertiären Sek¬
tors an der Gesamtzahl der Erwerbspersonen und der leichten Anteilserhöhung der
Dienstleistungsberufe innerhalb des Dienstleistungssektors. Die an der Berufsstruk¬
tur gemessene Tertiärisierung ist somit wesentlich weiter vorangeschritten als die an
der sektoralen Erwerbspersonenstruktur gemessene Tertiärisierung der Beschäfti¬
gung. Im Hinblick auf die berufsbezogene Tertiärisierung wies Österreich Anfang der
neunziger Jahre gegenüber Westdeutschland keinen Rückstand auf. Dort belief sich
1993 der Anteil der Erwerbstätigen in Dienstleistungsberufen auf 68%. Nach den tat¬
sächlich ausgeübten Tätigkeiten betrug der Dienstleistungsanteil bereits 73%. In den
USA lag der entsprechende Wert in jenem Jahr bei 72%.8
Erwerbstätigenquoten-. Was aus dem internationalen Vergleich der sektoralen Er¬
werbstätigkeitsstrukturen und der Tätigkeitsstrukturen jedoch nicht hervorgeht, ist der
Rückstand Österreichs gegenüber einigen der hochentwickelten Länder in bezug auf
die Erwerbstätigenquote (Anteil der Erwerbstätigen an der Bevölkerung zwischen 15
und 64 Jahren). Gemäß der 1999 in den Mitgliedstaaten der EU nach einheitlichen
Grundsätzen durchgeführten Arbeitskräfteerhebung betrug die Erwerbstätigenquote
in Österreich 68,2% (3,678 Mio. selbständige und unselbständige Erwerbstätige).
Diese Quote ist weit höher als der entsprechende Wert für die EU-15 (62,1%). In ei¬
nigen EU-Ländern gelingt es allerdings, einem noch größeren Teil der Bevölkerung
im angeführten Altersbereich die Erwerbstätigkeit zu ermöglichen: in Dänemark
76,5%, in den Niederlanden 70,9%, in Schweden 70,6% und in Großbritannien
70,4%. Auch in den Vereinigten Staaten übertraf die Erwerbstätigenquote mit 73,5%
(1997) deutlich den österreichischen Wert. Gegenüber den genannten Ländern weist
Österreich somit eine .Erwerbstätigkeitslücke auf. Infolge des Zwei-Drittel-Anteils
des Dienstleistungssektors und der langfristigen Richtung des sektoralen Struktur¬
wandels in der Beschäftigung besteht in erster Linie im tertiären Sektor die Chance,
die Erwerbstätigenquote durch Schaffung zusätzlicher Arbeitsplätze zu erhöhen.
Eine Möglichkeit, die Erwerbstätigkeitslücke auf diese Weise zum Teil zu schließen,
besteht darin, gezielt Maßnahmen zugunsten der Arbeitsmarktintegration von Frauen
zu setzen. Diese lag in Österreich 1999 laut Arbeitskräfteerhebung mit 59,7% zwar
deutlich über dem Wert der EU-15 (52,6%), aber noch weit unter jenen von Ländern
wie Dänemark (71,6%), Schweden (68,9%), Finnland (64,6%) und Großbritannien
(63,7%). Eine erhöhte Frauenerwerbsbeteiligung führt dazu, daß bislang im Haus¬
halt, im Familienverband etc. geleistete Arbeiten marktmäßig organisiert werden. Die
Nachfrage nach Haushaltsdiensten, Kinderbetreuung, ambulanten Pflegediensten,
gastronomischen Leistungen, Aus- und Weiterbildungsprogrammen usw. steigt.
Ökonometrische Untersuchungen10 bestätigen statistisch signifikant den positiven
Zusammenhang zwischen der Frauenerwerbsbeteiligung und den realen Pro-Kopf-
Ausgaben privater Haushalte für marktmäßige Dienstleistungen. Und in eben diesen
Dienstleistungsbereichen kann ein erheblicher Teil des zusätzlichen weiblichen Ar-
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