Full text: Beschäftigung und Arbeitslosigkeit im tertiären Sektor Wiens in den achtziger und neunziger Jahren (77)

beitsangebots absorbiert werden. Angebots- und nachfrageseitige Wirkungen gehen
somit in beträchtlichem Maße Hand in Hand. Die Erhöhung der Frauenerwerbstätig-
keitsquote aber ist u.a. gebunden an eine Verbesserung und Vermehrung von Mög¬
lichkeiten der Teilzeitarbeit, und zwar nicht nur in Bereichen mit geringen Qualifikati¬
onsanforderungen, sondern auch in solchen mit mittleren und hohen.
Zusammensetzung der Dienstleistungsbeschäftigung: Die von der OECD (2000) vor¬
genommene Untergliederung des Dienstleistungssektors nach funktionalen Ge¬
sichtspunkten entspricht weitgehend der oben dargelegten; der einzige Unterschied
besteht darin, daß die OECD Soziale und Öffentliche Dienstleistungen zusammen¬
faßt (Social Services). Der internationale Überblick zeigt, daß von 1984 bis 1998 die
stärkste Beschäftigungszunahme im Bereich der Produktionsbezogenen Dienstlei¬
stungen (Producer Services) und im Bereich der Sozialen und Öffentlichen Dienst¬
leisrungen erfolgte. Die Beschäftigungsanteile der Distributiven Dienstleistungen und
der Konsumorientierten Dienstleistungen (Personal Services) blieben hingegen weit¬
gehend unverändert. Damit setzten sich die bereits für die sechziger und siebziger
Jahre festgestellten Tendenzen im wesentlichen fort. Erhebliche internationale Un¬
terschiede in der Verteilung der Dienstleistungsbeschäftigung auf die vier Subsekto-
ren bestehen allerdings weiterhin, selbst zwischen Ländern mit ähnlichem Einkom¬
mensniveau. Diese Diskrepanzen bezüglich der internen Beschäftigungsstruktur des
tertiären Sektors sind offenbar auf Faktoren wie das Ausmaß der Frauenerwerbsbe¬
teiligung, den Ausbau des Wohlfahrtsstaats, die Regulierungspolitik und die Speziali¬
sierung im internationalen Handel zurückzuführen. Am ausgeprägtesten sind die
Unterschiede innerhalb der OECD-Ländergruppe in bezug auf den Anteil der Sozia¬
len und Öffentlichen Dienste.
Gemäß OECD betrug der Anteil der Produktionsbezogenen Dienste an der Gesamt¬
zahl der Erwerbstätigen in Österreich 1996/8 10,3% (EU 11,0%; USA 16,4%), jener
der Distributiven Dienste 22,4% (EU 20,8%; USA 16,6%), jener der Konsumorien¬
tierten Dienste 8,9% (EU 8,3%; USA 13,0%) und jener der Sozialen und Öffentlichen
Dienste 21,5% (EU 25,2%; USA 26,3%). Es ist nicht damit zu rechnen, daß sich alle
wirtschaftlich hochentwickelten Länder einer bestimmten sektoralen und subsektora-
len Zusammensetzung der Beschäftigung nähern. Die Tatsache, daß der Unter¬
schied in der Erwerbstätigenquote zwischen zwei Ländern rein rechnerisch auf die
Diskrepanz in einem bestimmten Subsektor zurückgeführt werden kann, muß nicht
bedeuten, daß der Hauptgrund für den Unterschied in der Erwerbstätigenquote in
eben diesem Bereich liegt.
Frauenanteil im tertiären Sektor. Frauen sind unter den Erwerbstätigen des Dienstlei¬
stungssektors überproportional vertreten. 1998 belief sich laut OECD (2000) die Re¬
lation zwischen weiblichen und männlichen Erwerbstätigen ebendort in Österreich
auf 1,18 (EU 1,07; USA 1,19).
Qualifikationsniveau der Beschäftigten des Dienstleistungssektors: Der Qualifikati¬
onsstand, gemessen an der höchsten absolvierten Ausbildung der Erwerbstätigen,
ist im Dienstleistungssektor höher als in der Sachgüterproduktion. Die Tertiärisierung
der Beschäftigung erhöht mithin die Bedeutung der Aus- und Weiterbildung. Inner¬
halb des tertiären Sektors bestehen freilich erhebliche Unterschiede. Der von der
OECD (2000) angestellte internationale Vergleich zeigt, daß der Ausbildungsstand
am höchsten in den Produktionsbezogenen Diensten sowie in den Sozialen und Öf¬
fentlichen Diensten und am niedrigsten in den Konsumorientierten Diensten ist.
Die OECD verwendete in dieser Untersuchung zwei Maßstäbe für die Qualifikations¬
struktur der Erwerbstätigen: erstens die Relation zwischen der Zahl der Niedrigquali¬
fizierten einerseits und der Zahl der Beschäftigten mit mittlerer und höherer Qualifi-
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