Full text: Beschäftigung und Arbeitslosigkeit im tertiären Sektor Wiens in den achtziger und neunziger Jahren (77)

kation andererseits; zweitens das Verhältnis zwischen der Zahl der Beschäftigten mit
Universitätsausbildung und der Zahl der übrigen Erwerbstätigen. Die erstgenannte
Relation lag 1998 in Österreich in allen Subsektoren des Dienstleistungssektors er¬
heblich unter den jeweiligen Vergleichswerten der EU. Sie betrug für den tertiären
Sektor insgesamt 0,22 (EU 0,71), für die Produktionsbezogenen Dienste 0,18 (0,35),
für die Distributiven Dienste 0,24 (1,25), für die Konsumorientierten Dienste 0,42
(2,02) und für die Sozialen und Öffentlichen Dienste 0,14 (0,39). Daraus geht die ho¬
he Bedeutung der mittleren Qualifikationen in Österreich hervor (Lehre, Abschluß von
AHS, BHS, BMS).11 Ganz anders sieht der Vergleich zwischen Österreich und der
EU aus, wenn die zweite Maßzahl für die qualifikationsmäßige Zusammensetzung
der Beschäftigung herangezogen wird; denn in Österreich ist das zahlenmäßige Ver¬
hältnis zwischen Universitätsabsolventlnnen und übrigen Beschäftigten in allen tertiä¬
ren Subsektoren ungünstiger als in der EU: Dienstleistungssektor insgesamt 0,11
(EU 0,19), Produktionsbezogene Dienste 0,17 (0,35), Distributive Dienste 0,03
(0,06), Konsumorientierte Dienste 0,04 (0,06) und Soziale und Öffentliche Dienste
0,20 (0,38).
Von einem mit der Tertiärisierung einhergehenden generellen Trend zu Arbeitsplät¬
zen mit geringeren Qualifikationsanforderungen und daher schlechter Entlohnung
kann somit keineswegs gesprochen werden. Auch zukünftig wird im Dienstleistungs¬
sektor die Nachfrage nach qualifizierten Arbeitskräften überproportional steigen. In
Österreich werden die Beschäftigten mit Hochschulabschluß zu rund 90% vom tertiä¬
ren Sektor absorbiert: vor allem in den Banken und Versicherungen, Wirtschaftsdien¬
sten, im Unterrichts- und Gesundheitswesen sowie in der öffentlichen Verwaltung.12
Die Erwerbstätigenzahlen in Berufsgruppen mit geringeren Qualifikationsanforderun¬
gen werden hingegen schwächer zunehmen. Dies zeigt sich auch am von den IHS-
Autoren prognostizierten Berufseffekt (Veränderung der Berufsstruktur innerhalb der
einzelnen Wirtschaftsklassen), der für die qualifizierten Berufsgruppen stark positiv
und für die gering qualifizierten negativ ist. Während also die niedrig qualifizierten
Dienstleistungsberufe nur von der dynamischen Entwicklung tertiärer Wirtschafts¬
klassen profitieren (für fast alle Dienstleistungsberufe sind die Brancheneffekte je¬
weils positiv), weisen die höher qualifizierten Berufe ein zusätzliches, berufsspezifi¬
sches Wachstum auf, welches aus einer Zunahme des jeweiligen Beschäftigtenan¬
teils in den einzelnen Wirtschaftsklassen resultiert.
Verbesserungen des Ausbildungsstandes der Erwerbstätigen sind daher ein wesent¬
licher Bestandteil jedes arbeitsmarktpolitischen Maßnahmenpakets zur Verminde¬
rung der Probleme durch unzureichende Entsprechung von Angebot und Nachfrage
an Qualifikationen. Aus den großen internationalen Unterschieden in der beruflichen
und branchenmäßigen Zusammensetzung des Dienstleistungssektors geht zudem
hervor, daß die Nachfrage dieses Sektors nach Arbeitskräften verschiedenen Berufs¬
und Ausbildungsstands politisch bis zu einem gewissen Grad beeinflußbar ist.
Teilzeitbeschäftigung und befristete Arbeitsverhältnisse: Ein weiteres Charakteristi¬
kum der Beschäftigungsentwicklung im Dienstleistungssektor ist die überdurch¬
schnittliche Zunahme der Zahl der Teilzeitbeschäftigten. Letztere sind im tertiären
Sektor weit überproportional vertreten. Während in den meisten OECD-Ländern die
Teilzeitquote in den Konsumorientierten Diensten am höchsten ist, gilt dies in Öster¬
reich für die Produktionsbezogenen Dienste. Das Verhältnis zwischen der Zahl der
Teilzeitbeschäftigten und der Zahl aller übrigen unselbständig Beschäftigten belief
sich 1998 im gesamten Dienstleistungssektor auf 0,17 (EU 0,24), in den Produkti¬
onsbezogenen Diensten auf 0,21 (0,16), in den Distributiven Diensten auf 0,16
(0,17), in den Konsumorientierten Diensten auf 0,19 (0,40) und in den Sozialen und
Öffentlichen Diensten auf 0,15 (0,30).
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