Full text: Beschäftigung und Arbeitslosigkeit im tertiären Sektor Wiens in den achtziger und neunziger Jahren (77)

Sicherheit den zukunftsorientiertesten Teil des gesamten Beschäftigungssystems dar. Hier sind auch weiterhin bedeutende Beschäftigungspotentiale zu vermuten. Im Vergleich zur bundesweiten Entwicklung stellt sich die Beschäftigungsstagnation im qualifizierten Berufsbereich als etwas überraschend dar. Hier wären eigentlich zumindest gemäßigte Wachstumsraten zu erwarten gewesen. Daß dieser Verlauf in Wien nicht eingetreten ist, liegt unter anderem auch daran, daß der wirtschaftliche Strukturwandel nicht nur den sekundären Sektor, sondern ebenso Teile des tertiären Bereichs erfaßt hat. Einige Berufe mit relevanten Rationalisierungspotentialen (z. B. Datatypisten, kaufmännische Rechnungsberufe, etc.) sind in Wien überproportional vertreten. Durch den anhaltenden Verlagerungsprozeß von Produktionsstätten ins benachbarte Umland gingen weiters nicht nur Produktions- sondern auch Verwaltungsberufe verloren. Werden ferner die zur Zeit sowohl im öffentlichen als auch im privaten Sektor vorherrschenden restriktiven Personalstrategien im Verwaltungsbereich berücksichtigt, kann nicht gerade von einem optimistischen Beschäftigungsszenario ausgegangen werden. Eher ist hier auf mittlere Frist mit leichten Beschäftigungsrückgängen zu rechnen. Einen weitaus besseren Entwicklungsverlauf haben dagegen die weniger qualifizierten Dienstleistungsberufen in Wien zu verzeichnen. Die hier zusammengefaßten Berufsgruppen können großteils dem Bereich der primären Dienstleistungen zugeordnet werden. Auf den ersten Blick stimmt daher die Berufsentwicklung in diesem Segment nicht mit den Ergebnissen der sektoralen Analyse (vorwiegend Beschäftigungsrückgänge) überein. Wird allerdings das unterschiedliche Zeitintervall berücksichtigt, so löst sich der scheinbare Widerspruch weitgehend auf. Der Beschäftigungsverlauf war nämlich in den primären Diensten bis 1991 positiv. Das spiegelt sich auch in der Berufsanalyse wider. Einige Berufsgruppen weisen zwar (noch) kräftige Zuwächse auf, im Laufe dieses Jahrzehnts ist jedoch auch hier in den meisten Berufsgruppen mit eher gegenteiligen Tendenzen zu rechnen. Weiterhin expansiven Charakter werden vermutlich nur die Gesundheits- und Sanitätshilfsberufe aufweisen. Alle gering- bis unqualifizierten Berufsbereiche der industriellen Sachgüterproduktion haben in Wien - mitunter sogar in starkem Ausmaß - an Beschäftigung verloren. Viele Indikatoren weisen darauf hin, daß dieser Trend im wesentlichen weiter anhalten wird. Die meisten Bauberufe27 und zum Teil auch Berufe des Verarbeitenden Gewerbes haben eine etwas bessere Beschäftigungsbilanz aufzuweisen. Dennoch bestehen auch hier keine besonders positiven Beschäftigungsperspektiven. Im Gegenteil, lassen doch die beinahe durchgängig negativen Entwicklungsverläufe im sekundären Sektor mit hoher Wahrscheinlichkeit für diese Berufsgruppen Beschäftigungsrückgänge erwarten. Letztendlich verbleiben noch alle unqualifizierten dienstleistungsorientierten Tätigkeiten mit leicht überdurchschnittlichen Beschäftigungszunahmen. Ein beträchtlicher Anteil ausländischer Beschäftigter findet in diesem Segment Arbeit. Die hier anzutreffenden Beschäftigungsverhältnisse sind vielfach sehr flexibel gestaltet, die Arbeitsbedingungen liegen ebenso wie die Löhne am unteren Rand der jeweiligen Skalen, der Beschäftigungsschutz ist nicht zuletzt aufgrund der geringen 27 Hinsichtlich der Bauberufe muß auf den hohen Anteil der Berufspendler hingewiesen werden. Dadurch relativieren sich natürlich alle in diesem Zusammenhang für die Wiener Beschäftigung dargelegten Argumente. Diesbezüglich wäre eine Analyse der Region Ostösterreich - die aber den Rahmen der vorliegenden Studie überschreiten würde - zweifelsohne zielführender. 71

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