Volltext: Beschäftigung und Arbeitslosigkeit im tertiären Sektor Wiens in den achtziger und neunziger Jahren (77)

Arbeitsbeschäftigungsstagnation aus. Noch problematischer stellt sich die Divergenz im Zeitraum 1991-1997 dar. Hier nimmt die (unselbständige) Arbeitsbeschäftigung laut Hauptverband um 2,2% oder rund 17.000 Personen ab, gleichzeitig erhöht sich aber laut Mikrozensus die (selbständige und unselbständige) Wohnbeschäftigung (ohne Karenzgeldbezieherinnen bzw. -bezieher sowie Präsenzdiener) um 6,5% oder ca. 43.000 Personen. Trotz unterschiedlicher Grundgesamtheiten erscheint die Differenz doch als relativ groß. Dafür bieten sich nun mehrere Erklärungsmöglichkeiten an. Ein wesentlicher Unterschied begründet sich schon alleine durch das erfaßte Objekt: Der Hauptverband zählt in Wien gemeldete Beschäftigungsverhältnisse, der Mikrozensus erhebt den Beschäftigungsstand der in Wien gemeldete Personen (Wohnbeschäftigung). Daher haben Veränderungen in den Pendlerströmen einen maßgeblichen Einfluß auf die ausgewiesenen Werte. Nehmen diese beispielsweise in den neunziger Jahren ab, so geht die Beschäftigung für den Hauptverband zurück, während sie für den Mikrozensus konstant bleibt. Weiters werden ausländische Arbeitskräfte vom Hauptverband vermutlich untererfaßt, da sie zu einem höheren Prozentsatz in illegalen Beschäftigungsverhältnissen arbeiten. Inwieweit der Mikrozensus illegal arbeitende Ausländer und Ausländerinnen erfaßt, ist nicht vollständig geklärt, allerdings werden sie in der Hochrechnung der Stichprobe höher gewichtet. Damit erfolgt auch eine automatische Korrektur nach oben. Da gerade in den neunziger Jahren die Zahl der Ausländer und Ausländerinnen in nicht unbeträchtlichem Ausmaß angestiegen ist, kann davon ausgegangen werden, daß sich diese Entwicklung in den Daten des Mikrozensus niedergeschlagen hat. Auf einer vollkommen anderen Ebene setzt die zweite Erklärungsmöglichkeit an. 1994 wurde ebenso wie auch schon zehn Jahre zuvor (von 1983 auf 1984) für die Mikrozensuserhebung sowohl die Stichprobe als auch die Basis der Bevölkerungsfortschreibung (von Volkszählung 1981 auf 1991) gewechselt. Beide Umstellungen haben nachhaltige Niveauverschiebungen im Beschäftigtenstand mit sich gebracht. Gerade Wien wurde aufgrund der relativ kleinen Stichprobe davon besonders tangiert. Der Beschäftigtenstand erhöhte sich aufgrund der Umstellung von 1993 auf 1994 sprunghaft um fast 27.000 Personen. Danach verläuft er - auf erhöhtem Niveau - wieder in verhältnismäßig "normalen" Bahnen. Beide Zeitpunkte der Stichprobenumstellungen (1983/1984 und 1993/1994) sind in den nachfolgenden Grafiken daher durch eine senkrechte, nicht durchgezogene Linie gekennzeichnet (Zeitreihenbrüche!). Da der Mikrozensus die einzige Datenbasis darstellt, die eine Untersuchung der Teilzeitbeschäftigung erlaubt und kaum Möglichkeiten für Datenkorrekturen gegeben sind, muß im weiteren - wohl oder übel - die Widersprüchlichkeit in den Aussagen der beiden Datensätze akzeptiert und in der folgenden Analyse stets mitbedacht werden. Bezüglich der verwendeten Terminologie muß an dieser Stelle wieder darauf hingewiesen werden, daß der Mikrozenzus die Zahl aller Beschäftigten (und zwar selbständig und unselbständig Beschäftigte ohne Karenzgeldbezieherinnen und Präsenzdiener), die in Wien wohnen, mißt. Der Begriff "Wohnbeschäftigung" bleibt daher weiterhin zur besseren Abgrenzbarkeit der Werte gegenüber dem Hauptverband aufrecht. Wo aus stilistischen Gründen die Bezeichnung "Beschäftigung" verwendet wird, ist jedenfalls aber die (selbständige und unselbständige) Wohnbeschäftigung gemeint. 74

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