Volltext: Beschäftigung und Arbeitslosigkeit im tertiären Sektor Wiens in den achtziger und neunziger Jahren (77)

schäftigungsverhältnisse) im tertiären Sektor um insgesamt 5,1% bzw. 100.700 zu.
Die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate betrug damit über 1,2%. Im ange¬
führten Zeitraum erhöhte sich die Gesamtzahl der unselbständig Beschäftigten um
jährlich 0,5%. Dem Anstieg im Dienstleistungssektor stand ein fortgesetzter Rück¬
gang in der Sachgüterproduktion (-1,1% p.a.) gegenüber.
Bis zum Jahr 1992 waren für alle Wirtschaftsklassen des tertiären Sektors (einzige
Ausnahme: Haushaltung und -Wartung) fast durchwegs positive Veränderungsraten
der unselbständigen Beschäftigung festzustellen. Die Beschäftigungsrückgänge in
der Land- und Forstwirtschaft und in der Sachgüterproduktion wurden dadurch re¬
gelmäßig mehr als ausgeglichen. Das Rezessionsjahr 1993 bildete hier einen Wen¬
depunkt. Die Entwicklung seither belegt, daß die lange währende Phase einer konti¬
nuierlichen und allgemeinen Beschäftigungszunahme im Dienstleistungssektor An¬
fang der neunziger Jahre zu Ende ging.
Wie die Tabelle 5 zeigt, standen in der zweiten Hälfte der neunziger Jahre Branchen
mit nach wie vor hohen oder sogar sehr hohen Zunahmen solche mit nicht unbe¬
trächtlichen Rückgängen gegenüber.4 Jährliche Zuwachsraten von mehr als 5% ver¬
zeichneten v.a. die Wirtschaftsdienste (Unternehmensbezogene Dienstleistungen,
Datenverarbeitung, Forschung und Entwicklung) sowie die Unterhaltungs- und kultu¬
rellen Dienste. Überdurchschnittliche Wachstumsraten waren zudem für das Ge-
sundheits- und Sozialwesen sowie für das Unterrichtswesen festzustellen. Die Zahl
der Beschäftigungsverhältnisse im Einzelhandel und im Fremdenverkehr nahm je¬
weils unterdurchschnittlich zu. Gleiches galt für die Beschäftigung in der öffentlichen
Verwaltung; hier ist allerdings zu berücksichtigen, daß Teilnehmerinnen an Kursen
des AMS dieser Wirtschaftsklasse zugeordnet wurden. Die steigende Teilnehmerin¬
nenzahl erklärt zu einem großen Teil den ausgewiesenen Zuwachs.
Die Beschäftigungszahl im Bankwesen und jene im Realitätenwesen stagnierten.
Leichte Rückgänge verzeichneten der Großhandel, der Landtransport und die Nach¬
richtenübermittlung. Die prozentuell stärkste Abnahme erfolgte im Versicherungswe¬
sen.
Lediglich ein Teil der ab 1993 registrierten Beschäftigungseinbußen in vielen Bran¬
chen des Dienstleistungssektors kann auf zyklische oder andere nur temporär wir¬
kende Faktoren zurückgeführt werden. „Die Änderungen der rechtlich-institutionellen
Rahmenbedingungen für zahlreiche Dienstleistungsbereiche, die bereits eintraten
bzw. in nächster Zeit bevorstehen, haben hingegen dauerhafte Auswirkungen, set¬
zen bislang mehr oder weniger geschützte Branchen unter erheblich verschärften
Wettbewerbsdruck. Dies führt u.a. dazu, daß sich Konzentrationstendenzen be¬
schleunigen und Produktivitätspotentiale in höherem Maße als in der Vergangenheit
ausgeschöpft werden."5 Daher ist in Bereichen wie dem Bank- und dem Versiche¬
rungswesen, dem Großhandel, dem Postwesen und dem Schienenverkehr, die in
den siebziger und achtziger Jahren zum Teil noch sehr hohe Beschäftigungszunah¬
men auswiesen, zukünftig mit Stagnation oder Rückgang zu rechnen. Ferner ist in
Rechnung zu stellen, daß die Einsparungsmaßnahmen der Gebietskörperschaften in
vielen, wenn auch nicht allen Aufgabenfeldern auf die Beschäftigung durchschlagen
werden.
5. Teilzeit- und geringfügige Beschäftigung in Österreich
Arbeitszeitformen wie Teilzeitarbeit und geringfügige Beschäftigung sind im Dienst¬
leistungssektor überproportional vertreten. Die Tabelle 6 zeigt auf der Grundlage von
Mikrozensus-Daten die Veränderung der Zahl der Teilzeitbeschäftigten - das sind alle
unselbständig Beschäftigten mit einer wöchentlichen Normalarbeitszeit von minde-
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